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"Sie sitzen nur da und schauen mit großen Augen"

"Sie sitzen nur da und schauen mit großen Augen"

- Markt Schwabener Frauen helfen Asylbewerberkindern

VON CHRISTINE GEHRI-KRAMER Markt Schwaben - "Die Dankbarkeit dieser Menschen und das Lachen der Kinder entschädigt für alles!" Das meinen Susanne Gammel und Bettina Ismair. Gerade kommen sie vom Asylbewerberheim in der Geltinger Straße. Dort haben sie sechs ausländische Familien mit ihren Kindern besucht. "Man kann sich die Verhältnisse dort wirklich kaum vorstellen" so Bettina Ismair. "Da wohnen fünf Personen auf 15 Quadratmetern - und haben zum Leben wirklich nur das Allernötigste!"

Gerade die Kinder leiden unter dieser Situation. Deswegen freuen sich die beiden Frauen auch besonders, dass es ihnen durch verschiedene Spenden möglich gemacht wurde, die jüngsten Bewohner mit kleinen Weihnachtsgeschenken zu überraschen. "Sie können sich nicht ausmalen, welche Freude sie einem dieser Kinder mit ein paar Lego-Steinen oder einer Barbie-Puppe machen", erzählt Susanne Gammel, selbst Mutter zweier Buben.

Dabei konnten die engagierten Damen nicht ahnen, wie sehr sie das Schicksal dieser Menschen einmal berühren würde. Bettina Ismair er-

Viele Ausländer in den Klassen

innert sich an ihre ersten Kontakte vor zwei Jahren. Damals machte sie sich Sorgen um ihren eigenen Sohn, der in die erste Klasse der Grundschule in Markt Schwaben ging. Er langweile sich im Unterricht, meinte der Filius, weswegen die besorgte Mutter mit dessen Klassenlehrerin Gisela Daiminger sprach. Diese erörterte die schwierige Klassensituation. Der hohe Anteil fremdsprachiger Kinder machte einen normalen Schulunterricht fast nicht möglich. Manche hätten nicht einmal eine Winterjacke, geschweige denn das nötige Schulzeug. Und einige sprächen nicht ein Wort Deutsch: "Sie stören nicht. Sie sitzen nur da und schauen mit großen Augen!"

Nachdenklich sei sie nach Hause gegangen, so die Pfarrangestellte. "Hier half es nicht, zu lamentieren. Die Kinder taten mir leid. Sie waren nun einmal in der Klasse, daran ließ sich nichts ändern. Also galt es, das Beste daraus zu machen."

Oft fehlt das Allernötigste

Gemeinsam mit ihrer Freundin Doris Backofen sann sie auf Abhilfe. "Dabei war uns eines schnell klar", so Frau Ismair: "Hier war nicht die Schule allein gefragt, sondern die Hilfe der Eltern". Ihr Gedanke war, die ausländischen Kinder so rasch als möglich zu integrieren und gleichzeitig das Verständnis der Mitschüler und deren Eltern für sie zu wecken. Schnell fand sich eine Interessengemeinschaft. Kleidung und Schulsachen wurden gespendet und beschlossen, dass man die Buben und Mädchen zumindest für einen Nachmittag in der Woche zu sich nach Hause holen wollte. Gemeinsam mit dem eigenen Nachwuchs sollten die teils traumatisierten Kinder spielen, die Hausaufgaben erledigen und dabei wieder einmal normale Verhältnisse erleben dürfen.

Bis es zum ersten Treffen kam, mussten allerdings noch einige Hürden genommen werden. Als Dolmetscher gewann man Elternbeirat Sidiq. Und um den ausländischen Mitbürgern die letzte Scheu zu nehmen, traf man sich an einem Mittwochnachmittag erstmals in der Grundschule. So erhielt die Aktion einen offiziellen Anstrich. "Denn", so Ismairs Bedenken, "würden Sie Ihr Kind in einem fremden Land einfach so in fremde Hände geben?"

Berührungsangst schnell abgebaut

Die anfänglichen Berührungsängste waren schnell abgebaut. Die Resonanz, vor allem bei den afghanischen Familien, war groß. Einige von ihnen stammen aus der oberen Schicht. In der Hoffnung, ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten zu können, haben sie Unglaubliches auf sich genommen.

Schon bald freuten sich einheimische wie fremde Schüler auf ihren Mittwochnachmittag, und auch die Familien kamen sich rasch näher. Die Afghaninnen zeigten sich voller Dankbarkeit und begeisterten ihre deutschen Geschlechtsgenossinnen mit ihrer außergewöhnlichen Gastfreundschaft. Auch Rektor Bernd Romir freut sich über die Entwicklung, die ursprünglich schlicht aus der Notwendigkeit heraus entstanden und nun zu einem wichtigen Bestandteil für die Integration der fremdsprachigen Schüler geworden sei. "Man merkt es vor allem auf dem Schulhof. Die Sprachentwicklung geht rascher voran, und die Umgangsformen sind besser geworden."

Große Unterstützung finden Bettina Ismair und ihre Mitstreiter vor allem bei Inge Weizel. Als Förderlehrerin kennt sie die Nöte der kleinen Sorgenkinder und weiß, welches am ehesten der Unterstützung bedarf. Denn was einmal als Hausaufgabenbetreuung für eine Klasse begonnen hat, ist mittlerweile zu einem schulweiten Projekt angewachsen, dem man den Namen "Offenes Haus" gegeben hat. Wie hätte man besser ausdrücken können, dass man diese kleinen Seelchen gerne und mit offenen Armen aufnimmt?

Sprachschulung zeigt Wirkung

Dennoch gilt es auch immer wieder Rückschläge. So fällt es Bettina Ismair schwer, ihren Kindern zu erklären, wenn einer ihrer kleiner Freunde von heute auf morgen nicht mehr da ist, weil vielleicht der Asylantrag abgelehnt wurde oder die Familie irgendwohin verlegt wurde. Gemeinsam mit Susanne Gammel unterrichtet sie die aufgeschlossenen afghanischen Frauen und unterstützt sie bei Behördengängen oder bei der Wohnungssuche. "Das ist überhaupt das größte Problem. Diese Menschen sind so liebenswürdig und wirklich integrationswillig. Mittlerweile sind Freundschaften entstanden, und manche fühlen sich hier Zuhause. Sie sind nicht wählerisch bei der Wohnungssuche. Aber sie wollen halt gern in Markt Schwaben bleiben."

Gesucht werden weitere Eltern von Grundschulkindern, die jeweils zwei bis drei Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren alle paar Wochen an einem Mittwochnachmittag von 14.30 bis 17 Uhr betreuen könnten.

Weitere Informationen gibt es über die Grundschule Markt Schwaben unter der Telefonnummer (0 81 21) 43 76 40 oder bei Bettina Ismair unter der Telefonnummer (0 81 21) 4 62 05.

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