- VON HEINO HERPEN Murnau - Wie steht es mit der Integration von Migranten am Staffelsee und in Reutte (Tirol)? Wie schätzen sie selbst ihre Lebenssituation ein, wo gibt es Handlungsbedarf durch Personen oder Einrichtungen? Um diese und andere Fragen ging es bei der Vorstellung einer Regionalanalyse, die im Rahmen eines Projektes des Caritas-Zentrums Garmisch-Partenkirchen und der Caritas der Diözese Innsbruck in Zusammenarbeit mit der Euregio Zugspitze-Wetterstein-Karwendel und anderen Institutionen.<BR>
Professor stellt<P>Ergebnisse vor<P><P>Zur Ermittlung von Sichtweisen und Bedürfnissen wurden hierfür 49 Einheimische und Migranten in der Marktgemeinde interviewt. Mit einer ausführlichen Zusammenfassung der Ergebnisse wartete Professor Dr. Gerhard Vonlanthen von der Katholischen Stiftungsfachschule Benediktbeuern bei der Präsentation der Regionalanalyse in den Räumen der Murnauer Caritas auf.<P>"Die multikulturelle Gesellschaft ist schon lange kein Ziel mehr, die haben wir schon lange", rückte der Wissenschaftler eventuell bestehende Vorurteile zurecht, "Ziel ist vielmehr eine multinationale Gesellschaft mit offenen Staatsgrenzen und entsprechendem Austausch". Bei den bisherigen Aktionen und Projekten, die für die Migranten arrangiert wurden, seien oft die Bedürfnisse der Betroffenen zu wenig berücksichtigt worden, sagte Vonlanthen. "Wir definieren, was für die Migranten gut ist. Dabei sollten wir sie fragen, was sie selber wollen."<P>In Murnau biete sich ein vielfältiges Bild von Angeboten, zum Teil basierend auf gewachsenen Strukturen, die sehr gut funktionierten. Als positiv wertete er etwa, dass Selbstverständlichkeiten zwischen Migranten und Einheimischen zunähmen - wie etwa Kinder miteinander in Kontakt zu bringen. Die Befragung habe gezeigt, dass viele Migranten durchaus kontaktbereit seien. Dabei gelte es vor allem, die Sprachbarriere zu überwinden: "Sprache ermöglicht Bildung. Erst wenn das funktioniert, kann Integration passieren", betonte der Professor. Als Ziel nannte er ein tolerantes, kooperatives und kommunikatives Zusammenleben.<P>"Integrationspolitik muss immer auf das Individuum ausgerichtet sein", befand Magister Hannes Gstier von der Tiroler Landesregierung. Integration bedeute auch Chancengleichheit, Gleichstellung, Zugang zu Bildung, Arbeit und Wohnen: "Und das bei gegenseitigem Respekt, Anerkennung und sorgsamem Umgang mit Differenzen." Im gleichen Sinne äußerte sich Günther Sponar vom Caritas-Zentrum Garmisch-Partenkirchen: "Integration bedeutet aufeinander zugehen. Sprechen sie mit den Migranten und nicht über die Migranten", forderte er seine deutschen Landsleute auf.<P>Gefahr von<P>Getto-Bildung<P><P>Vor der Bildung von Gettos und Parallelgesellschaften warnte indessen Bürgermeister Dr. Michael Rapp: "Wohin solche Fehlentwicklungen führen, haben wir in den letzten Monaten in Frankreich gesehen. Auch in der Bundesrepublik sind wir keineswegs gefeit vor solchen Dingen." Laut Euregio-Geschäftsführer Peter Keller wird das Projekt aus dem EU-Förderprogramm "Intereg 3a" finanziert. Die Ergebnisse der Regionalanalyse sollen als Grundlage für eine künftige praktische Zusammenarbeit der beiden Kommunen dienen - unter Einbindung der Marktgemeinden Murnau und Reutte, der Agenda 21 "Freunde, nicht Fremde" sowie des Integrationsreferates des Landes Tirol.<P>
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