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Der sture Bock und sein Lokal

Der sture Bock und sein Lokal

Jazz-Bar "Vogler": - Er zog Eric Claptons Trommler von der Bühne, er drehte der "Münchner Freiheit" den Saft ab. Warum? Weil sie sich nicht an die Regeln hielten. Thomas Vogler hat sich mit seiner Jazz-Bar einen Traum erfüllt. Eine Münchner Institution wurde er aber nur, weil er konsequent ist - und ganz schön stur.

München - Vor zwanzig Jahren hätte man ihn erleben müssen. "Da war ich ein wirklich sturer Bock." Damals, sagt Thomas Vogler, hätte er zum Beispiel den Prozess gegen die "Gema" viel länger durchgefochten. Die "Gesellschaft für musikalische Aufführungsrechte" verlangt Gebühren für Songs, die öffentlich gespielt werden. Vogler hätten diese Gebühren vor wenigen Jahren beinahe erdrückt - nur, weil die "Gema" die Nachwuchs-Pianisten in seiner Jazz-Bar mit den Kollegen in Hotel-Bars gleichstellte und kräftig zulangte.

Um es kurz zu machen: Vogler verlor den Prozess, klar. "Da können Sie genauso gut gegen die Post klagen, weil Sie glauben, dass 55 Cent für den Brief zu teuer sind." Aber darauf kam es ihm nicht an - er hatte sich gegen die Ungerechtigkeit gewehrt, das zählt für ihn. "Ich kann ein sehr großer Korinthen-Kacker sein, was das betrifft."

Thomas Vogler ist nicht der Mann, der sich von den kleinen und großen Unmöglichkeiten des Lebens den Schneid abkaufen lässt. "Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann ziehe ich das auch durch", sagt er. In den spöttischen grauen Augen schimmert dabei keineswegs verkrampftes Kämpfertum oder Angeberei. Da rührt vielmehr einer relaxt im selbstgebrühten Espresso, der sichtlich bei sich selbst angekommen ist, hier im dämmrigen Kneipenlicht an der Rumfordstraße 17.

Das "Vogler" ist eine Erfolgsgeschichte, wie man so schön sagt: ein klassisches Jazzlokal mit offener Bühne, wechselnden Künstlern und Jam-Sessions, wegen seiner entspannten Atmosphäre beliebt bei Gästen, Künstlern und sogar Anwohnern, mit denen der Wirt ein verständnisvolles Verhältnis pflegt. Doch bis der Laden lief, brauchte es eine gehörige Portion Voglerscher Sturheit.

"Das Lokal war eine Leiche", konstatiert der 40-Jährige über die Kaffeetasse hinweg. Eine ranzige Schwulenkneipe in der Nähe des Viktualienmarkts. Und auch in Voglers Leben war irgendwie der Lack ab: Von Beruf Werbefachmann, sollte er eigentlich ein Erlebniszentrum am Nürburgring übernehmen. "Aber ich hatte das Gefühl, dort fehl am Platz zu sein." Gleichzeitig hatte Vogler den Traum von der eigenen Jazz-Bar im New Yorker Stil. "Ich habe die Kneipe gesehen und gewusst: Die ist es. Und die Brauerei hat sich gesagt: ,Uns ist wurscht, ob das der Vogler macht, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat.’" Im Gegensatz zu manch anderem meint der Mann mit der ovalen Prokuristen-Brille diese Äußerung nicht ironisch. "Ich wusste zwar, was ich machen will, aber ich kannte weder Musiker, noch kannte ich mich mit der Gastronomie aus."

Köche zum Beispiel. "Der erste hat sich gleich in den Handballen geschnitten, und dann stellte sich heraus, dass er gar kein Koch war. Der zweite war eine Primadonna, der dritte war ein Hochstapler. Der vierte landete im Gefängnis. Den fünften haben sie mir abgeschoben."

Oder Banken. "Wenn Sie nur ein Giro-Konto eröffnen wollen und erzählen, dass Sie Wirt sind, dann gehen die im Geiste eine Liste durch: Kinderschänder, russischer Mafioso, Gastronom - tut uns leid, das machen wir nicht."

Nun ist Thomas Vogler allerdings ein pfiffiger Mensch. Nachdem die Bar einige Zeit gepflegt vor sich hingedümpelt war, erinnerte sich der Marketing-Mann an seine beruflichen Wurzeln und behauptete 1998 frech, am 1. April würden Paolo Conte, Ute Lemper und Dee Dee Bridgewater bei freiem Eintritt in seinem Etablissement aufspielen. In der Küche werde Eckart Witzigmann vor sich hinbrutzeln. Das war glatt geflunkert, aber die Bude barst an jenem Abend aus allen Nähten. Seit diesem Jux hat sich Thomas Vogler in seiner unmöglichen Nische behauptet, die Bar wurde zur Institution - am 31. Juli feiert sie zehnjähriges Bestehen.

Und warum? "Sie müssen konsequent bleiben, sonst haben Sie keine Chance." Da ist sie wieder, die Voglersche Sturheit. Bekanntschaft mit ihr machte zum Beispiel die "Münchner Freiheit". Vogler drehte der Band den Saft ab, weil sie nicht leiser spielen wollte. Und Ray Cooper, den Percussionisten, der bereits mit Eric Clapton und Elton John musiziert hatte, "den hab ich von der Bühne gezogen, weil er nach ein Uhr noch spielen wollte." Es gibt ferner Besucher, die die paar Euro Eintritt nicht zahlen wollen, die Vogler in der Pause einsammelt. "Da hören Sie die unmöglichsten Ausreden: ,Ich hab gar nicht zugehört.’ Oder: ,Mein Platz war nicht standesgemäß.’" Vogler erteilt dann für gewöhnlich Hausverbot.

Keine Angst: Thomas Vogler ist an sich ein sehr umgänglicher Mensch. Sogar Mitarbeiter der Gema würde er bewirten, wenn sie denn kämen. Er lacht. "Man darf das alles nicht so ernst nehmen." Nur seine Bar, die nimmt er halt ernst. "Ich mache hier alles. Ich koche, ich putze - das Einzige, was ich nicht mache, ist ein Instrument spielen. Aber das wäre auch nicht gut fürs Lokal."

Jazzbar Vogler

Rumfordstraße 17, geöffnet 19 bis 1 Uhr, Sonntag Ruhetag.

Infos: www.jazzbar-vogler.com.

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