Traum-Abitur mit 15

Traum-Abitur mit 15

1917.06.09|Garmisch-Partenkirchen|2 KommentareFacebook
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A

Garmisch-Partenkirchen - Michael Jachmann aus Garmisch-Partenkirchen hat soeben Abitur gemacht – mit 15 Jahren. Er übersprang drei Klassen, brillierte nebenbei als Sportler. Sein Ziel sind nicht nur Höchstleistungen. „Ich will einfach gut drauf sein“, sagt er.

Michael Jachmann

© Marcus Schlaf

Höchste Eisenbahn für ein Studium: Michael Jachmann (am Münchner Hauptbahnhof) hat mit 15 Jahren das Gymnasium beendet. Jetzt ist er 16 - und will Arzt werden.

Als sie die Daten von Michael Jachmann einfüttern, schlägt der Schulcomputer Alarm. Die Noten hat das Gerät noch akzeptiert, auch den Abitur-Schnitt von 1,2. Doch dann blinkt die Warnmeldung auf: „Geburtsdatum möglicherweise falsch.“ Reinhard Bothschafter, der Leiter des Werdenfels-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen, muss lachen, als er die Geschichte erzählt. „Das Alter hat er nicht gefressen“, sagt er. Michael Jachmann, der Abiturient, war da gerade mal 15.

Inzwischen sind zwei Wochen vergangen, jetzt ist Michael 16 – und sieht kein bisschen älter aus. Seine Gesichtszüge sind jungenhaft, er trägt Turnschuhe mit Schachbrett-Muster und ein flatterndes T-Shirt – nicht gerade der klassische Streber-Look. Er kann herzhaft lachen und lebhaft erzählen, und als sein Handy klingelt, dröhnt daraus laute Musik durchs Café. Wieder ist einer von der Presse dran, der wissen will, wie Michael das anstellt mit den tollen Noten. Drei Klassen hat er übersprungen, jetzt das zweitbeste Abitur seiner Schule hingelegt. Hat er einen Geheimtrick beim Lernen?

Expertentipps: So wird Ihr Kind gut in der Schule

zurück

  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg
  • Expertentipps für Schulerfolg

vor

zurück zur Fotostrecken-Übersicht

Michael Jachmann nippt am Wasserglas, das vor ihm steht. „Da muss jeder individuell seinen Weg finden“, sagt er mit bairischem Zungenschlag. Seiner sieht so aus: Beim Lernen klaubt er alle Notizen zusammen, die er sich zu einem Thema gemacht hat. Dann wird verdichtet, zusammengefasst, gestrichen, was das Zeug hält. Was am Ende herauskommt, nennt er „Exzerpte“: DIN-A-4-Blätter, auf denen das Wesentliche steht. „Möglichst wenig Worte, möglichst viel Luft“ sollen sie haben. Stichpunkte, Grafiken, mal mit Füller, mal mit Holzstift geschrieben. Schön bunt, schön übersichtlich. Er nennt das „meine Technik“, selbst entwickelt. Das System Jachmann.

Als er es erklärt, bildet sich eine Falte über seiner Nasenwurzel. Michael Jachmann kann sehr konzentriert dreinblicken, dazu bewegt er dann die Hände vor der Brust, als knete er einen unsichtbaren Basketball. Er redet schnell und gerne. Was er sagt, sagt er in klaren, klugen Sätzen. Ein gewöhnlicher 16-Jähriger spricht anders.

Aus einem „vollen Text“, etwa einem Buch, könne er einfach nicht lernen, sagt er – und lacht fast so, als müsse er sich dafür entschuldigen. Für den Biologie-Leistungskurs hat er einen komplizierten Stoffwechselvorgang auf ein einziges Blatt gepresst. Es kam durchaus vor, dass er seine Exzerpte an Mitschüler verliehen hat – die dann vom System Jachmann profitierten. Mitunter sah er sich Exzerpte noch Minuten vor einer Prüfung an – nicht weil er lernsüchtig ist, sondern weil er dazu neigt, ziemlich spät mit dem Lernen zu beginnen.

Michael Jachmann ist beileibe kein Streber. „Ich bin ein Saison-Lerner“, sagt er. Er lernt, wenn er lernen muss. Dann aber richtig. Wie es ihn seine Mutter gelehrt hat. „Wenn man schon beim Lernen hockt, dann sollte man gescheit hocken“, sagt sie. Monika Jachmann weiß, wovon sie redet: Sie ist Jura-Professorin, hat in der ganzen Republik gelehrt. Jetzt ist sie Richterin am Bundesfinanzhof in München. Noch eines hat ihr Sohn ihr zu verdanken. „Ich habe mich ziemlich früh selbst gemanagt“, sagt er. Er kam zur Welt, als sie gerade ihre Habilitation verfasste, um die Lehrbefugnis als Professorin zu erlangen. „Ich bin da nicht nur gehätschelt und getätschelt worden“, sagt Michael. „Da bin ich jetzt richtig froh darüber.“

Im Herbst will er ein Medizinstudium beginnen, die dafür nötige Abitur-Note dürfte er erreicht haben. „Dass ich Arzt werden will, weiß ich, seit ich denken kann“, erzählt er. In Freising, wo er früher wohnte, machte er schon vor Jahren ein Praktikum bei seinem Kinderarzt. Am dortigen Domgymnasium hat er auch Latein gelernt, das war im Abitur sein zweites Hauptfach. Er erreichte die Höchstpunktzahl, obwohl er „zwischendurch brutal wenig Lust“ verspürt habe, Vokabeln zu pauken. „Da ko ma ned Exzerpte machen“, erklärt er und lächelt.

Es gibt freilich Dinge, die er noch viel lieber macht als Exzerpte. Sport zum Beispiel. Denn braucht er sogar, denn ohne Sport, sagt er, würden auch seine Noten schlechter, „und dann feg i jeden o, den i siag“. Früher fuhr er viel Ski, später machte er Langlauf, inzwischen ist die Leichtathletik sein Ding. Er ist 800-Meter-Läufer, trainiert fünfmal in der Woche. Noch in den letzten Ferien vor dem Abitur, als andere nichts anderes als Lernen im Kopf hatten, fuhr er ins Ostertrainingslager – was ihm viel genützt habe, wie er sagt. „Der Sport ist mein Lebensausgleich.“

Auch der Glaube gibt ihm Sicherheit. Michael ist Ministrant, und jedes Jahr pilgert er zu Fuß von Freising nach Altötting. 90 Kilometer sind das, immer „a ganz schöne Hatscherei“. Doch schon ein paar Tage nach dem Abitur, über das Pfingstwochenende, zog er wieder los. Dass er im Abitur auch in katholischer Religionslehre geprüft wurde, ist kein Zufall.

„Der Michael ist ehrgeizig, aber auch mit sich im Reinen“, sagt Schulleiter Bothschafter. Michael hat intensiven Kontakt zu seinen Freunden, auch die „Madln“ interessieren ihn, mit einer macht er gerade einen Tanzkurs. Zudem hat er eine „sehr dynamische Familie“. Auch der Vater ist Jurist, lernte die Mutter beim gemeinsamen Studium in Regensburg kennen, jetzt arbeitet er als Anwalt und Steuerberater. Michael kümmert sich auch viel um seinen kleinen Bruder, auch in der Schule. Auch der Jüngste wird gefragt, wenn die Familie Entscheidungen trifft.

Wie vor ein paar Jahren, als es darum ging, ob die Jachmanns von Freising nach Garmisch-Partenkirchen umziehen sollten. Freising lag näher am Flughafen, den Monika Jachmann für die Flüge nach Hamburg brauchte, wo sie einen Lehrstuhl hatte. Als sie nach München wechselte, entschied sich die Familie für die „kleinere soziale Struktur“ in Garmisch-Partenkirchen, wo auch viele ihrer Freunde wohnten. Michael mochte die Stadt ohnehin – vom Skifahren.

Dann kam das WerdenfelsGymnasium hinzu, und kaum hatte er sich dort eingewöhnt, machten sie ihm ein Angebot: Ob er nicht die nächste Jaghrgangsstufe überspringen wolle? Das kannte Michael schon: Er war von der dritten in die fünfte Klasse gekommen, später hatte er, quasi über Nacht, von der sechsten während des Schuljahres in die siebte gewechselt.

„Wir haben es ihm überlassen“, erzählt seine Mutter. Eigentlich entscheiden in solchen Fällen die Eltern auf Vorschlag der Lehrer. 165 Grundschüler in Bayern hatten zum Schuljahr 2006/07 mindestens eine Klasse übersprungen, ebenso 169 Gymnasiasten. Michael überlegte ein Wochenende, dann stand fest, dass er die elfte Klasse überspringen würde. Zwanzig Seiten Mathematik habe er nachlernen müssen, mehr nicht, erzählt er. Aus seinem G9 wurde ein G7.

Am Werdenfels-Gymnasium, erzählt Schulleiter Bothschafter, habe man das Überspringen immer befürwortet. „Auch bei jungen Schülern haben wir erstaunliche Selbstheilungskräfte festgestellt.“ Will heißen: Sie haben die neue Situation immer gut verkraftet. Denn die hat es in sich. Es geht nicht nur darum, gute Noten zu erreichen. „Man muss in ein neues Sozialgefüge hineinwachsen.“

Das Überspringen brachte Michael noch einen weiteren Vorteil: weniger Prüfungen, denn die mag er überhaupt nicht – wegen des erforderlichen Lernaufwands. „Ich habe mir überlegt, wie viele Schulaufgaben ich mir mit dem Überspringen sparen würde“, sagt er. Er meint das ernst. Weder die Schule, noch der Sport seien sein Lebensziel: „Mein Lebensziel ist, dass ich gut drauf bin.“

von Robert Arsenschek

zurück zur Übersicht: Nachrichten

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...
Schliessen

Artikel empfehlen!

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Kommentar schreiben

Community

Schreiben Sie zum Beitrag Ihre Meinung oder laden Sie Bilder und Videos zu ihrem Profil hoch. In unserer Community lernen sie sicher auch neue Freunde kennen.

Registrieren / Login

Ort des Geschehens

Sieg mit Neuzugang garniert

Eishockey aktuell

Garmisch-Partenkirchen - SCR beendet Minikrise mit 5:1-Erfolg über Hannover und verpflichtet mit Michael Rimbeck einen neuen Stürmer.

Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.

Kleine Lokal Map

Aktuelle Fotostrecken

weitere Fotostrecken:
Brand in Grafenaschauer Wohnhaus
Schneekristall - Rätsel-Rallye
Pro und Contra zur Aussichtsplattform an Alpspitze
Pro und Contra zur Aussichtsplattform an Alpspitze

Die neue Aussichtsplattform an der Alpspitze ist in der Region und bei den Bergfreunden heftig umstritten. Lesen Sie hier alle Berichte zum Thema aus den letzten Wochen und Monaten.mehr...

Aktuelle Videos

Zehnkampf Gap

Kontakt

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt

Alpspitzstraße 5a

82467 Garmisch-Partenkirchen

Tel: 08821 / 757 - 17

Fax: 08821 / 757 - 26

gap-tagblatt@merkur-online.de

Murnauer Tagblatt

Murnauer Tagblatt

Schlossbergstraße 12a

82418 Murnau am Staffelsee

Tel: 08841 / 61 04 - 12

Fax: 08841 / 61 04 -23

mur-tagblatt@merkur-online.de

Meist gelesene Artikel

  • Letzte Woche
  • Letzter Monat
Olympia 2018: Journalisten sollen auf drei Orte verteilt werden

Garmisch-Partenkirchen - Das Mediendorf auf den Feldern an der St.-Martin-Straße ist für Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) gestorben.Mehr...

Es wird alle Grundstücks-Eigentümer treffen: Wer in Garmisch-Partenkirchen eine Immobilie besitzt, soll künftig eine höhere Grundsteuer überweisen. Foto: ADAC
Grundstücksbesitzer sollen mehr zahlen

Garmisch-Partenkirchen - Der Markt Garmisch-Partenkirchen plant Steuererhöhungen: Der Haushaltsentwurf 2010 sieht vor, die Grundsteuer B von 360 auf 410 Punkte zu erhöhen.Mehr...

Olympia 2018: Journalisten sollen auf drei Orte verteilt werden

Garmisch-Partenkirchen - Das Mediendorf auf den Feldern an der St.-Martin-Straße ist für Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) gestorben.Mehr...

Olympia 2018: Alternative Standorte

Garmisch-Partenkirchen - Neun Verbände und Vereine haben ihre Alternativen für das kleine olympische Dorf und das Medienzentrum vorgestellt.Mehr...

AktuellesLokalesSportCommunityFreizeitServiceAnzeigenZeitung

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de