1917.06.09|Garmisch-Partenkirchen|2 KommentareFacebook
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Garmisch-

© Marcus Schlaf
Höchste Eisenbahn für ein Studium: Michael Jachmann (am Münchner Hauptbahnhof) hat mit 15 Jahren das Gymnasium beendet. Jetzt ist er 16 - und will Arzt werden.
Als sie die Daten von Michael Jachmann einfüttern, schlägt der Schulcomputer Alarm. Die Noten hat das Gerät noch akzeptiert, auch den Abitur-
Inzwischen sind zwei Wochen vergangen, jetzt ist Michael 16 – und sieht kein bisschen älter aus. Seine Gesichtszüge sind jungenhaft, er trägt Turnschuhe mit Schachbrett-
Michael Jachmann nippt am Wasserglas, das vor ihm steht. „Da muss jeder individuell seinen Weg finden“, sagt er mit bairischem Zungenschlag. Seiner sieht so aus: Beim Lernen klaubt er alle Notizen zusammen, die er sich zu einem Thema gemacht hat. Dann wird verdichtet, zusammengefasst, gestrichen, was das Zeug hält. Was am Ende herauskommt, nennt er „Exzerpte“: DIN-
Als er es erklärt, bildet sich eine Falte über seiner Nasenwurzel. Michael Jachmann kann sehr konzentriert dreinblicken, dazu bewegt er dann die Hände vor der Brust, als knete er einen unsichtbaren Basketball. Er redet schnell und gerne. Was er sagt, sagt er in klaren, klugen Sätzen. Ein gewöhnlicher 16-
Aus einem „vollen Text“, etwa einem Buch, könne er einfach nicht lernen, sagt er – und lacht fast so, als müsse er sich dafür entschuldigen. Für den Biologie-
Michael Jachmann ist beileibe kein Streber. „Ich bin ein Saison-
Im Herbst will er ein Medizinstudium beginnen, die dafür nötige Abitur-
Es gibt freilich Dinge, die er noch viel lieber macht als Exzerpte. Sport zum Beispiel. Denn braucht er sogar, denn ohne Sport, sagt er, würden auch seine Noten schlechter, „und dann feg i jeden o, den i siag“. Früher fuhr er viel Ski, später machte er Langlauf, inzwischen ist die Leichtathletik sein Ding. Er ist 800-
Auch der Glaube gibt ihm Sicherheit. Michael ist Ministrant, und jedes Jahr pilgert er zu Fuß von Freising nach Altötting. 90 Kilometer sind das, immer „a ganz schöne Hatscherei“. Doch schon ein paar Tage nach dem Abitur, über das Pfingstwochenende, zog er wieder los. Dass er im Abitur auch in katholischer Religionslehre geprüft wurde, ist kein Zufall.
„Der Michael ist ehrgeizig, aber auch mit sich im Reinen“, sagt Schulleiter Bothschafter. Michael hat intensiven Kontakt zu seinen Freunden, auch die „Madln“ interessieren ihn, mit einer macht er gerade einen Tanzkurs. Zudem hat er eine „sehr dynamische Familie“. Auch der Vater ist Jurist, lernte die Mutter beim gemeinsamen Studium in Regensburg kennen, jetzt arbeitet er als Anwalt und Steuerberater. Michael kümmert sich auch viel um seinen kleinen Bruder, auch in der Schule. Auch der Jüngste wird gefragt, wenn die Familie Entscheidungen trifft.
Wie vor ein paar Jahren, als es darum ging, ob die Jachmanns von Freising nach Garmisch-
Dann kam das WerdenfelsGymnasium hinzu, und kaum hatte er sich dort eingewöhnt, machten sie ihm ein Angebot: Ob er nicht die nächste Jaghrgangsstufe überspringen wolle? Das kannte Michael schon: Er war von der dritten in die fünfte Klasse gekommen, später hatte er, quasi über Nacht, von der sechsten während des Schuljahres in die siebte gewechselt.
„Wir haben es ihm überlassen“, erzählt seine Mutter. Eigentlich entscheiden in solchen Fällen die Eltern auf Vorschlag der Lehrer. 165 Grundschüler in Bayern hatten zum Schuljahr 2006/07 mindestens eine Klasse übersprungen, ebenso 169 Gymnasiasten. Michael überlegte ein Wochenende, dann stand fest, dass er die elfte Klasse überspringen würde. Zwanzig Seiten Mathematik habe er nachlernen müssen, mehr nicht, erzählt er. Aus seinem G9 wurde ein G7.
Am Werdenfels-
Das Überspringen brachte Michael noch einen weiteren Vorteil: weniger Prüfungen, denn die mag er überhaupt nicht – wegen des erforderlichen Lernaufwands. „Ich habe mir überlegt, wie viele Schulaufgaben ich mir mit dem Überspringen sparen würde“, sagt er. Er meint das ernst. Weder die Schule, noch der Sport seien sein Lebensziel: „Mein Lebensziel ist, dass ich gut drauf bin.“
von Robert Arsenschek
Letzter Kommentar zu diesem Artikel:
20.06.09 meint schaui (anonym)
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