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- VON WOLFGANG SCHÖRNER Penzberg - Konzentriert sitzen zehn Frauen, manche mit Kopftuch, manche ohne, an den Tischen. "Ich spreche gerne Deutsch, ich kaufe gerne ein", formuliert Aysha Keles vorsichtig die Sätze, die Lehrerin Nermina Idriz als Aufgabe gestellt hat. Die Frauen - normalerweise sind es 14 - lernen Deutsch in der Penzberger Moschee. Der Kurs ist kostenlos. "Das ist unser Beitrag", sagt Nermina Idriz, Ehefrau des Imam. Auch 24 Kinder lernen im Islamischen Forum. Unbestritten ist dort, dass Deutsch unverzichtbar ist.
"Für Arztbesuche und die Arbeit" müsse sie Deutsch können, erzählt Aliye Eve. Sonst könne man auf Fragen nicht antworten, pflichtet Arzu Yogun bei. "Wir leben in Deutschland, wenn ich mit jemand sprechen will, muss ich Deutsch können", sagt Aysha Keles. Sie berichtet, dass sie auch viel von ihren Kindern und aus deren Büchern lerne. "Ohne Sprache geht es nicht." "Die Frauen wollen lernen", sagt Nermina Idriz. Seit Januar pauken sie zweimal in der Woche. Sie selber sei zwar keine Deutsch-Lehrerin, gibt Nermina Idriz zu. "Aber wir mussten etwas unternehmen." Auch weil frühere Versuche im Rahmen der "Aktion für Toleranz" erfolglos blieben. Entstanden ist die Idee zu den Deutschkursen in einer Gruppe, zu der sich unter anderem Islamische Gemeinde, Schulen, Kindergärten und Jugendamt zusammengefunden haben.
Mit der Debatte über Deutsch-Zwang und Bußgelder hat sich aber auch Verunsicherung eingeschlichen. Es ist der drohende Ton, der vielen Frauen Angst macht. "Sie sind ja willig", sagt Nermina Idriz. Aber es falle ihnen sehr schwer und es gebe zu wenig Deutsch-Angebote. Mit Blick auf die Einschulungsdebatte sagt die Sozialpädagogin: "Schade, dass das jetzt unsere Kinder ausbaden müssen." Dabei stellt sie die Deutsch-Pflicht nicht in Frage: "Es ist uns allen klar, dass man Deutsch lernen muss."
Für Männer ist es einfacher: Sie müssen allein wegen der Arbeit Deutsch können. Und Kinder würden schnell lernen, etwa im Kindergarten. Auch wenn Nermina Idriz glaubt, dass sie noch früher mit Deutsch in Berührung kommen müssten: Deshalb gibt es im Islamischen Forum eine internationale Spielgruppe.
Frauen haben es dagegen durch ihre Lebensumstände schwerer, wie Nermina Idriz erklärt: Eine Frau, die vor Jahren nach Deutschland gekommen ist, lebt in ihrer "türkischen Kleingesellschaft" mit türkischer Zeitung, türkischer Familie und türkischen Lebensmitteln, sie bekommt Kinder und ist ans Haus gebunden. "Sie isoliert sich selbst."
Integrationskurse mit abschließendem Deutsch-Nachweis, die es schon gibt und zu denen Zuwanderer im ersten Jahr verpflichtet sind, hält die Sozialpädagogin deshalb für gut. Die Hälfte ihrer Schülerinnen muss ihn absolvieren. Nur: Diese 600-stündigen Kurse würden zu selten angeboten. Ihren eigenen Kurs versteht Nermina Idriz als Sprungbrett, um es im Integrationskurs leichter zu haben. Sie überlegt nun, einen Antrag zu stellen, damit in der Moschee ein Integrationskurs laufen kann. "Aber die Voraussetzungen sind hoch."
Den lernenden Frauen will sie Mut machen. "Ich denke, wir sind auf einem guten Weg, aber es braucht Zeit", sagt Nermina Idriz. Ein Nahziel haben sie: Ende April kommen deutsche Frauen, darunter Bürgermeister-Gattin Evi Mummert, zum Frühstück. Ein Ansporn: "Dann haben sie Gelegenheit, Deutsch zu sprechen."
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