Verein warnt: Richard-Strauss-Tunnel kostet 5000 Führerscheine
1308.07.09|München|Facebook
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München - Ab 18. Juli rollt der Verkehr durch den neuen Richard-Strauss-Tunnel - vorbei an gleich sechs Blitzern. Ein Verein befürchtet Schlimmes und rechnet vor, wie viele Führerscheine das kosten könnte.

In den roten Kreisen die Geisterblitzer im Richard-Strauss-Tunnel.
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Geisterblitzer“ nennt der Münchner Autofahrerverein „Mobil in Deutschland“ die neuen Geräte im Richard-Strauss-Tunnel, der am 18. Juli eröffnet wird. Denn Raser erfahren nicht mehr durch einen grellen Blitz, dass sie erwischt wurden, sondern erst, wenn das Knöllchen per Post kommt. „Es gibt auch bei den neuen Geräten einen Blitz“, erklärte Markus Schäde, Verkehrsjurist beim ADAC. „Es handelt sich allerdings um einen Infrarot-Blitz, den das menschliche Auge nicht wahrnimmt.“ Die Qualität der Fotos sei so gut, wie bei anderen Blitzern, sagte Schäde. Besonders in Tunnels trage die neue Technik zur Sicherheit bei. Die Fahrer würden sich so nicht durch den starken Kontrast zwischen der schummrigen Tunnelbeleuchtung und dem grellen Blitz erschrecken. Deshalb seien die Infrarot-Blitzer in neuen Tunnels sogar vorgeschrieben, sagte Dieter Bauer von der Verkehrsabteilung der Polizei.
Bilder vom Tunnel
Grundsätzlich sei die Überwachung der Geschwindigkeit in Tunnels sinnvoll, sagte Schäde, weil es sich bei den Röhren immer um Gefahrenstellen handle. „Es gibt wenige Fluchtmöglichkeiten und ein Unfall kann in einem Tunnel schnell eskalieren“, so der Jurist vom Automobilclub. Polizist Bauer verwies auf die Erfahrungen mit dem Petueltunnel. Dort habe man die erlaubten 60 Stundenkilometer auf 50 reduzieren müssen, weil der Tunnel ein Unfallschwerpunkt gewesen sei. Dass überhöhte Geschwindigkeit oft zu gefährlichen Unfällen führt, zeigt auch die Statistik. Allein 2008 kamen in München neun Menschen bei Unfällen mit überhöhter Geschwindigkeit ums Leben. Diese Argumente will man bei „Mobil in Deutschland“ nicht gelten lassen. Wenn die Blitzer der Sicherheit dienen sollen, stelle sich die Frage, ob der neue Tunnel „massive bauliche Mängel“ habe, die eine Geschwindigkeitsüberwachung nötig machten. Sollte dies der Fall sein, müsse man „ernsthaft prüfen, ob man einen solchen unsicheren Tunnel für den Verkehr freigeben kann“. Sei der neue Tunnel hingegen in einwandfreiem Zustand, hätten die Kameras ausschließlich den Zweck „Autofahrer zu schikanieren und zur Kasse zu bitten“.
Kuriose Blitzer-Bilder
Im Richard-Strauss-Tunnel werden in der etwa 1,5 Kilometer langen Hauptröhre 60, auf den Zu- und Abfahrten 50 Stundenkilometer erlaubt sein. Viel zu langsam findet Michael Haberland, Vorsitzender von „Mobil in Deutschland“. „Auf dem Mittleren Ring wären 80 Stundenkilometer möglich.“ Die Entwicklung könnte in die entgegengesetzte Richtung gehen. „Die Erfahrung wird zeigen, ob die Geschwindigkeit in den Zu- und Abfahrten weiter reduziert werden muss“, sagte Bauer. Auch im geplanten Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz werde man wahrscheinlich Blitzer anbringen.
Der Tunnel im Bau
Haberland schätzt, dass die neuen Blitzer im Richard-Strauss-Tunnel bis zum Jahresende zu rund 50 000 Knöllchen im Wert von rund 2,5 Millionen Euro führen könnten und bis zu 5000 Fahrer ihren Führerschein zeitweise verlieren werden. Das ruft auch die Politik auf den Plan. Josef Schmid, CSU-Fraktionschef im Stadtrat, bezweifelte angesichts der Zahl der Blitzer im Richard-Strauss-Tunnel, dass sie nur zur Erhöhung der Sicherheit aufgestellt wurden. Er befürworte zwar grundsätzlich „alle Maßnahmen, welche die Verkehrssicherheit generell und speziell im Tunnel erhöhen“. Der „verbesserte Verkehrsfluss“ durch den neuen Tunnel dürfe nicht zur „bußgeldmäßigen Abzocke“ führen. Bislang gibt es in München nur zwei fest installierte Blitzer, die Geschwindigkeiten messen. Es handelt sich um zwei Ampelblitzer, die auch Raser fotografieren können. Sie stehen an der Ecke Wasserburger Landstraße/Bajuwarenstraße in Trudering und in Moosach an der Kreuzung Dachauer-/Max-Born-Straße.
von Philipp Vetter
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