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Hygienemängel bei Müller-Brot seit Jahren bekannt

Neufahrn - Schädlinge, starker Schmutz, Entlassungen: Der Skandal um Müller-Brot weitet sich aus. Doch Informationen über das ganze Ausmaß sickern nur nach und nach durch.

© dpa

Nach Hygienemängeln steht die Produktion bei der Bäckereikette Müller-Brot in Neufahrn bei Freising weiter still. Große Mengen an Lebensmitteln müssen entsorgt werden.

Nur scheibchenweise kommen im Skandal um die vorübergehende Schließung der Großbäckerei Müller-Brot in Neufahrn bei Freising neue Informationen ans Licht. Nachdem Müller-Brot in einer Mitteilung am Mittwoch noch von einem Schwelbrand und hygienischen Mängeln in seiner Fabrik sprach, wurde das Unternehmen am Nachmittag konkreter. Auf der Homepage war die Rede von einer „maschinellen Verunreinigung“. Wenige Stunden später ließ sich selbst diese Aussage nicht mehr halten. Das Landratsamt Freising teilte mit, dass der Grund für die vorläufige Schließung der Fabrik „Schädlingsbefall in erheblichem Umfang“ war.

Ob es sich dabei um Insekten oder Säugetiere handelt, wollten weder Müller-Brot noch das Landratsamt mitteilen. Ein Informant sagte unserer Zeitung allerdings, dass es sich um mehrere verschiedene Schädlingsarten handele. „Das wollen sie gar nicht so genau wissen.“

Das sagen die Münchner zum Hygiene-Skandal!

Hausintern sei das so abgestimmt, „dass keine weiteren Details rausgehen“, sagte eine Sprecherin des Landratsamts. In der bislang letzten Stellungnahme der Behörde heißt es jedenfalls weiter: „Bei der letzten Kontrolle am 30. 01. 2012 sind Schädlinge in erheblichem Umfang in den Betriebsräumen und starke Verschmutzungen bei den für die Lebensmittelherstellung eingesetzten Geräten festgestellt worden.“ Wenige Stunden nach Veröffentlichung dieser Details räumte dann auch Müller-Brot den Schädlingsbefall ein. Mehrere hundert reguläre Mitarbeiter seien rund um die Uhr im Einsatz, um die Fabrik zu säubern. „Wir wollen am Wochenende wieder den normalen Betrieb aufnehmen“, sagte ein Mitarbeiter von Müller, der anonym bleiben will. Falls die Behörden dann die Genehmigung erteilen.

Wie unsere Zeitung erfuhr, hat das Unternehmen im Zusammenhang mit den Hygienemängeln bereits in den vergangenen Wochen zwei Abteilungs- und Produktionsleiter entlassen. Unsere Recherchen ergaben zudem, dass es sich bei der Spezialeinheit des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit um eine 20-köpfige Gruppe gehandelt haben soll, die am Montag stundenlang bei Müller-Brot vor Ort war. Seitdem ist die Fabrik komplett geschlossen. Kein Brot, keine Süßwaren, nichts hat seit Montag das Fabrikgelände verlassen. Das Landratsamt kontrolliert die Reinigungsarbeiten bei Tag, in der Nacht ist die Polizei Freising vor Ort, um die vorübergehende Stilllegung des Betriebs sicherzustellen.

Trotzdem waren am Donnerstag die Auslagen der Müller-Filialen wieder gut bestückt mit Süßwaren und Broten. Nur kommt derzeit keine der Backwaren aus Neufahrn. Der Backriese versucht, die Versorgungsenggpässe mit Lieferungen von Herstellern abzufedern, die ebenfalls dem Müller-Brot-Besitzer und Multimillionär Klaus Ostendorf gehören. „Wir beliefern die Filialen unter anderem mit Gebäck von Anker und Stauffenberg“, sagte der Sprecher. Anker kommt aus Österreich, Stauffenberg sitzt in Gelsenkirchen. Ein großer Teil der Lieferungen an die Müller-Filialen kommt zudem von Konkurrenten des Neufahrner Großbäckers. Die Münchner Hofpfisterei etwa springt seit Mittwoch mit Brot-Lieferungen ein. „Wir liefern den Produktions-Puffer an Brot, der bei uns nicht in den Handel kommt“, sagte Friedbert Förster von der Marketing-Abteilung der Hofpfisterei. Bis zum Wochenende soll diese ungewöhnliche Kooperation von Konkurrenten noch andauern.

Hygiene-Mängel: Hier wird das Müller-Brot entsorgt

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Trotz des völligen Ausnahmezustands gibt man sich bei Müller-Brot gelassen. Die Frage nach der Situation auf dem Fabrikgelände wurde gestern Mittag beantwortet mit „sonnig, aber wahnsinnig kalt“.

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In den Filialen von Müller ist die Rede von einer Normalisierung der Situation bis kommenden Montag. Daran will Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern noch nicht denken. Zu viele Fragen blieben bislang unbeantwortet. „Es gibt keine Informationen darüber, ob das abgepackte Brot von Müller, das in den Supermärkten liegt, auch betroffen ist“, sagte sie. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die sich gestern mit einem Geschäftsführer von Müller-Brot traf, befürchtet einen „großen Schaden“ für die Arbeitnehmer. „Die Vorgänge könnten Auswirkungen auf die Personaldecke haben“, sagte Mustafa Öz von der NGG. Bei seiner Gewerkschaft seien rund 70 Prozent der Müller-Fabrikarbeiter organisiert.

Nach Angaben der "Bild-Zeitung" ermittelt die Staatsanwaltschaft Landshut "wegen mehrerer Verstöße gegen das Lebensmittel - und Futtermittelgesetz". Nach Bild-Informationen wird seit Mitte 2011 gegen 5 Personen ermittelt.

Die hygienischen Mängel der Großbäckerei Müller-Brot sind nach Angaben des Präsidenten des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, seit Jahren bekannt. “Leider hat sich eine dauerhafte Besserung nicht ergeben, so dass die jetzige Maßnahme erforderlich wurde“, sagte Zapf dem Bayerischen Rundfunk am Freitag.

Patrick Wehner/mm

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