Neufahrn - Jahrelang schwiegen die Behörden über die Hygienemängel bei Müller-Brot. Am Donnerstag legte das Landratsamt offen, was bei den zahlreichen Kontrollen in Neufahrn festgestellt wurde. Unterdessen will die Großbäckerei schon bald wieder produzieren.

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Immer mehr Details zum Hygiene-Skandal um Müller-Brot kommen ans Licht.
Die Kontrolleure ordneten diverse Maßnahmen an – doch Müller-Brot kam denen nicht nach. Fünf Monate später wurde deshalb das erste Bußgeld fällig: Insgesamt musste das Unternehmen seither 69 000 Euro zahlen. Doch dabei blieb es nicht: Im März 2010 berichteten die Kontrolleure erstmals von „gravierenden Mängeln“. Sechs Mal mussten seit dem 2. Oktober 2010 Lebensmittel vernichtet werden. Das letzte Mal am 30. Januar 2012, dem letzten Tag der Produktion. In drei Fällen musste sogar ausgelieferte Ware zurückgerufen werden. Betroffen waren nach Angaben des Landratsamts unter anderem „Teig, Toastbrot sowie frische Backwaren und tiefgefrorene Teiglinge“.
Gewissensfrage: Das sagen die Behörden zum Brot-Skandal
Der Großbäcker vernichtete die Ware selbst – sonst wären die Behörden aktiv geworden. Zur Menge der zurückgerufenen Waren wollte man sich nicht näher äußern. Eine Sprecherin des Landratsamtes sagte aber: „Wir reden sicherlich nicht von haushaltsüblichen Mengen.“ Bekannt wurde auch, dass Fremdkörper wie Papierschnipsel und Kunststofffasern vom Förderband in Backwaren gefunden wurden.
Am 30. Januar reichte es den Kontrolleuren. „In nahezu allen Produktionsbereichen waren Schädlinge und Mäusekot feststellbar“, heißt es. Erstmals auch in Zutaten wie Mehl, sagt die LGL-Sprecherin. „Es zeigte sich, dass durch Einzelmaßnahmen keine dauerhafte Sanierung während des Betriebs möglich war“, schreibt das Landratsamt. Die Produktion wurde gestoppt – Müller-Brot reinigt seither den Betrieb in Neufahrn und baut ihn um.
Damit will das Unternehmen offenbar bis kommenden Freitag, 17. Februar, fertig sein. Das Landratsamt meldete gestern, dass Müller-Brot für diesen Tag um einen erneuten Abnahmetermin gebeten hat. Geben die Kontrolleure grünes Licht, könnte die Großbäckerei wieder produzieren. Müller habe erklärt, ein „fachkompetentes, renommiertes Beratergremium“ installiert und einen Maßnahmenkatalog erarbeitet zu haben.
Müller-Brot selbst bezeichnete die Krise als „Chance für einen grundlegenden Neustart“. In einer Mitteilung vom Donnerstagabend heißt es weiter: „Erklärtes Ziel der Unternehmensführung ist es, am Ende das Vertrauen der Verbraucher wiederzugewinnen.“
Obwohl ein Neuanfang scheinbar näher rückt, ist die Verunsicherung bei den Mitarbeitern groß. Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt, werden sich heute NGG-Vertreter mit der Geschäftsleitung treffen. Auch der Mehrheitseigner, Klaus Ostendorf, habe sein Kommen zugesichert.
Patrick Wehner, Thomas Schmidt und Felix Müller
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