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Rücklagentöpfe fast ausgeschöpft

Bad Kohlgrub - Bad Kohlgrub verabschiedet seinen Haushalt 2012. Kämmerer rechnet mit baldiger Schuldenaufnahme.

Nur Uffing war schneller: Für die Gemeinde Bad Kohlgrub ist es trotzdem eine kleine Sensation, dass der Haushalt 2012 schon Mitte Februar fertig ist. „Nach dem Krieg waren wir noch nie so früh dran“, sagte Bürgermeister Gerald Tretter im Gemeinderat. Zugleich zeigte er sich vollends zufrieden mit der Arbeit seines neuen Kämmerers Karl-Heinz Reichert. Der ist zwar erst sieben Monate im Amt, hat aber bereits den zweiten Kohlgruber Haushalt auf die Beine gestellt. Seine Prognose für die nächsten Jahre ist deutlich: Das Dorf wird schon bald neue Schulden machen müssen.

„2014 werden die Rücklagen aufgebraucht sein“, sagt Reichert mit Blick auf die weitere Entwicklung. Diese werde aber zugleich von der Dorferneuerung geprägt sein - die nunmal Investitionen nötig macht. Im Haushalt schlägt sich das zum Beispiel das mit knapp 84 000 Euro für das „Interkommunale Entwicklungskonzept“ zu Buche, das gemeinsam mit Oberammergau in Auftrag gegeben wird. Weitere 35 000 Euro sollen für einen Ortskern-Masterplan bezahlt werden. Ein weiterer großer Posten in den laufenden Ausgaben ist mit 100 000 Euro der Unterhalt der Straßen.

Auf der Einnahmenseite hat die Gemeinde ein Problem mit der Gewerbesteuer. Bereits im vergangenen Jahr fiel sie um knapp 227 000 Euro geringer aus, als geplant. „Das war brutal“, sagt Reichert. Er hat deshalb statt den bisherigen 600 000 Euro nur 400 000 Euro Gewerbesteuer-Eingänge im aktuellen Zahlenwerk eingerechnet. Insgesamt standen Ende 2011 unterm Strich Mindereinnahmen von 335 000 Euro. „Ein Nachtragshaushalt war aber dennoch nicht notwendig.“

Damit die Kalkulation heuer passt, muss die Gemeinde tief in ihre Rücklagen greifen und fast 347 000 Euro aus dem Sparschwein nehmen. Nur so lassen sich Investitionen wie der schon lang geplante Bau einer Urnenwand auf dem Friedhof für 100 000 Euro bewältigen.

Ganz nebenbei zahlt Bad Kohlgrub seine bereits gemachten Schulden ab. Sie sollen bis Ende 2012 unter zwei Millionen Euro gerutscht sein. Eine Rechnung, die allerdings einen Haken hat: Denn zu den „normalen“ Krediten der Gemeinde müssen die roten Zahlen gerechnet werden, die sie für die Kanalsanierung bei der Finanzierungsgesellschaft „Bayerngrund“ gemacht hat. Und diese Befindlichkeiten lagen Ende des vergangenen Jahres noch bei knapp 940 000 Euro. „Der bereits eingeschlagene Sparkurs ist fortzusetzen“, lautet deshalb der dringende Appell des Kämmerers. Angesichts der angespannten finanziellen Lage zapft die Gemeinde auch neue Geldquellen an. So wird für die immer beliebter werdenden Trauungen auf dem Hörnle ein Zuschlag von 100 Euro verlangt - was die zu erwartenden Einnahmen verdoppelt. Statt 4660 Euro wie im Jahr 2010 rechnet Reichert mit 7000 Euro im Gemeindesäckel.

Der Kämmerer nutze die Runde auch dafür, Bilanz zu ziehen. Er betonte, dass ihm von allen Seiten bei seinem Einstieg in die Arbeit geholfen wurde. Dafür revanchiert er sich mit dem wohl schnellsten Haushalt aller Zeiten.

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