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Musik, Tanz und Essen als Kitt zwischen den Religionen

Musik, Tanz und Essen als Kitt zwischen den Religionen

Neubiberg - Den Bundesligaspieltag in der Sportschau verfolgen, einen spannenden Film im Kino erleben oder auch mal mit Freunden im Garten grillen - so sieht in der Regel der Samstagabend für Christopher Rudertz aus.

Muslimische Köstlichkeiten gehören zum Fastenbrechen dazu. Unser Bild zeigt (v.l.) Metin Sanverdi, Fattmana Sanverdi, Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland, Sayesti Ataman, Mustafa Sahin und Eziz Topucer. Foto: Brouczek

Muslimische Köstlichkeiten gehören zum Fastenbrechen dazu. Unser Bild zeigt (v.l.) Metin Sanverdi, Fattmana Sanverdi, Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland, Sayesti Ataman, Mustafa Sahin und Eziz Topucer. Foto: Brouczek

Doch an diesem Abend hat sich der Ottobrunner extra nach Neubiberg zum „Interreligiösen Fastenbrechen“ aufgemacht, um mehr über seine „islamischen Mitbürger zu erfahren“, sagte der 41-Jährige.

„Alle reden davon, dass die Integration in Deutschland vorangetrieben werden muss. Alle, die heute hier nach Neubiberg gekommen sind, arbeiten an der Integration und tun etwas dafür.“ Mustafa Sahin, Mitglied des Arbeitskreises „Begegnung der Kulturen“ der Agenda 21 Ottobrunn-Neubiberg und Organisator des „Interreligiösen Fastenbrechens“ im südöstlichen Landkreis München, hatte den rund 120 Teilnehmern aus dem Herzen gesprochen. Muslime und Nicht-Muslime haben in der Neubiberger Grundschul-Aula gemeinsam dieses wichtige, islamische Ritual gefeiert und setzten damit ein Zeichen für Toleranz und Integration.

Die sanften Klänge einiger Koranverse durch einen extra engagierten Muezzin statt des Torjubels in der ARD, ein deftiger Bohneneintopf mit Olivenöl und die mit Nüssen oder Sahne gefüllten Blätterteigtaschen Baklava statt einer bayerischen Brotzeit - für Gast Christopher Rudertz ein Erlebnis, das der gebürtige Münchner nicht missen möchte. „Ich habe, ehrlich gesagt, nicht gewusst, was mich erwartet - und bin positiv überrascht.“ Besonders die Koranverse, die für die Nichtmuslime ins Deutsche übersetzt wurden, machen den 41-Jährigen nachdenklich: „Der Koran war bislang für mich durch verschiedene Ereignisse immer negativ belastet. Wenn ich jetzt aber die Übersetzung höre, kann ich mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze zu unseren Bibelzitaten im Christentum erkennen.“

Interkulturelle Erfahrungen, die die 47-Jährige Neubibergerin, die mit ihrem Mann zum Fastenbrechen gekommen ist, bereits mehrfach gemacht hat. In ihrer Tätigkeit als Lehrerin an einer Münchner Berufsfachschule hat sie seit Jahren mit Schülern unterschiedlichster Nationalitäten und Religionen zu tun - und das ohne große Probleme. „Die Integration klappt bei uns reibungslos“, so die Erfahrung der 47-Jährigen, die im vergangenen Jahr mit ihrem Ehemann das erste Mal die Türkei bereist hat, und so positive Eindrücke gesammelt hat, dass auch in diesem Jahr der Urlaub in der Türkei gebucht ist: „Vor allem die Gastfreundschaft hat mich schwer beeindruckt.“

Doch während Muslime und Christen gemeinsam feiern, sind auch kritische Stimmen zum Thema Integration zu hören. So sind für Mehmet Cinicen, der seit 35 Jahren in Deutschland - derzeit in Ottobrunn - lebt, Aktionen wie das „Interreligiöse Fastenbrechen“ zwar „ein erster, kleiner Schritt“, aber noch lange nicht genug. „Das darf nicht alles bleiben, sondern muss auf größerer Ebene fortgeführt werden“, findet der 45-Jährige, der vor allem an die Schulverantwortlichen appelliert, die Integration in den Klassen voranzutreiben.

Für Neubibergs Bürgermeister Günther Heyland, der zum ersten Mal in den Genuss des Fastenbrechens gekommen ist, ein Appell, der in der Gemeinde in die Tat umgesetzt werden soll. Er möchte beispielsweise in Zukunft darauf hinarbeiten, dass sich die türkischen Vereine der Region auch bei Gemeindeaktionen wie dem Junimarkt einbringen - und so noch mehr zum lebendigen Gemeindeleben beitragen. Das „Interreligiöse Fastenbrechen“ hält er dabei für ein perfektes Sprungbrett: „Musik, Tanz und Essen sind die besten Mittel, um alle Religionen glücklich zu machen.“ Und noch einen Wunsch hat er in seinem Grußwort formuliert: „Vielleicht kann so ein Abend ja auch die Geburtsstunde für die ein oder andere neue Freundschaft sein.“ Mathias Weinzierl

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