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Seit vier Jahren auf einer Frequenz

Seit vier Jahren auf einer Frequenz

Ottobrunn - Die letzten vier Minuten ist das Schulradio am Zug. Jeden Freitag sind Ottobrunner Gymnasiasten hier auf Sendung - und läuten das Wochenende ein.

Ein professionelles Studio haben sich die Schüler im Keller des Gymnasiums eingerichtet. foto: robert brouczek

Ein professionelles Studio haben sich die Schüler im Keller des Gymnasiums eingerichtet. foto: robert brouczek

Um Punkt 13.01 Uhr geht es los: Der Jingle von „Radio GO (Gymnasium Ottobrunn)“ schallt durch die Aula, dann hört man Benni (Q11) und Tjard (9f) am Mikrofon. Bevor die Gymnasiasten in die Ferien starten, haben die beiden ein Interview mit Timm Taubner im Programm, einem absoluten Informatik-Crack aus der Q12, danach die aktuellen „Schulcharts“ und zum Abschluss ein „Schönes Wochenende“ vom gesamten Radio-Team.

Zehn Schüler gehören dazu und - als Team-Chef - der Deutsch- und Englischlehrer Christian Frobenius (34). Er hat das Schulradio vor vier Jahren mithilfe des Schülervaters Morten Püschel gegründet und seither immer professioneller gemacht. 2011 hat das Team dafür sogar den Schulradiopreis der „Bayerischen Landesmedien“ (BLM) bekommen. Der Preis war ein neues Nierenmikrofon und die Schnittsoftware „Magix’s Music Maker“.

In der Begründung lobte die Jury vor allem die Pfingstsendung 2011, in der das „Schulradio GO“ eine Reportage zum Thema „Blaue Briefe“ gesendet hat: „Wir haben darin den Fall eines anonymen Schülers erzählt, der einen „Blauen Brief“ erhalten hat und danach mit Lehrern, Eltern und anderen Schülern darüber gesprochen, was jetzt zu tun ist“, erklärt Benni Lipinski (16), der seit der siebten Klasse beim „Schulradio“ dabei ist.

Heute ist der Schüler der Q11 der Älteste im Team und genießt es, durch seine Radioarbeit an Menschen heranzukommen, die er sonst nicht treffen könnte - etwa Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Als diese zuletzt für ein Jugend-Workshop-Projekt von Berlin ins Wolf-Ferrari-Haus nach Ottobrunn gekommen ist (wir berichteten), war Benni Lipinski sofort zur Stelle und bat die Ministerin um ein Interview. „Das ist schon toll, an wen man da alles rankommt“, sagt er und klappt seinen Laptop auf, um die O-Töne zu bearbeiten. Nach dem Abitur will er auf jeden Fall journalistisch weiterarbeiten und das Wissen, das er sich in den vergangenen vier Jahren angeeignet hat, nutzen.

Ganz frisch mit dabei sind die Sechstklässlerinnen Rebekka Rossberg und Laura Denk. Ihr Steckenpferd sind die Umfragen unter den Schülern oder das „Einsammeln“ der „Schulcharts“: Anstatt einfach einen aktuellen Song zu spielen, hat sich das „Schulradio“ nämlich etwas ganz besonderes ausgedacht: Rebecca und Laura bitten ihre Mitschüler und Mitschülerinnen, ihnen in den Pausen den Refrain ihres aktuellen Lieblingssongs in Mikrofon zu singen. Wer sich traut, ist damit freitags auf Sendung - und zwar kurz vor Unterrichtsbeginn um 7.55 Uhr und am Ende des Schultags um 13.05 Uhr. Produziert werden die Sendungen in einem Arbeitsraum im Schulkeller, wo Lehrer Frobenius zwei Sprechkabinen eingerichtet und die PCs mit Schnittsoftware ausgestattet hat. Auf den beiden blauen Knautschsofas finden jede Woche die Teamsitzungen statt, für jede Sendung werden zwei „Verantwortliche“ bestimmt.

Als das Projekt „Schulradio“ vor vier Jahren startete, kannten sich weder die Schüler noch Frobenius mit der Schnittsoftware und den technischen Anforderungen aus. Deshalb fuhren sie mit ihrem gesammelten Material etwa ein Jahr lang jede Woche in den Münchner Norden, um sich von Schülervater Püschel helfen zu lassen.

Als Betreiber der Radiofirma MMC Sports hatte er die Idee zur Einrichtung eines Schulradios am Gymnasium Ottobrunn gehabt und stand den „Pionieren“ mit Rat und Tat zur Seite. Heute bilden dessen Sohn Tjard Püschel und dessen Mitschüler Philipp Friedrich, Anna Krug, Richard Spingler, Yannick Erler, Moritz Butterwegge und Pietro Scattaglia den „harten Kern“ der Gruppe und haben - weil sie in der „Laptop-Klasse“ unterrichtet werden - viel technisches Knowhow.

Was sie damit alles anstellen können, wollen sie jetzt beim Schulradiowettbewerb „turnon“ des Bayerischen Rundfunks (BR) beweisen. Bis Ende Juni muss das „Schulradio GO“ dafür zwei fertige Reportagen abgegeben haben, die dann von einer Jury des BR bewertet werden. Nach dem Schulradio-Preis der BLM liegen die Erwartungen hoch, dass die Ottobrunner Radiomacher auch hier wieder ganz vorne mit dabei sein werden.

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