Hohenbrunn - Andreas Schulz war zwanzig Mal als Co-Pilot bei der Rallye Dakar. Das Rennen forderte bereits mehrere Todesopfer. Der 56-Jährige gibt dem Mythos Dakar deshalb noch zehn Jahre.

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Der aufmerksamste aller Beifahrer: Andreas Schulz aus Hohenbrunn
Der erste Tote hieß Patrick Dodin, verunglückt gleich bei der Premiere 1979. Als letztes traf es Jorge Martinez Boero, ein Motorradpilot wie Dodin, der einen Sturz nicht überlebte. Boero wird nicht der Letzte sein, der bei der Rallye Dakar stirbt. Andreas Schulz weiß das, und trotzdem sagt er: „Die Dakar leicht zu machen, geht nicht, dann ist es keine Dakar mehr.“
Zwanzig Mal ist der 56-Jährige aus Hohenbrunn die Dakar jetzt gefahren, hat Jutta Kleinschmidt (2001) und Hiroshi Masuoka (2003) den Weg zum Sieg gewiesen. Schulz ist der einzige Deutsche mit zwei Dakar-Siegen auf dem Konto. Gerade ist der Münchner Wüstenfuchs aus Lima zurückgekehrt, von einer Rallye, die schon auf der ersten Etappe von einem Todesfall überschattet wurde.
Schulz, ein gemütlicher Typ mit rundem Gesicht, sitzt jetzt mit seiner Lebensgefährtin Petra Meyer am Frühstückstisch. Ein seltener Moment. 200 Tage im Jahr ist Schulz unterwegs, das sind fast 200 Tage voller Sorge für Meyer, besonders die im Januar, wenn traditionell die Dakar über die Bühne geht. „Dann muss er schon jeden Abend anrufen, dass es ihm gut geht“, erzählt sie.
Die Begegnung mit Leid und Tod ist für Schulz seit 1986 Realität, als er in einem Lkw seine erste Dakar fuhr. Inzwischen hat er seinen Weg gefunden, damit umzugehen. Er sagt: „Man muss immer wissen, was man tut.“ Die Wüste könne wie ein Gangster sein. Wer nicht aufpasst, wird ausgetrickst.
Als Co-Pilot ist Schulz mehr als nur der Navigator, der Karten studiert und Routen austüftelt. Im Notfall ist er als Mechaniker gefragt, muss aufpassen, dass der Fahrer genug isst und vor allem trinkt, er muss ihn auch mal bremsen, wenn er dazu neigt, zu übertreiben. „Der Pilot muss wissen, der passt immer auf mich auf“, sagt Schulz.
Sein Einfühlungsvermögen hat sich im Fahrerlager herumgesprochen. Inzwischen wird Schulz zu den „Problemfällen“ ins Auto gesetzt. Zuletzt in den Mini des Russen Leonid Novitskiy, der nach einem schweren Unfall sein Selbstbewusstsein verloren hatte. Die Dakar 2012 haben sie für das X-raid-Team als Vierte der Gesamtwertung beendet.
Die Anforderungen sind hoch an einen Co-Piloten, die Öffentlichkeit nimmt meist nur wenig davon wahr. Schulz macht das nichts aus. „Ich weiß, was ich wert bin“, meint er. Rallye-Queen Kleinschmidt hat es so ausgedrückt: „Ohne Andreas läuft gar nichts. Er findet stets den kürzesten, schnellsten Weg durch die Wüste.“
Und trotzdem: Früher hat auch Schulz davon geträumt, selbst am Steuer zu sitzen. „Das Geld hat leider gefehlt“, erzählt er. Der Mythos hat seinen Preis. 100.000 Euro muss man mindestens mitbringen – und das reicht nur für einen der hinteren Plätze. Nichts für einen wie Schulz.
Die Wüsten-Rallye ist inzwischen eine Materialschlacht geworden. Das kostet. Mit der ursprünglichen Idee des französischen Rallye-Liebhaber Thierry Sabine hat sie nur noch wenig gemein. Seine ersten Nächte verbrachte Schulz bei der Dakar etwa im kalten Zelt, jetzt nur noch im Hotelbett. „Für die Arbeit ist das natürlich besser, aber die Dakar verliert so auch an Reiz.“ Schulz gibt ihr höchstens noch zehn Jahre.
Im nächsten Jahr aber wird er noch ein wohl letztes Mal als Co-Pilot ins Auto steigen, bevor er dann in einem Wohnmobil-Lkw selbst um die Welt fahren will.
Von Katharina Blum
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