Petershausen - Nach langem Hin und Her hat sich der Petershauser Gemeinderat nun entschieden: Für die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gesundheitszentrum an der Ziegeleistraße. Und zwar ohne Einschränkungen, und ohne Kompromisse.
Eigentlich hatte die Diskussion ganz friedlich begonnen: Mit einem Kompromissvorschlag. „Wir sind zu einer Lösung gekommen“, verkündete Bürgermeister Günter Fuchs (CSU) vor dem Gemeinderat und den etwa 50 Bürgern, die mit Argusaugen die Sitzung verfolgten. Diese Lösung lautete: Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan mit einschränkenden Maßgaben. Nur im Erdgeschoss des Hauptgebäudes sollte eine Arztpraxis und andere ärztliche Dienstleistungen genehmigt werden, dagegen sollten im ersten und im zweiten Stock ärztliche Dienstleistungen ausgeschlossen werden, außer einer Zahnarztpraxis. Ein Kompromiss, mit dem sich auch Dr. Peter Stein anfreunden konnte: „Damit sind wir zufrieden.“
Doch die Oppositionsparteien waren mit dieser „Lösung“ keineswegs zufrieden. „Die Freien Wähler sprechen sich für den ursprünglichen Antrag aus“, erklärte Andrea Stang (FW). „Denn ich habe bisher keine Alternativen gesehen.“ Eduard Meßthaler (SPD) erkannte zwar den Versuch der CSU an - „schöne Sache, dass Sie versucht haben, Lösungen zu finden“ - doch insgesamt konnte auch er sich nicht mit dem Vorhaben anfreunden: „Jetzt werden schon am Anfang Hürden eingebaut. Warum denn?“ Schließlich sei es nicht gerade klug, eine derart einflussreiche Familie wie Schneider/Stein zu vergraulen: „Wir brauchen den Herrn Schneider, nicht nur jetzt, sondern auch in der Zukunft.“ Zwar sollte diese Angelegenheit nicht zu einem „Kuhhandel“ degradiert werden, aber die Gemeinde müsse „schon auf ihn zugehen“.
Genau das versuchte Gerhard Weber (CSU): Auf die anderen Fraktion zuzugehen. Alles, was den Freien Wählern wichtig sei, wäre in dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan enthalten, erklärte Weber: barrierefreie Praxis, Logopädie, Ergotherapie, Zahnarzt, alles könne verwirklicht werden - „alles ist möglich!“. Doch Sinn und Zweck dieses Vorgehens sei es, die Arztpraxen im Ortszentrum zu schützen: „Denn diese Festsetzung ist dann verbindlich.“
Doch der Abend schloss harmonisch: Johannes Schneider, Sohn des Bauherren und Schwager von Dr. Stein, erhob sich von seinem Platz und bedankte sich bei den Gemeinderäten - und zwar nicht nur bei denen, die den uneingeschränkten Bebauungsplan durchgebracht hatten, sondern auch bei den CSUlern: „Vielen Dank für den Kompromissvorschlag.“ Ab jetzt, so hofft Schneider junior, werde das Bauvorhaben ohne „Frontenbildungen“ zügig auf den Weg gebracht. Und so gab es die erste versöhnliche direkt im Anschluss an die Entscheidung die erste versöhnliche Geste: Die Familien Stein und Schneider Stein luden alle Anwesenden vor dem Rathaus auf einen Sekt-Umtrunk ein.
(np)
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