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Umdenken im Umgang mit Ressourcen

Umdenken im Umgang mit Ressourcen

Planegg - Für Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands, sind die Grenzen des Wachstums das Thema der Zukunft. Warum genau jetzt die Zeit reif ist, um umzudenken.

„Wir haben uns jahrzehntelang in die Geiselhaft des Wachstums begeben, sagt Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands. Doch heute sei ein Wendepunkt erreicht. Im Rahmen des Politischen Frühlings der SPD sprach der ehemalige parlamentarische Staatssekretär am Freitag zum Thema „Das Ende des Wachstums - am Beginn des neuen Fortschritts“ in der Planegger Gaststätte Heide-Volm. Wozu er eigens aus Berlin angereist war. Mit dem Zug, wie er betonte.

Die Frage nach den Grenzen des Wachstums ist für Müller, der auch der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ angehört, das große Thema der nächsten Jahre. Zwar habe man es in den letzten 30 Jahren immer wieder aufgegriffen, jetzt aber sei die Zeit reif für ein Umdenken. Um zu einem neuen Modell von Fortschritt zu gelangen, müssten Grundsatzfragen wieder viel mehr diskutiert werden. Für eine tiefer gehende Debatte sei die eigentliche Idee der Sozialdemokratie in Zukunft wichtiger denn je. Die Ökonomie habe sich in den letzten Jahrzehnten verselbständigt. Den Wendepunkt dieser Entwicklung hätten fast alle großen Wirtschaftstheoretiker vorausgesagt.

Das Kernproblem sei, so Müller, dass man sich vom stetigen Wachstum habe faszinieren lassen und dabei in eine Falle geraten sei. Nur über soziale Gerechtigkeit und ökologische Verträglichkeit lasse sich eine Lösung finden. Denn: „Wir haben die Rechnung ohne die Natur gemacht“, so Müller. Die Natur müsse wieder zur Mitwelt werden, das Verhältnis zu ihr dürfe nicht mehr das einer Herrschaft über sie, sondern das einer Partnerschaft mit ihr sein. Und dazu seien deutliche Kurskorrekturen nötig. An erster Stelle müsse die Idee der Nachhaltigkeit aus der Beliebigkeit herausgeholt werden. „Der Schlüssel für den Umbau wird der Umgang mit Energien und Rohstoffen sein“, konstatierte Müller. So müssten die gesellschaftlichen Ziele künftig wieder über die ökonomischen gestellt werden. Die Zeiten, in denen Wachstum als Antwort auf die Probleme der Gegenwart und Hoffnung auf eine gute Zukunft galt, seien endgültig vorbei.

In diesem Zusammenhang müsse auch an die Entwicklungsländer gedacht werden. Müller: „Die streben natürlich in Richtung europäisches Modell, das kann man nicht stoppen, wenn man in der bisherigen Logik bleibt.“ Diese Dinge könnten eines Tages zu einem Kriegsgrund werden, warnte er. Allerdings wolle er die Abkehr vom Fortschritt nicht nur verteufeln, im Gegenteil, diese biete auch eine Chance zur Entfaltung neuer Kreativität. Wie brisant sein Vortragsthema ist, zeigte sich in der anschließenden Diskussion, die genauso lang dauerte wie das Referat. Dann musste Michael Müller weiter. Diesmal nach Fulda, natürlich mit dem Zug.

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