Poing - Deutschland wird kinderfreundlicher – aber der Personalmangel schafft neue Probleme: Ein Ortstermin in Poing.
3,5 Millionen Euro hat die Gemeinde Poing (Landkreis Ebersberg) für den Bau der Kindertagesstätte im Neubaugebiet Zauberwinkel ausgegeben. Die Einrichtung bietet Platz für 65 Krippenkinder (im Alter bis zu drei Jahren), 50 Kindergarten- und 60 Hortkinder. Bei der Eröffnung im Herbst vergangenen Jahres war die Stimmung prächtig und das Staunen groß: Durch den Garten der Kindertagesstätte (Kita) schlängelt sich eine etwa 200 Meter lange Bobby-Car-Rennstrecke.
Mit der guten Laune ist es mittlerweile vorbei. Ab dem 1. März kann die Einrichtung, die vom Verein Familienzentrum Poing betrieben wird, eine der fünf Krippengruppen nicht mehr in dem Umfang anbieten wie bislang. Grund: Es fehlt an Erzieherinnen. „Eine Erzieherin verlässt uns, eine andere ist längerfristig krank“, berichtet Ingrid Kastner. Betroffen sind elf Kinder und deren berufstätige Eltern. „Wir müssen die Gruppe in eine Kurzzeitbetreuung umwandeln“, bedauert die 37-jährige Geschäftsführerin. Von 8 bis 12 Uhr werden die kleinen Mädchen und Buben vom Hortpersonal betreut, danach ist Schluss. Zwar gab es die Idee, dass sich die Eltern für die Zeit nach Mittag selbst organisieren und privat eine Krabbelgruppe auf die Beine stellen, „doch das geht nicht, weil die Eltern arbeiten müssen“. Nun werde versucht, über Tagesmütter die Betreuung sicherzustellen.
Schon seit Wochen ist das Familienzentrum auf der Suche nach Fachpersonal, jedoch: „Der Markt ist leer gefegt“, sagt Ingrid Kastner. Erzieherinnen sind momentan Mangelware, die Kita-Geschäftsführerin blickt auf die Monate Juni und Juli, wenn neue Erzieherinnen ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Allzu große Hoffnungen macht sich Kastner allerdings nicht: Bayernweit, vor allem aber in München und seinem Speckgürtel, wird Fachpersonal für Kinderkrippen händeringend gesucht. „Erzieherinnen sind ein Schatz geworden. Glücklich ist der, der einen hat.“
Ingrid Kastner sieht das Hauptproblem in der Politik: „Die Ausbildung zur Erzieherin müsste verkürzt werden. Außerdem brauchen die jungen Leute einen besseren Anreiz, den Beruf zu erlernen.“ Fünf Jahre dauert die Ausbildung, wer danach in den Beruf einsteigt, verdient 2291,88 Euro brutto. Zwar kommen tarifliche Zulagen hinzu, doch zum Leben in und um München sei die Bezahlung – auch in Anbetracht der Verantwortung, die der Beruf mit sich bringt – unangemessen, sagt Kastner.
Ab dem 1. August 2013 soll es einen rechtlichen Anspruch auf einen Krippenplatz geben. Das zumindest verlangt die Bundesregierung. Ingrid Kastner kann sich im Moment nicht vorstellen, wie das umzusetzen ist: „Ich bin besorgt darüber, wohin das alles noch führen soll.“ In der Gemeinde Poing gibt es derzeit 195 Krippen- und 631 Kindergartenplätze. Ab September soll das Angebot noch steigen, unter anderem sind 65 weitere Krippenplätze vorgesehen. Doch woher die Träger der Einrichtungen das Personal nehmen sollen, steht in den Sternen.
Armin Rösl
Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.