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Schlumpfbasar: Einkaufszentrum auf Zeit

Schlumpfbasar: Einkaufszentrum auf Zeit

Poing - Wenn Samstagfrüh die Kunden kommen, liegen 15 Stunden Tische aufbauen, Waren sortieren und jede Menge Arbeit mehr hinter den Helfern des Schlumpfbasars. Ein Blick hinter die Kulissen eines kleinen Einkaufzentrums, das drei Stunden geöffnet hat.

Trotz Stress immer gut gelaunt: Bei Petra Maulbetsch laufen alle Fäden zusammen.

Trotz Stress immer gut gelaunt: Bei Petra Maulbetsch laufen alle Fäden zusammen.

Das Gespräch mit Petra Maulbetsch findet im Gehen statt. Beginn ist im Flur des Kinderlandes an der Sudetenstraße in Poing-Nord. Nach einer Minute die erste Unterbrechung: „Petra, wo kommt der Rucksack hin?“, fragt ein Mann. „Ins Outdoor“, antwortet Maulbetsch. Der Mann mit dem Rucksack auf dem Arm trabt in den Raum, an dessen Eingang ein Schild steht mit der Aufschrift „Outdoor“. Hier werden jene Sachen abgelegt, die Kinder fürs Spielen und Sporteln draußen brauchen können.

Petra Maulbetsch geht den langen Flur weiter, vorbei an Räumen, in denen sich Kinderkleidung geordnet nach Größen stapeln, in anderen liegt Spielzeug. Eine Frau mit einem Wäschekorb voll Kleidung kommt heran. „Wohin?“, „Zweiter Raum rechts.“

Am Ende des Flurs betritt die 48-Jährige einen großen Raum, in dem es chaotisch aussieht. Spielzeug, Kleidung und viele andere Dinge stapeln sichl, dazwischen sitzen Frauen, die sorgfältig jede Ware prüfen. „Wir schauen genau nach, ob der Reißverschluss einer Jacke funktioniert oder ob ein Spielzeug defekt ist.“ Haben die Waren die Prüfung überstanden, werden sie registriert, mit dem jeweiligen Preis ausgezeichnet und in die entsprechenden Räume gebracht.

Hauptberuflich ist Petra Maulbetsch Sekretärin, Spezialistin für Organisation. Seit sechs Jahren laufen bei ihr die Fäden für den Schlumpfbasar des Vereins Kinderland zusammen. Gemeinsam mit neun weiteren Frauen bildet sie das Orga-Team, das rund 160 Helfer an zweieinhalb Tagen im Einsatz hat. Alles Mütter und Väter von Kindern, die in der Kindertagesstätte betreut werden. Alles Mütter und Väter, die ehrenamtlich hier arbeiten.

Während der Aufbauzeit werden im ersten Stock deren Kinder betreut. „Das Ganze ist ein großer logistischer Aufwand“, sagt Maulbetsch und lächelt. Gestresst ist sie nicht, im Gegenteil: „Das macht Riesenspaß!“

Schlecht gelaunt ist hier niemand. Die Helfer haben an ihren Revers Namensschilder aufgeklebt, auf denen ihre Vornamen stehen. Es geht zu wie in einem Ameisenhaufen, wo jeder weiß, was er zu tun hat. Stillstand gibt’s hier nicht. Und Petra Maulbetsch ist eine Art Ameisenkönigin, die, im Gegensatz zu den kleinen Tieren, nicht nur die anderen für sich arbeiten lässt, sondern selbst mit anpackt - und den Überblick behält. Kommen neue Helfer für die nächste Schicht, teilt sie diese anhand einer Liste für konkrete Aufgaben ein. „Beim Herbstbasar haben wir etwa 7200 Artikel, im Frühjahr sind es 7500.“ Jeder von ihnen wird registriert, geprüft und verteilt.

Abgeschieden von der Hektik, in einem kleinen Raum, sitzen Sabine Auer, Martha Sachs und Daniela Schleder und tippen jeden Artikel in den Computer ein. „So können wir per Knopfdruck den jeweiligen Verkäufer zuordnen.“ Am Freitagabend, gegen 23 Uhr, ist das kleine Einkaufszentrum fertig.

Zehn Stunden später, am Samstag, öffnen sich die Türen für die Kundschaft. „Dann macht es Wusch!, und hier ist alles voll mit Leuten“, sagt Petra Maulbetsch. Drei Stunden hat das Einkaufszentrum geöffnet, danach geht für das Orga-Team und die Helfer die Arbeit weiter. Nicht verkaufte Waren müssen sortiert werden für die Abholung durch die Verkäufer. Die Tische werden aufgeräumt, es wird sauber gemacht, damit am Montagfrüh die Kinder ihre Räume so vorfinden, wie sie es gewohnt sind.

Am Ende des Gesprächs öffnet Petra Maulbetsch die Tür zum „wichtigsten Raum im Haus“: den Ruheraum. Hier gibt’s Süßigkeiten, Brezen, Getränke und mehr. Die 48-Jährige nimmt sich einen Schokoriegel, hält kurz inne und verlässt das Zimmer wieder. „Ich muss weiter.“

Von Armin Rösl

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