Poing - Zehn Millionen Euro hat die Erzdiözese München und Freising für den Neubau der Pfarrkirche in Poing-Nord eingeplant. In Poing-Süd modert der Katholische Kindergarten derweil vor sich hin. Die Eltern sind frustriert.

1969 gebaut: Der Katholische Kindergarten am Endbachweg ist laut Gutachten nicht mehr sanierungsfähig. Einen Neubau will das Ordinariat aber nicht zahlen. foto: dz
Über einen Turnraum, wie er in Kindertagesstätten üblich ist, verfügt der katholische Kindergarten am Endbachweg in Poing-Süd nicht. Wenn die Mädchen und Buben turnen wollen, müssen sie etwa 300 Meter zur Grundschule Karl-Sittler-Straße marschieren. Aber auch dort wird es immer enger, weil die Schule die Turnhalle vormittags selbst benötigt, berichtet Michael Holzner. Poings Pfarrer befindet sich in einer Zwickmühle: Er weiß, dass der 1969 gebaute Kindergarten nicht dem modernen Standard entspricht, doch sind ihm die Hände gebunden. Zum einen, weil ein Gutachten, das bereits vor Jahren von der Diözese erstellt worden ist, aussagt, dass eine Sanierung des Gebäudes zu aufwändig wäre. Zum anderen habe das Ordinariat vor mehr als einem Jahr die Zuschussabrechnung geändert und mitgeteilt, dass es einen Neubau nicht finanzieren werde. Die katholische Kirche ist nicht nur Trägerin des Kindergartens, sondern auch Eigentümerin des Areals samt Gebäude. Was tun?
Jetzt haben die Eltern das Heft in die Hand genommen. Vergangenes Jahr hat der Elternbeirat mehr als 100 Unterschriften gesammelt mit der Forderung, dass eine Zwischenlösung her muss - bis die Entscheidung über einen Neubau gefallen ist. Die Liste wurde an die Gemeinde Poing und ans Ordinariat geschickt, berichtet der Elternbeiratsvorsitzende Armin Gnaedig. "Vom Ordinariat haben wir bislang keine Antwort erhalten. Wir sind frustriert: Da wird eine neue Pfarrkirche gebaut, und der Kindergarten verrottet, um es drastisch auszudrücken."
Ein Neubau würde etwa 3,5 Millionen Euro kosten, doch wer zahlt’s? Die Gemeinde Poing? Bürgermeister Albert Hingerl hat die Gemeinderatsmitglieder in der jüngsten Sitzung über das Thema informiert, ohne konkret darauf einzugehen. Sollte das Ordinariat bei seiner Haltung bleiben, müsste geklärt werden, ob die Gemeinde einen Neubau finanziert, sagt Pfarrer Michael Holzner. Die härteste, aber wohl unwahrscheinliche Alternative wäre, die Kirche gibt die Trägerschaft ab und überlässt die Einrichtung sich selbst. "Darüber wird momentan nicht nachgedacht", so Holzner.
von Armin Rösl
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