Affäre um Laborarzt: Korruption bei der Staatsanwaltschaft

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    • 06.12.06
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Affäre um Laborarzt: Korruption bei der Staatsanwaltschaft

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- Augsburg -­ Die Affäre um den Augsburger Laborarzt Schottdorf zieht Kreise. Während der Unternehmer trotz Korruptionsverdachts auf freiem Fuß ist, sitzt ein Ex-Vorzeigestaatsanwalt für Wirtschaftskriminalität in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München I hat konkrete Hinweise, dass er den millionenschweren Arzt vor Durchsuchungen seines Labors warnte.Am 17. März 2006 treffen sich auf einer Interpol-Tagung in Madrid Polizeiexperten aus Europa.

Der Augsburger Staatsanwalt Uwe Huchel referiert dort über die Bekämpfung internationaler Anlagebetrügereien. Zur gleichen Zeit durchsuchen Fahnder des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft München I Büro und Wohnhaus des 45-Jährigen.

Ausgelöst hat die Aktion die Anzeige einer Bank wegen Verdachts auf Geldwäsche. Es geht um 165 000 Euro, die Anfang 2006 auf ein Privatkonto der Familie Huchel eingegangen sind ­ Geld, das aus einer beschlagnahmten Millionenbeute stammt.

Der aus Madrid zurückgeeilte Strafverfolger hat es seinem Geständnis zu verdanken, dass er nicht in Untersuchungshaft kommt. Freiwillig scheidet er sofort aus dem Staatsdienst aus. Monate später hat sich die Affäre zu einem Korruptionsskandal ausgeweitet, der die bayerische Justiz erschüttert: Huchel sitzt in U-Haft, bei der Münchner Staatsanwaltschaft hat die Anti-Korruptionsabteilung den Fall übernommen. Ein Ende der Ermittlungen "ist noch nicht in Sicht", sagt Münchens Leitender Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Nach seinen Angaben hat sich die Affäre auf drei Strafverfahren ausgeweitet, die sich momentan gegen fünf Personen richten. Zweimal soll Uwe Huchel einen prominenten Tatverdächtigen vor Strafverfolgung geschützt haben: den Augsburger Laborarzt Bernd Schottdorf. Und das nicht für Gotteslohn.

Wurde das Darlehen wieder zurückgezahlt?

Die Geschichte beginnt Anfang 2000, als sich Huchel von Schottdorf, der von Augsburg aus Europas größte Laborgemeinschaft leitet, ein Darlehen über 160\x0f000 Mark geben lässt. Als Staatsanwalt, zuständig für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität, gerät man da schnell in Verruf. Zumal Huchel immer wieder Anzeigen gegen den Unternehmer auf den Tisch kommen. Verständlich also, dass Kreditgeber und -nehmer sich größte Mühe geben, den Geldfluss durch "Scheingeschäfte" und "falsche Vertragspartner" zu verschleiern, wie Indizien belegen. So wird jetzt gegen zwei als Treuhänder zwischengeschaltete Rechtsanwälte ermittelt. Der Verdacht: Beihilfe zur Bestechung.

Bei seiner zwischenzeitlichen Festnahme hat Schottdorf eingeräumt, Huchel das Darlehen gegeben zu haben. Was für sich genommen nicht strafbar ist. Ihr Mandant habe alles "auf Heller und Pfennig" an Schottdorf zurückgezahlt, versichern Huchels Verteidiger, Leonhard Wallischweski und Robert Chasklowicz. Dummerweise fehlen für 20 000 Mark Überweisungsbelege. Angeblich wurde das Geld in bar zurückgezahlt. Und es gibt ein verräterisches Schreiben vom 25. März 2000. Darin sichert Huchel dem Berliner Hausanwalt von Schottdorf zu, er werde sich der "gewährten Unterstützung ... zu gegebener Zeit erinnern". Dies schreibt ein Strafverfolger ausgerechnet vor einem spektakulären Prozess, der wenige Wochen später im Mai 2000 gegen Schottdorf vor dem Landgericht Augsburg beginnen wird. Doch der Multimillionär, dem Abrechnungsbetrügereien in Höhe von 17 Millionen Mark zur Last gelegt werden, wird nach fünfmonatiger Prozessdauer überraschend frei gesprochen.

Im Jahr 2004 kann dann die Staatsanwaltschaft Augsburg nicht anders, als erneut gegen Schottdorf zu ermitteln, liegen doch Hinweise ihrer Kollegen im hessischen Limburg und des Landeskriminalamtes Hannover vor. Diesmal wird der zum Gruppenleiter aufgestiegene Uwe Huchel federführend tätig. Beide Male werden die Ermittlungen unter dubiosen Umständen eingestellt ­ was den Münchner Korruptionsfahnder Andreas Harz, in Anwaltskreisen als "harter Hund" bekannt, veranlasst, die Fälle erneut aufzugreifen.

Korruptionsfahnder ermittelt

Abermals steht der Laborarzt im Verdacht von Abrechnungsbetrügereien. Im Fall Hannover sollen Krankenkassen betrogen worden sein, weil Arzt und Großlabor überflüssige Laborleistungen abrechneten. Beide sollen den Mehrerlös geteilt haben. Im Limburger Fall soll ein Arzt bei Privatpatienten Laborleistungen wahrheitswidrig als eigene Arbeit zu überhöhten Preisen abgerechnet haben.

Wie er bei seiner Vernehmung gestand, habe er die Proben im Labor Schottdorf untersuchen lassen. Nun häufen sich die Merkwürdigkeiten. Huchel verzichtet auf die vom Augsburger Ermittlungsrichter bereits genehmigte Durchsuchung des Großlabors. Vielmehr warnt er, wie sichergestellte Unterlagen belegen, den Unternehmer durch einen Anruf bei dessen Hausanwalt. Aus Berlin reist Rechtsanwalt Karl-Heinz S. an, man trifft sich im Büro des Staatsanwalts. Genügend Zeit also, um belastende Dokumente verschwinden zu lassen und entlastende zu "fabrizieren", vermutet der Münchner Staatsanwalt Andreas Harz.

Denn als Huchel am 10. März 2004 die Räume des Augsburger Großlabors endlich betritt, gibt er sich mit ihm ausgehändigten Schriftstücken zufrieden ­ und stellt das Strafverfahren ein. Noch besser kommt es 2005 für den Labor-Tycoon. Huchel schickte dem Tatverdächtigen einen Lückentext, und bat, die fehlenden Angaben zu machen, damit er das Strafverfahren 502 Js 145641/04 niederschlagen könne. So geschah es.

Obwohl in Justizkreisen von einem nie da gewesenen "Gaunerstück" die Rede ist, bereitet die strafrechtliche Bewertung Probleme, räumt Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld ein. Gut möglich, dass Uwe Huchel eine längere Gefängnisstrafe erspart bleibt.

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