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Riskante Gaudi: Der Faschingszug in Bichl (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ist sehr beliebt. Hier sind Rettungskräfte neben den Wagen unterwegs, um für Sicherheit zu sorgen. Entlang der Straße wird ausgelassen gefeiert.

Vereine sind genervt

Strenge Auflagen sollen Faschingsumzüge regeln

München - Für viele Vereine sind die Umzüge der Höhepunkt der Faschingszeit. Doch immer ist es dabei zu schlimmen Unfällen gekommen. Einigen Faschingsbegeisterten ist deshalb inzwischen die Verantwortung zu groß geworden.

Holger Fey hat sich die Schwarzweiß-Fotos aus den 1930er-Jahren oft angeschaut. Damals waren einige Cowboys und Indianer noch auf Fahrrädern unterwegs – der Gaudiwurm war schon vor 80 Jahren eine Schau. Als Kind hätte der heutige Vorsitzende des Faschingsvereins in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) den Umzug für nichts auf der Welt verpassen wollen. Und er kann sich nicht erinnern, dass der Faschingszug einmal ausfallen musste. 2013 ist Schluss mit der bunten Tradition in Penzberg. Die Ideen sind den Faschingsverrückten nicht ausgegangen – aber die Motivation.

Der organisatorische und bürokratische Aufwand, um alle Auflagen einzuhalten, ist zu groß geworden. „Für viele Vereine ist das inzwischen schwer zu schultern“, glaubt Fey. Die Teilnehmerzahlen sind in den vergangenen Jahren etwa um die Hälfte zurückgegangen. Vielleicht auch wegen Unfällen in anderen Landkreisen. „Einigen wird die Verantwortung zu groß“, vermutet Fey. Immer wieder kam es vor, dass Menschen bei Gaudizügen verletzt wurden.

In Indersdorf (Kreis Dachau) und Haag (Kreis Mühldorf am Inn) sind 2011 zwei Zugbegleiter, die eigentlich für Sicherheit sorgen sollten, unter die Räder der Fahrzeuge geraten. In einem Fall war der verunglückte junge Mann stark betrunken. Ein Problem, gegen das weder Veranstalter noch Landratsämter mit schärferen Regeln ankommen. Die Indersdorfer haben 2005 mit einem Glas- und Flaschenverbot einen Versuch gewagt, berichtet Hans Leber, der in der Marktgemeinde 20 Jahre im Faschingskomitee saß. „Aber wir können eben nicht jeden kontrollieren.“ Den Organisatoren bleibt nichts anderes übrig, als an das Verantwortungsbewusstsein zu appellieren, sagt Leber. „95 Prozent der Teilnehmer sind sehr vernünftig.“ Sie halten sich an die gesetzlichen Vorgaben, schmeißen die Süßigkeiten so weit wie möglich, um die Zuschauer von den Wagen fernzuhalten und trinken während des Umzugs gar nicht oder in Maßen. „Aber der Alkohol lässt sich nun einmal nicht ganz verbannen.“

Auch nicht durch strengere Auflagen, betont Karl-Heinz Krem von der Verkehrsbehörde im Landratsamt Dachau. Im Landkreis sind nach dem Unfall in Indersdorf die Regeln nicht verschärft worden. „Das Problem war, dass der junge Mann damals gegen die Auflagen verstoßen hat“, sagt Krem. Er hatte versucht, auf den fahrenden Bulldog zu klettern, war dabei gestürzt und wurde verletzt. Seit dem Unfall weist das Landratsamt energischer auf die Regeln hin und kontrolliert verstärkt. Das bayerische Verkehrsministerium hat ein Merkblatt herausgegeben – als Mindeststandard, an den sich Veranstalter und Landratsämter halten müssen. Der TÜV kontrolliert die Fahrzeuge, für die es keine Betriebserlaubnis gibt. Die Auflagen dafür sind nicht schärfer geworden, sagt Jürgen Wolz, der technische Leiter beim TÜV Süd. Aber die Kontrollen der Veranstalter.

Die Penzberger Faschingsbegeisterten mussten zuletzt sechs Seiten Vorgaben beachten, um am Gaudiwurm teilzunehmen. Das hat zu viele abgeschreckt. 2012 zogen gerade noch acht Wagen, drei Fußgruppen und eine Musikkapelle durch die Straßen. Deshalb haben sich Holger Fey und sein Team für dieses Jahr etwas Neues überlegt: Sie drehen die Tradition um. Die Vereine bauen in Penzberg Stände auf, an denen sie den Gästen etwas bieten – und die Zuschauer ziehen durch die Stadt. „Ein Versuch“, sagt Fey. „Um die Tradition wieder attraktiv zu machen.“

Von Katrin Woitsch

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