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    • 20.12.04
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Der Genuss-Dreher

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- VON CLAUDIA HECKELMANN Am Anfang stand eine Idee. Und daraus entwickelte sich die wahrscheinlich originellste Ich-AG Münchens. "Meine Freunde haben mich oft gebeten, ihnen Zigarren aus Kuba mitzubringen", sagt Juan Carlos Mila Menendez. "Da ich Torcedor, also Zigarrendreher gelernt habe, kam ich auf die Idee, sie auf Parties herzustellen und zu verkaufen." Mitte Mai gründete Mila Menendez seine Ich-AG, seit September trägt sie sich. Große Firmen, wie der Netzwerkbetreiber O2 buchen den echt kubanischen Torcedor für ihre exquisiten Weihnachtsfeiern.<BR>

Einige Zigarren bereitet Mila Menendez schon zu Hause vor. Er arbeitet an einem alten Holztisch in seiner Wohnung in Untersendling. Sein Deutsch hört sich noch ein wenig holprig an. Deshalb übersetzt seine deutsche Ehefrau Tina Baier, eine Journalistin, für ihn. Auf dem Boden krabbelt der acht Monate alte Carlos, das Resultat einer deutsch-kubanischen Liebe.<P>Durch die Übersetzung seiner Frau spricht Mila Menendez von der Beschaffenheit der kubanischen Böden, die die Zigarren aus seiner Heimat so unvergleichlich machen. "Sie sind sandiger. Und das trockene Klima passt optimal". Und er redet davon, dass er das Meer und die Sonne ab und an vermisst. Und trotzdem viel lieber hier arbeitet. Weil er beim Zigarrendrehen unter Leuten ist und nicht in einer riesigen Fabrik wie auf Kuba.<P>"Torcedor ist dort ein sehr angesehener Handwerksberuf", erklärt seine Frau. "Die Ausbildung dauert neun Monate." In den ersten zwei Monaten beschäftigen sich die Lehrlinge nur mit dem Innenleben der Zigarren, "Tripa" genannt. "Das Schwierigste daran ist, die Blätter nicht ineinander zu verdrehen", verrät der Profi aus Kuba, während er mit geschickten Händen Tabakblätter rollt. "Welche Blätter man für das Innenleben benutzt, entscheidet über die Stärke der Zigarre." Die Blätter, die am meisten Sonne abbekommen haben, enthielten am meisten Tabak.<P>Anschließend schneidet Mila Menendez das Deckblatt mit der Chaveta, einem Rundmesser zur richtigen Größe zu, befeuchtet es mit einem Schwamm und wickelt es um die fertig gerollten Tripa-Blätter. Ganz zum Schluss wird das Endstück mit dem so genannten Sombrero-Blatt und ein wenig Maniok-Kleber verdeckt.<P>"Ich habe in Deutschland schon Zigarren-Liebhaber erlebt, die genau über die verschiedensten Sorten Bescheid wussten", erzählt Mila Menendez. Die gängigsten Sorten sind die "Robusto", eine starke und dicke Zigarre, die "Corona", eine mittelstarke Zigarre und die schlanke, leichte "Panetela".<P>Bisher werde die Zigarre hierzulande noch eher als Luxusgut gehandelt. "Doch das wandelt sich gerade. Mittlerweile rauchen auch viele junge Leute, die nicht so viel Geld haben, aus reinem Genuss. Wie bei uns zu Hause."<P>Genuss und Zeit seien die elementaren Dinge beim Zigarrenrauchen. Dann stelle sich sofort Entspannung ein und dieses gewisse Lebensgefühl. "Dann muss ich aufpassen, dass ich nicht alle Zigarren selber rauche", verrät Mila Menendez.<P>Obwohl er sein Land liebt, möchte Mila Menendez nicht mehr dauerhaft dort leben. "Vielleicht wieder einmal, wenn wir beide im Ruhestand sind", sagt das Ehepaar Baier-Mila Menendez.<P>

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