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Was Klangschalen alles bewirken können

Was Klangschalen alles bewirken können

Schongau - Wer sich unter dem in Deutschland als Pionier von Klangtherapie und Kunst des Didgeridoo geltenden David Lindner einen ätherisch-esoterischen Traumtänzer vorgestellt hatte, konnte sein Vorurteil getrost zu Hause lassen. Lindner, wie man in Oberbayern gerne sagt, ist nicht nur ein gestandenes Mannsbild, sondern ein bodenständiges, höchst lebensfrohes Exemplar der Gattung Homo sapiens.

Der Klangschalen-Meditationsabend mit David Lindner im Pfarrsaal von Verklärung Christi fand viel Zustimmung. Foto: herold

Der Klangschalen-Meditationsabend mit David Lindner im Pfarrsaal von Verklärung Christi fand viel Zustimmung. Foto: herold

Der gebürtige Westfale, der sich nach einer kurvenreichen Biographie zunächst eine farbenreiche Existenz als Maler aufgebaut hatte, entdeckte den Kosmos der Klangwelten, der sich in Klangschalen, Gongs, Didgeridoos und vielen anderen sphärisch anmutenden Instrumenten verbirgt, vor rund zwanzig Jahren. Heute ist er Verleger, Autor, Therapeut, Dozent, Poet, Maler, unermüdlicher Netzwerkknüpfer und stets offener Entdecker mit eigenem Seminarzentrum in der Pfalz. Und er ist sehr lustig. In der Kunst, über sich selber lachen zu können, ist er offensichtlich ebenfalls Meister, nimmt sich selber auf seiner „Klangreise“ sehr zurück. Schwingung, Poesie und Stille stehen im Zentrum der nun folgenden zwei Stunden. Fünf „Eine-Welt-Läden“ haben sich zusammengeschlossen und für die Organisation der ungewöhnlichen Veranstaltung gesorgt.

In der kurzen Einführung erfahren die zahlreichen Interessenten mit deutlich erhöhtem Frauenanteil, dass die Klänge bei der Stabilisierung des Biovitalfeldes des Menschen ganzheitlich Gutes tun. „Es gibt nichts zu sehen“. David Lindner skizziert kurz die zu erwartenden Spielweisen, „deshalb empfehle ich Ihnen, schließen Sie am besten die Augen.“ Schlicht und unprätentiös wünscht er „eine schöne Klangreise.“

Und dann ist er, instrumental behutsam unterstützt von seiner Frau Doris, die als Ärztin seine Arbeit begleitet, ganz in seinem Element. Wellenförmig und sehr sanft flutet der Klang der großen Schäle den Pfarrsaal. Je nach gebrauchtem Schlägel mit Filz oder Leder bezogen und differenzierter Anschlag- oder Streichtechnik verändern sich die Nuancen und Farben der sich mischenden Harmonien.

Auch Lindners Habitus löst Wohlbefinden aus. Er ist dabei nicht „heilig“, hütet keinen Gral, sondern hat eine freundliche, den Menschen stets zugewandte Konzentration, während er das glänzende Kleinod auf seiner flachen Hand zu einer Art tönenden Energiequelle verwandelt. Ähnlich wie beim Obertonsingen beatmet er die Schalen, haucht ihnen ein schillerndes Spektrum an Befindlichkeiten ein. „Manchmal vergesse ich zu denken, dann ist es plötzlich da, das Leben.“ Seine zwischen den Klangsequenzen gesprochenen eigenen Gedichte geben einer Poesie ohne Umweg ein zu Hause. Er spricht direkt aus, was ihm wichtig ist, die Suche, die Sehnsucht, die Liebe, der Frieden. Schnörkellos, mit heiterer Freundlichkeit ermutigt er seine Zuhörer, lädt ein zum besonderen Hinhören, Hineinhören: „Gebirgswasser gurgelt lustig über Flussbettsteine, es weiß genau, Kiesel lieben Gelächter.“ Wie eine Urwelle hebt der große Gong im Raum Ohren und Seele herauf. Das Publikum lauscht mit enormer Aufmerksamkeit. Da wirkt ein Huster auf einmal wie eine kleine Explosion.

Mit Oceandrum, Waterphone, Schwirrbogen, Flöte und Trommel, silbrig läutenden Wah-Wah-Tubes entfalten David und Doris Lindner eben kein Feuerwerk, sondern einen geschützten, wohlgefüllten Raum des tönenden Friedens, gestützt von ruhigen Momenten der Stille. „Die Liebe ist rund, denn sie kommt zurück zu Dir.“

Keiner der Zuhörer muss erst bis nach Tibet reisen, um schlichte Wahrheiten anzunehmen. Er ist sehr authentisch, gelassen, zuversichtlich, dieser Mann, der sich am Ende beim Publikum bedankt „für die Ehre, die Sie den Instrumenten und uns mit Ihrem Zuhören erwiesen haben“.

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