Pferdefleisch-Skandal

"Das bringt doch keiner übers Herz"

Alötenstadt/Epfach - Der Pferdefleischskandal ist derzeit in aller Munde. Besonders Pferdeliebhaber schüttelt es bei dem Gedanken, die geliebten Tiere zu essen. Auch im Schongauer Land.

Ein Pferd auf dem Teller? Das kommt für Manuela Maier nicht in Frage. Bei dem Gedanken verzieht die Reiterhofbesitzerin gleich das Gesicht. 35 Pferde, davon eigene Tiere und Pensionspferde, leben in ihren Stallungen bei Epfach. Allein die Vorstellung, aus Versehen Fleisch von Pferden gegessen zu haben, ekelt Maier. Dass die eleganten Vierbeiner überhaupt unter das Messer eines Schlachters kommen - für Maier ein Unding.

„Sicher wird auch ein Pferd alt und krank. Irgendwann hilft die beste Behandlung nichts mehr. Der Weg ins Schlachthaus ist aber der falsche“, findet Maier. Einem Pferd, zu dem man eine enge Beziehung pflege, könne man so etwas nicht antun. „Pferde sind sehr sensible Tiere. Sie riechen das Blut bereits auf dem Parkplatz eines Schlachthofs und kriegen große Panik. Sie spüren den Tod“, erzählt die Fachfrau.

Todkranke Pferde werden bei ihr eingeschläfert. „Schön ist das sicher auch nicht. Das Tier kann aber wenigstens in der gewohnten Umgebung sterben“, sagt Maier. Ein Reiter sei seinem Pferd einen halbwegs angenehmen Tod einfach schuldig. Das predigt sie auch auf ihrem Reiterhof. Einmal wurde ein Pensionspferd wegen ihrer Überzeugungsarbeit letztendlich nicht zum Schlachthof gefahren, sondern eingeschläfert.

Vor gut fünf Jahren war sie sogar Teil einer großen Pony-Rettungsaktion. Eine Tierschutzorganisation hatte einen Lastwagen, der von Holland nach Italien unterwegs war, in Nürnberg gestoppt. 108 Ponys, die zum Schlachten unterwegs waren, befanden sich darin. Quietschfidel tollen nun neun der Ponys auf Maiers Weide herum.

„Vielleicht kommen durch die umfangreichen Nachforschungen, die durch den Pferdefleischskandal jetzt angestellt werden, einige Missstände in Sachen Pferdetransport und nicht artgerechte Tierhaltung ans Licht“, hofft Maier. Das Pferdefleisch stamme hauptsächlich aus Frankreich, Italien und Osteuropa, glaubt sie. Bei uns jedenfalls komme allerhöchstens eines von zehn Pferden zum Schlachter. In den Nachbarländern pflege man allerdings eine andere Beziehung zu Pferden. Und vor allem eine andere Esskultur, sagt Maier.

Bei dem Gedanken, Pferdefleisch essen zu müssen, dreht es Juliane Nuscheler den Magen um. Die Altenstädterin ist Dressurreiterin im Bayernkader und reitet mit ihrem Wallach Fascinate auf bundesweiter Ebene. Täglich pflegt die 19-Jährige engen Kontakt zu den Vierbeinern. Der Pferdefleischskandal ist auch für sie zum ekeln.

Vor einigen Jahren war in ihrem Stall ein Pferd schwer krank. „Trotz vieler Tierarztbesuche hat es keinen Sinn mehr gemacht“, erinnert sich die junge Frau. Der Schlachthof stand bei Nuschelers aber nicht zur Debatte. „Ich kenne keinen einzigen Pferdehalter, der sein Pferd zum Schlachter fährt. Das bringt doch niemand übers Herz“, so Nuscheler. Bei ihnen wurde ebenfalls eingeschläfert.

Rein finanziell lohnt sich der Weg zum Schlachthof allerdings schon. Zwischen 500 und 800 Euro, je nach Gewicht des Tieres, bekommt man dort bezahlt. Im Pass des Pferdes muss allerdings festgelegt sein, dass es sich um ein Schlachtpferd handelt. Außerdem darf das Tier nicht mit bestimmten Medikamenten behandelt worden sein.

Ein Tierarzt, der zum Einschläfern kommt, kostet dagegen etwa 150 Euro. Allerdings steht auch ein Abtransport in eine Verbrennungsanlage noch aus. „Ich finde, bei der Entscheidung geht es allein um den Respekt dem Tier gegenüber“, so Maier.

Das findet auch Laura Wolfrat, Jugendreferentin beim Reitverein Schongau. Auch sie ist schockiert über den Pferdefleischskandal. „Bei uns im Reitstall kommt es ebenfalls nicht vor, dass ein Pferd zum Schlachter gefahren wird.“ In ihrem Bekanntenkreis habe sie aber schon davon gehört, dass speziell Problem-Pferde, die schwer zu erziehen sind, geschlachtet wurden. Pferde, die eben keiner wolle, sagt Wolfrat.

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