Ein Trio will für die SPD in den Landtag

Weilheim-Schongau - Dass Dominic Scales (53) in den Landtag will, hatte er bereits angekündigt. Nun warfen auch Konstantin Papamichail (47) und Christian Lory (25) den Hut in den Ring.

Bei der Kandidatenaufstellung für die Landtagswahl 2008 stand Scales noch allein auf weiter Flur, da wollte ihm niemand die Nominierung als Direktkandidat streitig machen. „Die Erfolgsaussichten waren auch nicht gut, da hat sich niemand aufgedrängt“, sagt der Hohenpeißenberger. Das ist dieses Mal anders. Mit dem Zugpferd Christian Ude als Ministerpräsidents-Kandidaten träumen die Genossen 2013 vom Regierungswechsel in Bayern, zumindest aber sollte das Ergebnis besser ausfallen als zuletzt.

Deshalb wird es eine - eher untypische - Kampfabstimmung geben. „Ich finde das aber gut, wenn sich Leute dafür interessieren und uns voranbringen wollen“, sagt Scales. Die Kandidatur von Papamichail, der seit vergangenem Jahr Vorsitzender des Ortsverbands Altenstadt-Schwabniederhofen ist, war ihm seit längerem bekannt. Aber auch die Ambitionen von Lory, seinem Nachfolger als Kreisverbands-Vorsitzendem, kommen für ihn nicht mehr überraschend: „Schon kurz vor der Wahl hat er mir gesagt, dass er damit liebäugelt, aber sich noch nicht sicher ist.“ Das änderte sich einige Wochen später, damit war der Dreikampf perfekt. „Natürlich kann bis zur endgültigen Kür am 10. November theoretisch noch ein weiterer Kandidat auftauchen, aber mir ist nichts bekannt“, sagt Lory.

Damit ist der parteiinterne Wahlkampf ab sofort eröffnet. Das Besondere: Lory macht sein Versprechen wahr und hat drei Vorstellungsrunden angesetzt, bei denen sich nicht nur die SPD-Mitglieder, sondern alle Bürger über die drei Kandidaten informieren können. „Während die CSU im Hinterzimmer die Kandidaten sucht, setzen wir in der SPD auf Transparenz“, sagt Lory. „Wir gehen mit dieser Vorstellungsrunde einen historisch einmaligen Schritt.“ Die Termine stehen bereits fest: Am Montag, 15. Oktober, in Schongau, tags darauf in Peißenberg und am 17. Oktober in Penzberg. Im Norden des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, der auch zum Stimmkreis gehört, ist laut Lory nichts derartiges geplant.

Geplant ist, dass sich alle drei Kandidaten zunächst rund 20 Minuten vorstellen, danach ist das Publikum dran. Welche Resonanz es geben wird, ist für Lory schwer abzuschätzen. „Ich hoffe einfach, dass sich viele eine Meinung bilden werden.“

Natürlich ist jeder von sich überzeugt, dass er das Rennen machen wird. Lory führt für sich ins Feld, dass er im Landkreis geboren und als Kaminkehrermeister perfekt die Klientel der Partei vertritt. „Kürzlich war ich bei einer SPD-Veranstaltung in Murnau, und als die dort gehört haben, dass ein heimischer Handwerker für den Landtag kandidieren will, sind sie vor Freude fast umgefallen.“ Im Parlament sitze für die SPD leider überhaupt kein Handwerker mehr, diese Wählerschicht spiegelte sich dort gar nicht mehr wider. Kommunalpolitisch sei er bisher nicht groß in Erscheinung getreten, er habe eher innerparteilich gewirkt, gibt Lory zu. „Dafür habe ich einen großen Erfahrungsschatz aus meiner gewerkschaftlichen Arbeit“, etwa in der Tarifkommission.

Scales dagegen führt sein elfjähriges Wirken als Kreisvorsitzender und seine überregionale Bekanntheit an. „Ich hatte ein gutes Zweitstimmenergebnis bei der Wahl 2008, deutlich besser als zuletzt Inge Hecht.“ Den Einzug in den Landtag habe er nur haarscharf verpasst, und nur mit Stimmen aus anderen Teilen Oberbayerns könne man gewählt werden, ist sich Scales sicher. „Die aus dem Stimmkreis allein reichen nicht aus.“

Als Außenseiter tritt Papamichail an. Er war bei der Wahl zum Kreisvorsitzenden sowohl gegen Lory als Vorsitzender als auch gegen Scales als Vize angetreten und hatte beide Male verloren. Doch das ficht ihn nicht an: „Das ist eine ganz andere Ebene, da sehe ich keinen Zusammenhang.“ Er sei seit seiner Jugend gewerkschaftlich organisiert und habe schon lange politische Ambitionen gehabt. Bei einem Berlin-Besuch vergangenes Jahr in Berlin, wo er unter anderem Parteichef Sigmar Gabriel getroffen habe, sei das Ziel ausgegeben worden, mehr Migranten in Mandate zu bringen. Das gab dem gebürtigen Griechen den letzten Ansporn, es einmal zu probieren, „ohne mich jetzt in die Migranten-Ecke schieben zu lassen“.

Boris Forstner

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