Kinder terrorisieren Erzieher und Nachbarn: Heim geschlossen

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    • 27.02.13
    • Lechrain
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19 Polizeieinsätze innerhalb eines Monats

Kinder terrorisieren Erzieher: Heim geschlossen

Lechrain - Telefonterror, Brandstiftung, Gewalt: Wie die Jugendlichen in einem Heim im südlichen Landkreis Landsberg gewütet haben, liest sich wie ein Reality-Format im Nachmittagsfernsehen.

Die Regierung von Oberbayern reagierte äußerst schnell auf die Vorfälle in einer Jugendhilfeeinrichtung im Zuständigkeitsbereich der PI Landsberg: Sie untersagte den verantwortlichen Geschäftsführern einer privaten GmbH den weiteren Betrieb.

Der pädagogische Leiter sowie dessen Personal schienen laut Polizeimeldung mit der Betreuung der schwer erziehbaren Kinder und Jugendlichen "restlos überfordert". Dies wurde in Gesprächen gegenüber der Jugendsachbearbeiterin der Polizeiinspektion Landsberg, Polizeiobermeisterin Melanie Müller, von dort mehrfach bestätigt.

Doch was war passiert? Im Zeitraum von Ende Dezember 2012 bis Mitte Januar 2013 kam es zu einer Vielzahl an polizeilichen Einsätzen in dem Einfamilienhaus. In der Wohngruppe waren unter anderem zwei Buben im Alter von 11 und 12 Jahren sowie ein Bursche (14) und ein Mädchen (17) sowie weitere Kinder im ständigen Wechsel untergebracht.

Die Kinder und Jugendlichen waren überwiegend von Jugendämtern der Bundesländer Hessen und Nordrhein-Westfalen an die private Jugendeinrichtung vermittelt worden. Ziel der Unterbringung sei eine dauerhafte Betreuung bis zur Mitte eines Ausbildungsberufes bzw. eine behutsame Rückführung in die Familien gewesen.

Doch davon waren die Bewohner weit entfernt: In den letzten Wochen wurden insgesamt 19 Straftaten aktenkundig. Die Beamten mussten die Wohngruppe zum Teil mehrfach an einem Tag aufsuchen. Neben Übergriffen zwischen den Kinder und Jugendlichen haben die Bewohner auch die Betreuer körperlich attackiert. Ein Betreuer wurde mehrfach bei eisigen Minusgraden bis zu einer Stunde ausgesperrt. Am Silvestertag wurde die Alarmierungskette der Feuerwehr ausgelöst, nachdem ein öffentlich zugänglicher Feueralarm grundlos betätigt wurde.

Zu einem kurzzeitigen Stromausfall kam es Mitte November, als die Kinder einen abgerissenen Duschschlauch über eine Freileitung im Straßenzug geworfen hatten. Dem Stromversorger entstand ein Seilschaden im Leitungswerk in Höhe von 300 Euro.

Der wohl schwerwiegendste Fall ereignete sich Mitte Dezember 2012, als zwei der Jungen einen Feldstadel angezündet hatten. Eine Spaziergängerin bemerkte zufällig die gerade hochschlagenden Flammen und brauchte 30 Minuten, um den Brandherd mit Schnee zu löschen. In den Stadel wurde zuvor bereits eingebrochen und Werkzeuge entwendet.

Ebenfalls Mitte Dezember brach der 13-jährige Junge einen Büroschrank auf, in dem sich verschreibungspflichtige Medikamente befanden. Nach Einnahme einer Überdosis musste er mit dem Rettungshubschrauber in die Kinderklinik Schwabing geflogen werden. Die Verantwortlichen nahmen den Vorfall nicht zum Anlass, die Medikamente entsprechend zu sichern - so dass Anfang Januar das 17-jährige Mädchen eine Überdosis einnahm und auf der Intensivstation des Klinikum Landsberg stationär behandelt werden musste.

In beiden Fällen bestand allerdings keine Lebensgefahr.

Während der Erstversorgung des 17-jährigen Mädchens durch Rettungskräfte und Beamte der Inspektion Landsberg drohte der 11-jährige Bub mit einem Messer alle abstechen zu wollen. Letztlich hielt er den Einsatzkräften eine Spielzeugpistole entgegen.

Mehrfach wurden Einrichtungsgegenstände in dem Anwesen der Wohngruppe beschädigt bzw. Mobiliar in Wutanfällen auf Nachbargrundstücken entsorgt. Bei einem angrenzenden Nachbarn wurde die Holzverkleidung von der Garagenwand gerissen und Fließen beschädigt. Eine weitere Nachbarin war mehrfach zum Teil über Stunden einem Telefonterror und verbalen Beleidigungen ausgesetzt.

Zudem räumte das Mädchen ein, des öfteren Betäubungsmittel in Form von Cannabis und Amphetaminen genommen zu haben.

Die Ermittlungen der Jugendsachbearbeiterin sind abgeschlossen. Neben der Regierung von Oberbayern wurden die Staatsanwaltschaft Augsburg sowie die betroffenen Jugendämter eingebunden. Massive Versäumnisse der Betreiber der privaten Einrichtung waren für die Schließung ausschlaggebend.

Rubriklistenbild: © dpa

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