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In der Mission "unnötiges Verkehrsschild" in Schongau unterwegs

In der Mission "unnötiges Verkehrsschild" in Schongau unterwegs

Schongau - Die Verkehrsschilder-Flut in der Schongauer Altstadt regt Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer (CSU) auf, auch weil sie oft Fotomotive verschandeln. Jetzt gab es einen Ortstermin.

Am Dienstag trafen sich Stadträte mit Vertretern der Schongauer Verwaltung und der Polizei zu einer Begehung der Altstadt. Dick eingemummelt stehen sie da, die Stadträte, fast alle mit Mützen und Handschuhen gegen den kalten Wind, der bei minus sechs Grad durch die Altstadt pfeift. „Hätten wir das nicht im Frühjahr machen können?“, meint ein Stadtrat und reibt sich die Hände warm. „Der Antrag ist nicht von mir“, rechtfertigt sich Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD). „Aber den Termin haben Sie festgelegt“, schallt es ihm entgegen. Was hilft’s, die Karawane setzt sich in Bewegung. „Ich will gleich zu Beginn betonen, dass jedes Schild von uns nur in Zusammenarbeit mit der Polizei aufgestellt wird“, stellt Gerbl klar. Schmidbauer dagegen hat seine eigene Meinung: „Manchmal wird man den Gedanken nicht los, dass beim Aufstellen nicht genau überlegt wird. Manche Schilder sind einfach unsinnig und überflüssig.“ Das wiederum konnte sich Gerbl nicht vorstellen: „Wir hängen doch keine überflüssigen Schilder auf“, schimpfte er - wurde aber im Laufe des Nachmittags eines Besseren belehrt.

Doch der Reihe nach. Gleich der erste Halt wenige Meter vom Rathaus entfernt an der Weinstraße machte stutzig: Warum ist in dem kurzen, engen Bereich noch zwischen absolutem und beschränktem Halteverbot unterteilt? Das Resultat, auch bestätigt vom Verkehrsexperten der Schongauer Polizei Udo Mewes: Der Pfosten kann weg, der Papierkorb wird verlegt.

Doch nicht immer ist es so einfach. Gleich nebenan in der Christophstraße zählte Schmidbauer gleich neun Schilder an eine einzelnen Pfosten, „das schaut aus wie ein Weihnachtsbaum“. Doch Mewes musste ihn nach genauer Betrachtung enttäuschen: Eigentlich müsste da sogar noch eines hin. Zwischendurch fing Schmidbauer sogar mit Mewes das Streiten über ein Einbahnstraßenzeichen an: „Das Schild brauchen wir nicht.“ Mewes: „Doch.“ Schmidbauer: „Nein, das kann ich Ihnen sogar schriftlich geben.“

Knifflig war die Situation am Frauentor, wo ein großes Durchfahrt-Verboten-Schild prangt, dazu ein Hinweis, dass Radfahrer schieben müssen. „Da muss man schon ein Vollidiot sein, wenn man da runterfährt“, entfuhr es Stadtbaumeister Ulrich Knecht auch angesichts der großen Kette, die davor hängt. Ist das Verbotsschild also verzichtbar? Wegen allgemeiner Verunsicherung wurde das zurückgestellt.

Mewes selbst beteiligte sich ebenfalls rege an der Suche und entdeckte ein unnötiges Parkverbotsschild. Auf der Südseite des Ballenhauses könnten möglicherweise gleich zwei Halteverbotsschilder weichen, wenn die großen Blumentröge strategisch günstig platziert werden, und wenn die Karmeliterstraße wie die Christophstraße komplett zur Parkraumzone wird, wären gleich mehrere Halteverbotsschilder verzichtbar. Sogar der frisch aufgestellte Schilderwald vor dem Heiliggeist-Heim könnte wieder gelichtet werden, wenn auch an den restlichen zwei von insgesamt fünf Parkplätzen nicht mehr höchstens zwei Stunden, sondern nur noch 30 Minuten geparkt werden darf.

Als die Schilder-Exkursion nach mehr als einer Stunde vorzeitig abgebrochen wurde, hatte der anfangs etwas belächelte Schmidbauer tatsächlich die von ihm gewünschten „Denkanstöße“ geliefert. Der zuständige Referent Martin Keßler sicherte auch zu, künftig stets die kleinere Variante von Verkehrszeichen zu nutzen - es gibt tatsächlich unterschiedliche Größen.

Und bei der letzten Station in der Amtsgerichtsstraße kurz vor dem Friedhof mussten dann fast alle durchgefrorenen Teilnehmer kräftig schmunzeln: Da zeigte ein Einbahnstraßenschild in die eine und das Parkplatz-Schild direkt daneben in die entgegengesetzte Richtung. „Da komme ich nicht mehr mit“, sagte Schmidbauer.

Boris Forstner

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