Kälbchen-Serie: Jetzt soll Resi Mama werden

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL2xva2FsZXMvc2Nob25nYXUvcGVpdGluZy9rYWVsYmNoZW4tc2VyaWUtamV0enQtc29sbC1yZXNpLW1hbWEtd2VyZGVuLTI3NzEzMDguaHRtbA==2771308Kälbchen-Serie: Jetzt soll Resi Mama werden0true
    • 26.02.13
    • Peiting
    • Drucken
Kalb wird besamt

Kälbchen-Serie: Jetzt soll Resi Mama werden

    • recommendbutton_count100
    • 1

Peiting - Für Kalb Resi, das wir in einer Serie begleiten, hat der Ernst des Lebens begonnen: Sie wurde auf dem Hof in Peiting-Höfle vom Tierarzt besamt. Wenn es geklappt hat, wird Resi noch in diesem Jahr zur Kuh.

Schwanz zur Seite und rein damit: Tierarzt Wolfgang Zöller bei der Besamung von Resi. Landwirt Alois Häuserer hilft.

Er könnte jetzt stundenlang den Katalog der Besamungsstation Greifenberg wälzen, sich einen ganz besonderen Stier heraussuchen, der gute Melkbarkeit vererbt oder viel Milchmenge verspricht. Doch dafür hat Alois Häuserer gerade überhaupt keine Zeit. Der 53-Jährige ist beim Melken, außerdem sind in elf Tagen elf Kälber zur Welt gekommen, die versorgt werden wollen. Deshalb brüllt er Tierarzt Werner Zöller nur kurz im Stall zu: „Ich brauche einen Stier für eine einfache Geburt.“

© Hans-Helmut HeroldGekühlt in flüssigem Stickstoff hat der Tierarzt immer hunderte Spermaproben dabei.

Mehr Informationen braucht Zöller nicht, für ihn ist das völlige Routine. Allein auf den Häuserer-Hof, der mit seinen rund 45 Milchkühen wirklich nicht riesig ist, taucht Zöller nur zum Besamen 150 bis 180 Mal pro Jahr auf. Es gibt neben den Tierärzten noch spezielle Besamungstechniker, die in die Ställe kommen, mit einer kleinen Zusatzausbildung könnte der Landwirt auch selbst tätig werden.

Doch das will Häuserer nicht. Da lässt er lieber noch einen Stier ran. Derzeit hat er sogar einen im Stall, ausnahmsweise. Denn eigentlich hat er gar keinen Platz für einen Stier. Doch ein vor einiger Zeit bei ihm geborenes männliches Kalb, dessen Mutter genetisch hornlos ist, hat er kurzerhand behalten und nicht zum Mäster gegeben. „Wenn die Stiere größer werden, sind sie aggressiver, auch gegen meine Frau“, erklärt Häuserer, warum er sonst nicht auf einen eigenen Stier setzt. Der jetzige Jungspund darf sich in Resis Nachbarbox austoben – da sind auch Rinder drin, die erstmals trächtig werden sollen. „Wenn die künstliche Befruchtung nicht klappt, kann er den Rest erledigen“, sagt der Landwirt und lacht.

Dass die Befruchtung nicht klappt, ist nämlich gar nicht so selten. 60 bis 70 Prozent beträgt die Erfolgsquote, sagt Fachmann Zöller – das erklärt auch die häufigen Besuche. Schließlich muss die Kuh oder das Rind auch empfängnisbereit sein, „rindrig“, wie Häuserer sagt. Die Anzeichen sind deutlich: „Wenn sie bei einem anderen Tier aufbockt, ist das ein sicheres Anzeichen, dass etwas im Busch ist.“ Und wenn andere bei ihr aufspringen und sie dabei ruhig bleibt, sei der Fall klar. So war das auch bei Resi, die mit ihren knapp eineinhalb Jahren laut Häuserer im normalen Alter für die erste Belegung ist.

Während der Landwirt weiter im Stall werkelt, öffnet Zöller seine Samenbank: ein kleiner Behälter auf der Rückbank seines Autos, gefüllt mit unzähligen Proben von Bullensperma, gekühlt bei 196 Grad kaltem flüssigen Stickstoff. Zöller ist quasi eine Außenstelle der Besamungsstation Greifenberg. Alle zwei Wochen kommt Nachschub, dann treffen sich die Abnehmer wie Zöller am Montagfrüh auf dem Schongauer Aldi-Parkplatz und füllen ihre Vorräte auf. Und das sind einige: Samen von geschätzt 100 Stieren hat Zöller immer dabei, mit allen möglichen Rassen und genetischen Sperenzchen.

Hier finden Sie alle Teile der Kälbchen-Serie!

Für Resi allerdings ist die Auswahl überschaubar. Ein Braunvieh-Stier soll es sein, dann wie gefordert soll er als Vererbungsmerkmal eine leichte Geburt haben, was für Erstgebärende wie das Kalb wichtig ist – das schränkt die Auswahl ein. Und natürlich die Inzucht nicht zu vergessen: Resis Vater war Juleng, ebenfalls ein Stier aus Greifenberg. Deshalb scheidet Jusuf aus, obwohl er für Zöller eigentlich erste Wahl gewesen wäre. Die Anfangsbuchstaben gegen immer die Vererbungslinien weiter.

Schließlich zieht der Tierarzt eine winzige Probe von Stier Patriot aus seiner Stickstoff-Box. Den hält er für passend. Im Stall zieht er sich erst einmal akkurat den langen Plastikhandschuh über den linken Arm – er muss schließlich bis zum Anschlag in Resis Hinterteil greifen. Danach zieht er die lange, dünne Spritze auf, reibt den Inhalt warm – und dann muss es schnell gehen. „Das Sperma darf nicht mehr abkühlen“, erklärt er, während er zu Resi eilt. Bauer Häuserer hat das Kalb schon in der Futterluke fixiert und hält ihren Schwanz zur Seite, während Zöller den Darm freiräumt. Dann ertastet er die Gebärmutter, mit der rechten Hand kommt die Spritze – fertig. Resi ist ganz ruhig geblieben, Häuserer ist zufrieden: „Sie hat einen Buckel gemacht, das ist ein gutes Zeichen“, glaubt er. „Und wenn es bis zum Frühjahr nicht klappen sollte, kommt sie eben auf der Weide in den Genuss des Stiers.“ Dann ganz natürlich.

Boris Forstner

zurück zur Übersicht: Peiting

Kommentare

Kommentar verfassen

Wetter für Schongau

Bilder aus der Region

Unfall auf der B17: Motorrad schleudert in Gegenverkehr

weitere Fotostrecken:

Besonders beliebt

  • Meistkommentierte Artikel
  • Meistgelesene
  • Themen

"In sechs Jahren? Da schau ma mal"

Schongau - Knapp zwei Wochen sind nach dem Wahlkrimi in Schongau vergangen, nur mit 32 Stimmen hat der unabhängige Kandidat Tobias Kalbitzer den Bürgermeisterposten gegen Falk Sluyterman (SPD) verpasst. Wir sprachen mit Kalbitzer über den Tag danach, den Rückblick auf verrückte Wochen und die Vorfreude auf den Stadtrat.Mehr...

Die schönsten Hochzeitsfotos aus der Region

Zahlreiche Paare aus der Region haben sich in den vergangenen Monaten das Ja-Wort gegeben. Von romantisch bis kreativ: Wir zeigen die schönsten Hochzeitsfotos.mehr...

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.