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Das traditionelle Braunvieh , wie hier Kalb Resi, dominiert im Schongauer Land.

Serie

Kalb-Serie: Farbtupfen im Kuhstall

Peiting – Rund 45 Milchkühe hat Alois Häuserer im Stall in Peiting-Kreut, noch einmal ebensoviel Jungvieh wie das Kalb Resi, das wir in einer Serie begleiten – und alle schauen sie mehr oder weniger gleich aus. Braunvieh eben. Doch einige Exoten stechen heraus.

Gemütlich grasen die zehn Rinder auf der Wiese nahe des Häuserer-Hofs. Manche sind etwas heller, andere etwas dunkler – ganz normale Braunvieh-Rinder. Doch zwischendrin fällt ein kräftiger rotbrauner Farbtupfer auf. „Das ist ein Murnau-Werdenfelser“, klärt Häuserer auf. Wie auf Bestellung kommt das schöne Tier angelaufen und präsentiert sich von seiner besten Seite. Häuserer muss lachen. „Die wollte meine Frau unbedingt haben. Aber die Rasse ist wirklich nur etwas für Liebhaber“, sagt er.

Lesen Sie hier alle Teile der Kälbchen-Serie

Deutlicher Farbtupfer: Auf der Weide steht bei Häuserers ein Murnau-Werdenfelser Rind.

Die vorherrschende Rasse im Schongauer Land ist das Braunvieh, das vor allem im Allgäu beheimatet ist, dessen Verbreitungsgebiet aber laut Häuserer bis nach Münsing an den Starnberger See reicht. Es ist eine klassische Zweinutzungsrasse, das heißt, die Milchleistung ist in Ordnung und der Masterfolg auch. Anders die Rasse Schwarz-Bunt, die vor allem im Norden vorkommt und auch rund um Peiting öfter zu sehen ist: Diese schwarz-weißen Tiere geben im Schnitt bis zu 8400 Kilo Milch pro Jahr und damit über 1000 Kilo mehr als Braunvieh-Kühe. Allerdings mit einem relativ geringen Eiweiß- und Milchfettanteil. Und es wächst nichts ran – für die Mast sind die Tiere völlig ungeeignet und bringen kaum Geld ein.

Das ebenfalls beliebte Fleckvieh, das in weiten Teilen Bayerns dominiert, galt früher immer als besser in der Mast – die Tiere bringen ausgewachsen laut Häuserer gut 100 Kilo mehr als Braunvieh auf die Waage – und schwächer bei der Milchleistung. „Es hieß immer, die sind zäh zu melken. Aber die haben aufgeholt, die Milchleistung ist mittlerweile einigermaßen gleich“, weiß der Landwirt. Die Züchtung wirkt da Wunder. Da Mastkälber beim Fleckvieh durchaus den doppelten Ertrag bringen als beim Braunvieh, kennt Häuserer einige Landwirte, die ihren Betrieb von Braun- auf Fleckvieh umgestellt haben. „Da muss man nur Kälber dazukaufen und reinrassig weitervermehren, dann geht das.“

Letztes Überbleibsel: Diese Fleckvieh-Kuh ist von einst drei gekauften Kälber noch da.

Für Häuserer ist das aber nichts. Er zieht das relativ ruhige und gemütliche Braunvieh dem oft als scheu, nervös und sensibel geltenden Fleckvieh vor. Und manchmal ist eben noch Platz für Exoten wie das Murnau-Werdenfelser. „Die sind in der Entwicklung einfach stehengeblieben“, sagt Häuserer in Anspielung auf die höchstens 4500 Kilo Milch, die ein Tier dieser Rasse jährlich gibt. Für den Arterhalt sei es wichtig, die vom Aussterben bedrohte Rasse, die leichter und deshalb besonders auf die moorigen Böden im Murnauer Land eingestellt sind, zu erhalten. Aber Gewinn macht er damit kaum.

Schon eher mit der einen Fleckvieh-Kuh, die er noch im Stall hat. „Wir hatten mal eine Lücke im Nachwuchs und haben damals drei Fleckvieh-Kälber gekauft“, erklärt Häuserer. Die haben aber allesamt Stierkälber bekommen, so dass diese Episode fast beendet ist – das eine Tier ist der letzte Nachkomme.

Exot: Mit dem weißen Streifen am Rücken ist diese Blümli-Kuh ein Blickfang.

Grundsätzlich werden die Spitzenkühe in Häuserers Stall immer reinrassig vermehrt. Bei anderen dagegen „macht man schon einmal Spielereien“, sagt der Landwirt und lächelt. Da wird ein Braunvieh schon einmal mit einem weiß-blauen Belgier besamt, einer reinen Fleischrasse. „Da bekomme ich für ein weibliches Nachkommen immer noch genausoviel Geld wie für ein männliches Braunvieh-Kalb.“ Grundsätzlich rechnet er aber nicht alles auf den letzten Cent aus, was ihm mehr Gewinn bringen würde. „Manche zum Beispiel besamen Braunvieh immer mit Fleckvieh, das schaut wirklich greislig aus.“

Häuserer dagegen hat im Stall noch einen echten Blickfang: Schaut aus wie eine Mischung aus Braun- und Fleckvieh, aber mit einem markanten weißen Streifen am Rücken. „Die sticht raus“, gibt Häuserer zu. Und auch diese Kuh wollte seine Frau haben. Aber eigentlich etwas anders, nämlich mit einem weißen Gurt rund um den Bauch. Doch laut dem Schongauer Tierarzt Bernhard Zimmermann gab es keinen Samen für diese seltene Kuhrasse, weshalb er eine Blümli-Kuh einkreuzte, ein Schweizer Braunvieh. Schaut trotzdem gut aus.

Boris Forstner

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