Wachen am alten Schelle-Haus?

Peiting - Ein Lagerfeuer flackert in einem verlassenen Gebäude. Diese Szene würde man in Großstädten vermuten. Passiert ist das am Samstagabend aber im Markt Peiting - mit fatalen Folgen.

Ein leerstehendes Haus, notdürftig aufgestellte Bauzäune und ganz viel Neugier: Das hat einige Jugendliche wohl zum Unfug angestiftet. Sie haben sich im Haus der alten Bäckerei Schelle in der Bachstraße am Samstagabend aufwärmen wollen.

Schon zuvor haben Nachbarn immer wieder Eindringlinge beobachtet, die herumgeschlichen sind. Das blieb auch Eigentümer Thomas Meusel von der gleichnamigen Wohnbau GmbH nicht verborgen: „Wir haben schon im vergangenen Jahr Leute gesehen, die im Haus ein Lagerfeuer gemacht haben.“ Erwischt worden seien die Übeltäter damals aber nicht.

Trotzdem wollte Meusel das Gebäude vor weiteren Einbrüchen schützen. Denn das Peitinger Traditionshaus befindet sich im Umbau. Beauftragt ist ein Altenstadter Unternehmen, das daraufhin Bauzäune aufgestellt und die Türen vernagelt hat. „Wir haben gedacht, so die Hemmschwelle der Jugendlichen zu erhöhen“, sagt Meusel. Schließlich müssten sie über den Zaun klettern und regelrecht einbrechen, um in das Haus zu gelangen. Zur Sicherheit wurde sogar ein Feuerlöscher platziert - der offenbar benutzt wurde, denn die Feuerwehr fand ihn völlig leer neben Müllresten an der Brandstelle.

Doch es half alles nichts, diesmal ging das Abenteuer schief. Denn am Samstag hat es gegen 21.20 Uhr gebrannt, die Feuerwehr war mit 35 Mann ausgerückt. Wie berichtet, geht der Peitinger Kommandant Rudolf Schropp davon aus, dass das Feuer schon Stunden zuvor entzündet worden war und dann langsam vor sich hinschwelte. Dabei blieb es nicht, denn irgendwann müssen die Flammen hochgeschnellt sein. Die Balken der Holzdecke waren völlig verschmort. „Sowas ist mir noch nie untergekommen“, ärgert sich Schropp. Nicht nur, dass die Unbekannten womöglich das Haus komplett hätten abfackeln können, auch bilden sich in geschlossenen Räumen schnell giftige Gase.

Völlig fassungslos ist Eigentümer Thomas Meusel. In 20 Jahren im Wohnbau-Geschäft sei ihm derartiges noch nicht untergekommen. Zwar werkeln momentan wegen der Witterung keine Arbeiter am Haus, dennoch sei allein am Bauschild zu erkennen, dass dort etwas entstehen soll. „Ich frage mich, ob die Unbekannten auch noch einbrechen, wenn die Böden verlegt sind“, sinniert er.

Eigentlich sollen laut Meusel die Sanierungsmaßnahmen heuer abgeschlossen werden, damit das Gebäude im Januar bezugsfertig ist. Dann sollen ein Café, ein Laden, ein Zahnarzt und Mieter in zwei Wohnungen einziehen. Die Verträge sind bereits fertig. Der Vorfall vom Samstag könnte die Bauarbeiten im Zeitplan aber zurückwerfen. Auf 7000 bis 10 000 Euro schätzt die Feuerwehr den Schaden.

Kein Weltuntergang, wie Thomas Meusel findet. Schließlich hätte das Haus auch komplett niederbrennen können. Dennoch fürchtet er weiterhin um das Projekt. Er spielt sogar mit dem Gedanken, Wachen zu postieren. „Doch das kostet wahrscheinlich zuviel.“ Bleibt nur, an den Menschenverstand der Unbekannten zu appellieren, damit sie solch einen Unfug künftig bleiben lassen.

Sabine Krolitzki

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