Schongau - Manche Einsätz, oft nachts, können für Notärzte und Sanitäter unvermittelt auch gefährlich werden. Deswegen trainieren sie in Schongau "Krav Maga", eine Form von Selbstverteidigung,

Selbstverteidigung für Mitarbeiter im Rettungsdienst demonstriert hier im Wasser Notarzt Dr. Rupert Schmidt. Foto: herold
Beim ersten Hinsehen entsteht der Eindruck, als ob übermütige junge Männer ausgelassene Wasserspielchen treiben. Doch das ändert sich schnell. Die Gruppe trainiert knallhart die Verteidigung gegen Angriffe im und unter Wasser.
Es ist früh am Morgen, als im Lehrbecken des „Plantsch“ eine Gruppe von Kampfsportlern trainiert. Es sind überwiegend Männer des Rettungsdienstes, die am ersten Schongauer „Krav Maga-Wintercamp“ teilnehmen. Um genau zu sein: Eine Frau hat sich unter die Männer gewagt. Katrin Pfanner, selbst im Rettungsdienst tätig, nutzt die Gelegenheit, von den beiden Organisatoren des Wintercamps geschult zu werden.
Und diese sind keine Unbekannten mehr, haben sie doch aufhorchen lassen, als sie die Gruppe der „Fighting Doctors Schongau“ gegründet haben: Die Notärzte Dr. Rupert Schmidt und Dr. Jiri Faltis trainieren und praktizieren „Krav Maga“. Dies ist ein Überbegriff für die Nahkampfsysteme der israelischen Streitkräfte, wobei das Selbstverteidigungssystem im Sinne von Nahkampf verwendet wird. Wie die beiden Ärzte erklären, ist „Krav Maga“ kein Sport, bei dem es auch Wettkämpfe gibt, sondern dient rein der Selbstverteidigung.
Ein weiterer Programmpunkt war das Szenarientraining auf beengtem Raum - zum Beispiel in einer schmalen Unterführung. Und die beiden Ärzte setzten in ihren Forderungen noch eins drauf: Das Ganze fand in der Dunkelheit statt. Also Situationen, mit denen die Rettungsdienste bei ihrer täglichen Arbeit konfrontiert werden. „Da hast du schon manchmal ein mulmiges Gefühl, wenn du als erster an einem Einsatzort bist, der weg ist von jeglicher Zivisilation“, berichtet Dr. Rupert Schmidt. Deshalb vermittelt „Krav Maga“ ein gewisses Selbstvertrauen, wenn der Arzt am Einsatzort eintrifft.
Und dieser Einsatzort kann auch ein See oder ein Gewässer sein, wo im Vorfeld „richtig“ gefeiert wurde. „Wenn dann bei der Behandlung eines betrunkenen Verletzten dieser plötzlich durchdreht, oder Freunde des Opfers - nicht selten unter Drogen - das Spinnen anfangen, ist es fast wie eine Lebensversicherung, wenn die Handgriffe der Selbstverteidigung wie selbstverständlich kommen“, erzählt Dr. Jiri Faltis.
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