Schwarz auf weiß hat Walter Schindler seine überragenden Leistungen im Abitur und der gesamten Oberstufe bestätigt bekommen. foto: bo

Wahnsinns-Abi: Dieser Schongauer schrieb Geschichte

Schongau - Dass Walter Schindler das beste Abitur in der Geschichte des Schongauer Gymnasiums hingelegt hat, hat der 18-jährige Schwabsoiener aus den Schongauer Nachrichten erfahren.

Es war Samstagfrüh, als ihm seine Mutter nach dem Aufstehen als erstes die Zeitung präsentierte. „Sensations-Abitur“ prangte dort im Titel auf der ersten Lokalseite, und Schindler wusste recht schnell: „Das könnte ich sein.“ Das dachten auch seine Mitschüler: Als Schindler am Montag darauf in die Schule kam, um im Sekretariat seine Noten zu erfahren, hat er schon vorher einen Gratulations-Reigen überstehen müssen. „Die haben alle gesagt, dass kann nur ich sein“, sagt der zurückhaltende junge Mann, der jünger ausschaut als 18.

Dann hielt er seine Notenübersicht in der Hand: Mathe: 15 Punkte, Latein: 15 Punkte, Physik: 15 Punkte, Wirtschaft/Recht: 15 Punkte. Und Deutsch - „nur“ 12 Punkte. „Da habe ich mich bei einer Zusatzaufgabe zum Thema Entfremdung zu wenig auf die Personen konzentriert, außerdem hat mir die Leichtigkeit im Ausdruck gefehlt“, sagt Schindler.

Es folgte eine etwas merkwürdige Situation: Der Oberstufenkoordinator hatte ihm nämlich nach Rücksprache mit dem Schulleiter geraten, in die Nachprüfung zu gehen. „Das haben die bestimmt noch nie bei einem 1,0-Schüler gemacht“, sagt Schindler und schmunzelt. Es war nämlich unklar, ob die 12 Punkte reichen, um sich fürs Hochbegabtenförderung der Stiftung Maximilianeum zu bewerben (siehe Kasten). Deshalb machte Schindler gestern noch die mündliche Nachprüfung in Deutsch. 20 Minuten über Maria Stuart von Schiller, perfektes Ergebnis - damit werden im endgültigen Abiturzeugnis in Deutsch 13 Punkte stehen, also auch ein Einser. So wie in allen anderen Fächern im Verlauf der zweijährigen Oberstufe, in denen er überragende 587 von 600 möglichen Punkten sammelte. Mit Abiturprüfungen sind es jetzt 879 von 900.

Schindler war kein Spätzünder, er war eigentlich schon immer der Klassenbeste. „Nur in der 6. Klasse hatte ich mal Probleme beim Bruchrechnen“, erinnert er sich und lacht. „Zum Glück kam irgendwann der Taschenrechner.“ Natürlich ist da bei Klassenkameraden schon mal das Wort Streber gefallen, doch damit kommt der Schwabsoiener klar. „Das ist halt so“, sagt er achselzuckend. „Man ist auch kein anderer Mensch, nur weil man besser ist als andere.“ Groß anstrengen musste er sich nie, vor den Prüfungen hat er nur ein bisserl mehr getan als sonst. Auch wenn er betont: „Man kommt nicht ohne Aufwand durch.“

Nur Sport war nicht so sein Fall. Wobei er in einer Disziplin durchaus erfolgreich ist: beim Schießen. Vergangenes Jahr war er sogar Schwabsoiener Jungschützenkönig. Ansonsten spielt das Nesthäkchen - er hat noch zwei Halbbrüder, die über 35 Jahre alt sind - gerne Keyboard. Dass er eher der Einzelgänger-Typ ist, würde Schindler nicht unbedingt bestreiten.

In seinem penibel aufgeräumten Kinderzimmer erinnern nur noch Latein-Konjugationstabellen („die hängen da seit der 6. Klasse“) an die Schulzeit, den Rest hat er schon weggeräumt. Für die Maximilianeum-Aufnahmeprüfung braucht er anderes Wissen als im Abitur. „Dass ich da reinkomme, wäre wie ein Sechser im Lotto“, sagt er bescheiden. Überhaupt hat er sich über die Zukunft noch nicht so viele Gedanken gemacht. Jura will Schindler vielleicht studieren, eventuell eine Kombination Mathe/Volkswirtschaft. Oder doch Ingenieurwesen? „Ich weiß es einfach noch nicht“, gesteht er. Hat ja auch noch etwas Zeit. Nächste Woche bekommt er erst einmal sein Abiturzeugnis. Und vorher kann er nach erfolgreicher Nachprüfung auch endlich in Ruhe feiern. Das hat der beste Abiturient in Schongaus Geschichte nämlich noch gar nicht gemacht.

Boris Forstner

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen