Abwarten und Däumchen drehen: Bei einem Kaminbrand in der Schönlinderstraße in Schongau konnten Feuerwehler und Kaminkehrer nur zusehen. foto: Herold
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Abwarten und Däumchen drehen: Bei einem Kaminbrand in der Schönlinderstraße in Schongau konnten Feuerwehler und Kaminkehrer nur zusehen.

Feuerwehr kann nur zuschauen

Kaminbrand in Schongau

Schongau - Ein Kaminbrand kann richtig gefährlich werden. Denn die Feuerwehr kann dabei nur tatenlos zuschauen - wie am Donnerstagabend in Schongau.

Es ist eine richtig verzwickte Sache. Gefährlich sowieso. Und auch die Feuerwehler können nur zusehen. Ein Kaminbrand. Viel Erfahrung und jede Menge Geduld ist hier gefragt. Dass mussten am Donnerstagabend einmal mehr Schongaus Feuerwehrkommandant Michael Benkert und seine Kameraden feststellen.

Gegen 18.30 Uhr ging der Piepser. In einem Einfamilienhaus in der Schönlinder Straße fanden die rund 25 ausgerückten Feuerwehler einen stark brennenden Kamin vor. Mitten auf dem dick vom Schnee bedeckten Hausdach loderten große Flammen aus dem Schornstein.

„Viel kann man bei einem Kaminbrand nicht unternehmen“, sagt Benkert. Zuschauen und das Beste hoffen ist die Devise. Das weiß auch Kreisbrandinspektor Ludwig Fernsemmer: „Einen Kaminbrand zu löschen ist unmöglich. Würde man Wasser oben in den Kamin schütten, würde es eine Dampfexplosion geben. Den Kamin würde es komplett zerreißen. Man muss den Kamin kontrolliert ausbrennen lassen.“

Die große Gefahr: Sollte der Kaminschacht bereits vorher leichte Risse gehabt haben, könnten sie durch die hohen Temperaturen des Brandes größer werden. Auch der Wohnbereich könnte dadurch Feuer fangen. Als Unterstützung wurde ein zusätzlicher Fachmann hinzugezogen: Bezirkskaminkehrermeister Bernhard Haselbauer aus Steingaden. Seine Schongauer Kollegen waren nicht erreichbar. „Kleine Risse in der Kaminwand habe ich schon festgestellt“, sagt Haselbauer. „Zum Glück ist der Brand aber im Kamin geblieben.“ Mit einer Wärmebildkamera bewaffnet hatten er und die Schongauer Feuerwehr den Kaminschacht immer im Auge und hätten dementsprechend reagieren können.

„Man muss den kompletten Kamin freihalten. Wir haben Möbel im Inneren des Hauses von der heißen Kaminwand weggerückt. Ein Holzschrank oder ähnliches könnte sich entflammen“, weiß Haselbauer. Außerdem rissen die Feuerwehrler oben im Dachgeschoss eine kleine Holzwand ein, die ebenfalls zu nah am Kamin stand. Nach gut zwei Stunden war der Albtraum für die Schongauer Familie dann vorbei. Die Flammen erloschen von selbst.

„Ein solcher Kaminbrand entsteht durch Ablagerungen und Rückstände im Kaminschacht“, erklärt Benkert. Dies seien die Folgen von falschem Ofengebrauch und ungenügender Wartung des Kamins. „Vielleicht wurde des öfteren mit feuchtem Holz geheizt, oder die Luftzufuhr war zu wenig“, spekuliert Benkert.

Im Falle des Einfamilienhauses handelte es sich um einen Heizkessel für Öl und Holz, mit einem doppelzügigen Kamin. „Eigentlich war kürzlich der Kaminkehrer vor Ort“, sagt Haselbauer. Wird allerdings täglich ein Feuer auf falsche Art und Weise gemacht, kann es bereits nach zwei Wochen zu einem Kaminbrand kommen, sagt er. Ob ein falsches Nutzungsverhalten vorliegt, wird die Versicherung in den nächsten Wochen feststellen. Dank der zusätzlichen Ölheizung muss die Familie trotz sanierungsbedürftigem Kamin bei diesen eisigen Temperaturen nicht frieren.

Nur zwölf Stunden später stand der nächste Kamin in Brand. Diesmal in Steingaden in der Füssener Straße. Dicke Rauchschwaden bildeten sich über dem alten Bauernhaus. Haselbauer war wieder vor Ort: „Hier in Steingaden war der Brand nicht ganz so schlimm. Wir sind genauso vorgegangen wie in Schongau. Abwarten.“

Den Run auf Holzöfen macht Benkert verantwortlich für die steigenden Zahlen von Kaminbränden. „Und die Leute wissen nicht, wie man die Öfen richtig bedient“, befürchtet Haselbauer und empfiehlt sich dringend bei seinem Kaminkehrer zu informieren. Ein Brand sei kein Spaß.

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