Zehn Jahre bewegende Heimatpflege im Schongauer Land

Schongau - Viel bewegt hat die Kulturstiftung Schongauer Land in den vergangenen zehn Jahren: Dies wurde beim großen Jubiläumsfestakt im Ballenhaus deutlich.

„Unsere Kulturstiftung Schongauer Land hat durch seine Errichtung aus der Not heraus eine Tugend gemacht“, sagte der Stiftungsratsvorsitzende Fritz Mäuerle. Denn die Stiftung war schließlich einst entstanden, da aufgrund der Haushaltsmisere der Kommunen im Kulturbereich der Rotstift angesetzt werden musste, wie er zuvor ausgeführt hatte.

Die Stiftung wirke in vielen Fällen wie ein „Schrittmacher“, zog der Ratsvorsitzende einen Vergleich: „Sie hilft mit bescheidenen Mitteln bei der Weiterführung vorhandener Einrichtungen und gibt Impulse zum Verlassen eingefahrener Gleise.“

Wie gut die Finanzhilfe im Einzelnen angekommen ist, erfuhren die Festgäste von den Referenten, die über ein paar ausgewählte Förderzwecke berichteten. So erläuterte Richard Kögl senior Details zur Restaurierung der Basilika in Altenstadt. Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer, der einige wissenswerte Erkenntnisse zu den Gräberfunden in Burggen preisgab, unterstrich, wie wichtig in diesem Fall die rasche und unbürokratische Anschub-Finanzhilfe der Kulturstiftung gewesen sei.

Jakob Leicher und Werner Schmitt vom Förderverein Villa Rustica (Peiting) bedankten sich für die Fördermittel für das 1:1-Modell einer ganz speziellen römischen Fußbodenheizung. Begleitet wurden die beiden von einem täuschend echten Römerpaar: „Optio Titus Marius Lupus“ war mit seiner „Domina“ (so wurden damals die Hausherrinnen bezeichnet) erschienen und legte sich vor den Augen der Besucher seine Ritterrüstung an.

Mit interessierten Blicken verfolgten die Festgäste den Ankleidungsakt und wurden dabei Zeuge, dass die Kämpfer damals ganz schöne Schwergewichte mit sich herumschleppen mussten. Dargestellt wurden die Römer von Wolfgang und Claudia Maurus aus Schwabsoien, die den „Populares Vindelicenses“ aus Augsburg angehören.

Auch wichtige Anschaffungen für das Schongauer Stadtmuseum (Museumssoftware und Vitrine für Wechselausstellungen) hat die Kulturstiftung ermöglicht, wie Franz Grundner berichtete. Theodora Handiak zeigte auf, wie die Stiftung der „Schongauer Gruppe“ zu erfolgreichen Ausstellungen verhelfen konnte.

Eine Festrede zum Thema Heimat hielt Martin Wölzmüller. Der Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege wählte in seinem Referat unmissverständlich deutliche Worte: „Sie haben recht, wenn Ihnen das weit verbreitete kitschige Getue um Heimat, um Bayern und das traute Dörflein unglaubhaft, verdächtig und wohl auch gefährlich erscheint. Denn die Wirklichkeit schaut ganz anders aus als beim Bergdoktor oder im Musikantenstadl“, erklärte er und warnte: „Heimat ist nicht bloß Tradition und gute alte Zeit.“ Vielmehr sei die Heimat der von den Menschen geschaffene Nahraum - und man dürfte sich nicht ausschließlich auf die „Konserve des Alten“ beschränken und immer nur „Mumien beatmen“. Wirkliche Heimatpflege sei „handfest, wirklichkeitsbezogen und vor allem harte Arbeit“, hielt Wölzmüller fest.

(ms)

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