Das Steinrelief mit den tibetischen Schriftzeichen an einer Felswand in der Ammerschlucht bei Rottenbuch. Foto: ws
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Das Steinrelief mit den tibetischen Schriftzeichen an einer Felswand in der Ammerschlucht bei Rottenbuch.

In der Ammerschlucht

Mysteriöse Schriftzeichen an der Felswand

Rottenbuch - An einer Felswand in der Ammerschlucht bei Rottenbuch hat Naturschutzwächter Werner Schubert ein Steinrelief mit tibetischen Schriftzeichen entdeckt. Noch ist unklar, was das alles bedeuten soll und wer dahintersteckt.

Entdeckt wurde das mysteriöse Steinrelief mehr oder weniger durch Zufall: Denn eigentlich wollte Werner Schubert nur Fotoaufnahmen für den Tourismusverein Rottenbuch machen (von der Ammerschlucht und der Echelsbacher Brücke). Bilder aus einer interessanten Perspektive waren gefragt. Deshalb stieg der Naturschutzwächter in die Schlucht hinab und brachte seine Kamera in Position.

Es war in einem Bereich zwischen Echelsbacher Brücke und Rottenbuch, als Schubert seinen Blick auf eine rund 20 Meter hohe Felswand richtete. In vier bis fünf Meter Höhe erspähte er etwas Glänzendes. Was kann das nur sein? Als er das rätselhafte Objekt mit dem Teleobjektiv anvisierte, konnte er ein knapp 40 Zentimeter großes Steinrelief mit vergoldeten Hieroglyphen erkennen.

„Dieses Steinrelief hat wahrscheinlich noch niemand gesehen“, glaubt Schubert. Auch den Kajakfahrern, die in der Ammerschlucht unterwegs sind, ist es bisher nicht aufgefallen. „Weil sie in diesem Gefahrenbereich nicht nach oben schauen, sondern den Blick auf die Felsen im Wasser richten“, so der Naturschutzwächter.

Werner Schubert geht davon aus, dass das Relief von einem Steinmetz angefertigt worden ist - so kunstvoll ist es gearbeitet. Auch die Schriftzeichen sind sorgfältig in Stein gehauen. Wer steckt dahinter? Was bedeuten die Schriftzeichen?

Da sich Schubert keinen Reim darauf machen konnte, hat er sich an Albrecht Bögle aus Rottenbuch gewandt und ihm ein Foto von dem Steinrelief gezeigt. Auch Bögle war zunächst etwas irritiert. Um arabische Schriftzeichen - wie zuerst vermutet - handelte es sich jedenfalls nicht. Das sah eher nach Sanskrit aus. Eine Recherche im Internet führte zu der Spur, dass hier ein tibetisches Mantra vorliegen könnte. Dahinter verbirgt sich ein Spruch, ein Lied oder eine Hymne, ausgedrückt durch eine meist kurze, formelhafte Wortfolge, die oft repetitiv rezitiert wird.

Sogenannte Mani-Steine tragen kunstvoll gemeißelte Mantras oder buddhistische Gebetstexte mit tibetischen Schriftzeichen. Ähnlich wie bei den Gebetsflaggen soll der Wind die Mantras zum Himmel emportragen.

Anhand eines Fotos von dem Steinrelief hat Albrecht Bögle die Wortfolge bereits entziffert: „om mani padme hum“. Was dies genau bedeutet, das ist ihm aber noch ein Rätsel, ebenso die Inschrift auf dem mittleren Teil des Steinreliefs. Bögle kann nur vermuten: om bedeutet soviel wie Seele, und auch das Wort Mitleid lässt sich aus den folgenden Wortteilen herausinterpretieren. Die Schongauer Nachrichten haben ein Foto von den Schriftzeichen auf dem Steinrelief an den Tibetischen Verein Deutschland in Frankfurt übermittelt und um eine Übersetzung gebeten. Eine Antwort steht aber noch aus

„Viele Bergsteiger waren schon in Tibet. Vielleicht hat einer das Steinrelief von dort mitgebracht“, vermutet Bögle. In der Ammerschlucht wurde es dann an eine Felswand montiert. Was soll damit bezweckt werden? Um etwaiges Unheil zu verhindern?

Ungeklärt ist auch, wie lange dass Relief schon in der Ammerschlucht hängt. „Die Goldfarbe sieht so frisch aus, als wäre sie soeben poliert worden. Keine Spur von einem Belag“, stellte Bögle fest.

Michael Gretschmann

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