München - Auf der Schwanthalerhöhe regt sich Widerstand gegen die zweite S-Bahn-Stammstrecke. Auf der außerordentlichen Bürgerversammlung mussten sich die Vertreter der Stadt und der Bahn harsche Kritik gefallen lassen - vor allem, was die künftige Anbindung des Viertels betrifft.

Vergeblich wird man nach der jetzigen Planung zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke an der Hacker- und der Donnersbergerbrücke auf die S1 nach Freising und zum Flughafen warten. foto: oliver bodmer
Es sind so einige Sorgen, die die Bewohner im Münchner Westen plagen. Eine ist die Sicherheit der Röhre. Bis zu 44 Meter sind nach den Planungen im Notfall durch die Rettungsschächte an die Oberfläche zurückzulegen. „Das macht es selbst der Feuerwehr schwer“, sagte Robert Mertel, der sich seit Jahren mit den Planungen zur zweiten Stammstrecke beschäftigt. Zudem seien Paniksituationen und terroristische Anschläge nicht berücksichtigt.
„Wir nehmen die Bedenken ernst, aber ein Blick in die bundesweite Statistik zeigt, dass es noch keinen Todesfall gegeben hat, seit die S-Bahn in Betrieb ist“, konterte Bahn-Vertreter Albert Scheller. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass stets richtig geplant worden sei.
Am meisten aber stört die Bürger auf der Schwanthalerhöhe die künftige Anbindung ihres Viertels. „Vielen Bürgern ist nur die ursprüngliche Planung mit sechs Haltestellen bekannt“, sagte der stellvertretende Bezirksausschussvorsitzende Thomas Hofstätter (CSU). Mittlerweile sei die Planung aber massiv ausgedünnt. Die Haltestellen Donnersbergerbrücke und Hackerbrücke werden nach aktuellem Planungsstand nicht mehr angefahren. Dadurch sei das Viertel künftig abgehängt und vielen Pendlern der Weg zur Arbeit erschwert, meint Hofstätter. „Zukunftsfähiger öffentlicher Nahverkehr kann so nicht aussehen!“
Frank Kutzner vom Wirtschaftsministerium versuchte zu beschwichtigen. Die zweite Stammstrecke solle der Entlastung der bestehenden Strecke dienen, es würden aber weiter alle zweieinhalb bis drei Minuten Züge fahren. „Die Planungen haben so den größten verkehrlichen Nutzen. Die Grundlast bleibt aber auf der ursprünglichen Stammstrecke. Es wird keine Halbierung geben, sondern es wird auch weiter eine sehr dichte Zugfolge gewährleistet sein“, sagte Kutzner.
Auf Nachfrage musste er freilich einräumen, dass nach der aktuellen Planung die S1 künftig nur noch auf der zweiten Stammstrecke fahren wird und man damit nicht mehr an der Hacker- und Donnersbergerbrücke zusteigen kann.
Auf Antrag Hofstätters beauftragten die Anwohner deshalb den Stadtrat, sich mit der Einrichtung einer weiteren Haltestelle an der Donnersbergerbrücke zu befassen. Sie schickten sogar noch den Antrag hinterher, dass sich der Stadtrat dafür einsetzen soll, alle bei der ursprünglichen Planung vorgesehenen Bahnhöfe zu bauen.
Stadtrat Alexander Reissl (SPD), der die Versammlung leitete, beschied dem Anliegen aber wenig Aussicht auf Erfolg: „Das jetzige Modell ist das einzige, das nach dem geltenden System vom Bund bezuschusst werden kann. Die Alternative ist, dass es auf unabsehbare Zeit so bleibt, wie es ist.“ Trotzdem nimmt er die Anträge nun mit in den Stadtrat. Was dabei herauskommt, bleibt abzuwarten. Eines wusste Reissl aber schon zu sagen: „Ich kann ihnen nur versprechen: Es bleibt spannend.“
Fabian Herrmann
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