München - Die Handwerkskammer fordert den Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels – In der Münchner CSU herrscht Empörung

Heinrich Traublinger will den zweiten Tunnel, seine CSU-Freunde nicht. kh
Im Grunde wäre nur ein wenig Geduld angebracht. Noch im Oktober will das Bayerische Verkehrsministerium eine Untersuchung vorlegen, die einen langen Streit über die Zukunft des Münchner Nahverkehrs beenden soll. Nämlich jenen, ob zur Entlastung des vielbefahrenen S-Bahn-Tunnels zwischen Haupt- und Ostbahnhof eine zweite Röhre gebaut werden soll, oder ob auch der Ausbau des Bahn-Südrings über die Haltestellen Poccistraße und Kolumbusplatz ausreicht. Schon jetzt aber sorgt die Materie für Ärger in der CSU. Der Grund steckt quasi in der eigenen Partei – in Person von Heinrich Traublinger, vormals Landtagsabgeordneter der CSU im Münchner Osten.
Als Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern hatte Traublinger per Pressenotiz vor einem Kollaps des S-Bahn-Systems gewarnt, sollte der zweite Tunnel nicht gebaut werden. Zur Begründung bemühte Traublinger die Tatsache, dass in der kalten Jahreszeit S-Bahnen auf rutschigen Gleisen bald wieder langsamer fahren. „Wenn die Probleme nicht künftig nicht noch um ein Vielfaches verstärkt werden sollen, muss sich der Stadtrat schleunigst zur zweiten Stammstrecke bekennen“, schlussfolgerte der Handwerker-Chef.
Auch der Landtagsabgeordnete Markus Blume, Traublingers Nachfolger im Stimmkreis Ost, nennt die „orchestrierten Kassandra-Rufe“ durchschaubar. Sie sollten eine Entscheidung für den Tunnel herbeireden. Dass die Kammern und der MVV nicht die Untersuchungsergebnisse im Herbst abwarten wollten, zeige, dass sie „nicht an der besten Lösung zur Ertüchtigung des Bahnknotens Münchens insgesamt interessiert“ seien. Im Herbst solle auch ein Gutachten über eine bessere Flughafen-Anbindung vorliegen, erinnerte Blume. Nach dem Planungsmurks vergangener Jahre werde man die zwei Monate doch noch warten können.
Matthias Kristlbauer
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