München - Nur ein Bruchteil der 18 000 Münchner Waffenbesitzer bewahrt seine Waffen sicher auf. Die Stadt plant nun unangemeldete Kontrollen – und wirft dem bayerischen Innenminister vor, bei der Verschärfung des Waffenrechts wieder zurückzurudern.

KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle in der Waffenkammer seines Hauses, in der abgegebene Gewehre und Pistolen lagern, bevor sie dem Landeskriminalamt übergeben werden. rk
Das Schreiben des Kreisverwaltungsreferats (KVR) war an alle rund 13 000 Erben und "Altbesitzer", die nach heutigem Recht keine Waffe mehr besitzen dürften, sowie an 5000 Münchner Sportschützen und Jäger gegangen. Sie wurden aufgefordert, der Behörde mitzuteilen, wie sie ihre Waffen aufbewahren. Das Ergebnis sei "alarmierend", sagte KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle (parteilos) am Freitag. 80 Prozent der Waffenbesitzer, die bisher anworteten, hätten nicht die gesetzlich erforderlichen oder gar keine Waffenschränke. Vor diesem Hintergrund übte Blume-Beyerle Kritik an Bayerns Innenminister. Joachim Herrmann (CSU) wolle die geplanten schärferen Kontrollen wieder aufweichen.
"Wir bitten, die Kontrollen unangemeldet durchzuführen": So lautete die Empfehlung aus dem Hause Herrmanns an die Waffenbehörden im April. Das war kurz nach dem Amoklauf von Winnenden. Danach beschloss der Bund die Verschärfung des Waffenrechts, nach der die sichere Aufbewahrung von Waffen nun durch unangemeldete Kontrollen bei Waffenbesitzern überprüft werden kann. "Jetzt scheint der Innenminister zurückzurudern", klagte Blume-Beyerle.
Die Kritik sei "nicht treffend", entgegnet Herrmanns Sprecher Rainer Hutka. Stichprobenartige Kontrollen seien "schon wegen ihrer Signalwirkung ausreichend". Grundsätzlich sollen Kontrollen auch unangemeldet möglich sein. "In der Regel bietet es sich aber an, den Waffenbesitzer vorher anzurufen, damit die Behördenmitarbeiter nicht vor verschlossenen Türen stehen."
Blume-Beyerle wird seine Mitarbeiter unangemeldet losschicken. Wenn Waffen nicht sicher verwahrt seien, "können sie sofort sichergestellt, ein Bußgeldverfahren eingeleitet und die Waffenbesitzkarte eingezogen werden".
Inzwischen sind bei bayerischen Behörden mehr als 7000 Gewehre und Pistolen eingegangen. Viele Bürger folgten dem Aufruf, illegale oder nicht benötigte Waffen bis Jahresende abzugeben. Die meisten, 5330 Waffen, wurden in München abgeliefert – in Augsburg waren es rund 100, in Würzburg 150, in Nürnberg 550.
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