München - Die Papayas werden knapp. Wegen der Aschewolke konnten Flieger mit frischen Südfrüchten nicht landen. Großmarkthändler klagen über Einbußen – und sinnieren über die Luxusgesellschaft.

Florian Stoffel wartet, viel anderes kann er nicht tun. Es ist halb sieben in der früh, normalerweise herrscht um diese Zeit Hochbetrieb an Stoffels Stand in der Großmarkthalle. Heute sitzt Stoffel, Juniorchef bei dem Südfrucht-Importeur, auf dem Drehstuhl in seinem Büro und wartet. Seit Donnerstag verteilt der Vulkan Eyjafjallajökull Aschewolken über Europa. Seitdem ist in München, Frankfurt oder Amsterdam kein Flieger mehr gelandet, mit dem die reifen Mangos, Papayas oder Ananas aus Brasilien oder Thailand kommen, die Stoffel verkauft.
Er hofft auf einen Anruf. Es heißt, eine Maschine aus Kolumbien soll gelandet sein. Dann wäre morgen früh die Ware da. „Eigentlich bräuchten wir gar nicht zu arbeiten“, sagt er zynisch. „Diese Woche bringt einen Riesen-Verlust. Wir sind eigentlich nur hier, um das zu vermarkten, was übrig geblieben ist.“ Ein paar Kisten voll Mangos aus der letzten Woche stehen neben dem Verkaufstisch.
Etwa 100 Lkw rollen täglich an der Schäftlarnstraße durch das Tor der Großmarkthalle. Mit Obst, Gemüse, Blumen. Per Flugzeug wird nur ein geringer Teil der Früchte importiert, sagt Marcus Niebisch vom bayerischen Fruchthändlerverband. Fünf Prozent, mehr nicht. „Keine Probleme!“, ruft ein italienischer Händler im Vorbeieilen, der Tomaten aus Italien feilbietet.
„Die Menschheit braucht mal wieder einen Dämpfer!“, meint Maria Eham. Sie kauft mit ihrem Sohn Kaspar für ihren Stand auf dem Miesbacher Wochenmarkt ein. „Ich versuche, meine Kunden wieder zur Vernunft zu bringen. Zwetschgen im Winter! Die kann man doch einfrieren.“
Äpfel, Trauben, auch ein paar Schiffsmangos haben sie auf ihre Paletten laden lassen. „Die sind vom Geschmack nicht so gut, aber dafür günstiger“, sagt Kaspar Eham. Die wurden grasgrün geerntet und reiften dann auf der mehrwöchigen Schiffsreise. Papayas haben sie in der ganzen Halle keine entdeckt. Auch Stoffel, mit Kunden bis Österreich und Italien, weiß: Diese Exoten werden knapp. Beim Einzelhändler Wilfried Seger aus Bad Feilenbach am Wendelstein bleiben Regale leer. Seger füllt sie nicht mit Alternativen auf. „Der Kunde kauft nicht Äpfel statt Papayas. Die Äpfel würde er sowieso kaufen.“
Noch am Vormittag erhält Stoffel die ersehnte Nachricht: Der Flieger aus Kolumbien ist in Frankfurt gelandet. Um 9 Uhr wird auch der Flugstopp im Erdinger Moos aufgehoben. Der Exoten-Verkäufer Tobias Fenner aber kommt in den Sinn: „Man kann nicht sagen, wann der nächste Vulkan ausbricht.“
Kolja Kröger
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