München - Wo ein Kind in München aufwächst, hat großen Einfluss auf den Erfolg in der Schule. Das unterstreicht der neue Bildungsbericht der Stadt. Migrantenkinder haben es besonders schwer.

Die Unterschiede sind dramatisch: An einer Münchner Grundschule liegt die Übertrittsquote aufs Gymnasium bei 97 Prozent, an einer anderen bei 16. Foto:dpa
In München bestätigt sich ein bundesweites Problem: Migrantenkinder müssen besonders um ihre Chancen kämpfen. Sie sind statistisch gesehen die Verlierer, wenn es in München um Erfolg in der Schule geht. Das belegt der neue Bildungsbericht des Schulreferats, den die Stadtschulrätin Elisabeth Weiß- Söllner (SPD) am Dienstag dem Stadtrat vorlegen wird. Besonders alarmierend: Der Bildungserfolg hängt in München stark vom jeweiligen Wohnort ab.
Im Jahr 2006 hat München als erste deutsche Kommune einen eigenen Bildungsbericht erstellt, Ergänzungen folgten 2008. Er ist eine Bestandsaufnahme. Die Diagnose von Problemen, deren Therapie die Schulpolitik angehen will. Schon der erste Bildungsbericht hat die sozial ungerechte Chancenverteilung gezeigt. Im aktuellen Zahlenwerk kommt erstmals ein Sozialindex dazu, der den Finger deutlich auf die besonders wunden Punkte legt. Das statistische Werkzeug vereint die Faktoren Kaufkraft, Migrationshintergrund - und das Bildungsniveau.
Die Karte zeigt, dass in vielen roten Vierteln die Übertrittsquoten aufs Gymnasium relativ niedrig ist. Dort schaffen weniger als 40,3 Prozent eines Jahrgangs den Sprung. Die Diskrepanzen innerhalb Münchens sind enorm: An einer Schule liegt die Quote bei 97 Prozent, an einer anderen bei 16. Von deutschen Kindern gehen etwa 60 Prozent aufs Gymnasium, aber nur 28 Prozent der Kinder mit ausländischem Pass.
Alarmierend ist die Situation in Vierteln, in denen viele Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund stammen und bei denen daheim nur wenig deutsch gesprochen wird. Insgesamt fallen zwölf von 25 Stadtbezirken ab. Ganz anders in Bogenhausen oder Altstadt-Lehel. Hier sind die Übertrittsquoten besonders hoch, sie liegen bei 61,1 Prozent und mehr. Ebenso in Solln und im Herzen Schwabings.
Kinder, die schon im Kindergarten Deutsch-Probleme haben, laufen also häufig Gefahr, in der Grundschule schlecht abzuschneiden (Dazu finden sie ein Interview in der Printausgabe). In ganz München haben 47 Prozent der Kinder mindestens einen Elternteil mit ausländischer Herkunft. In 33 Prozent der Familien wird daheim nicht vorrangig deutsch gesprochen. 45 Prozent der beobachteten Kinder bräuchten schon vor der Schule Hilfe mit der deutschen Sprache. An einer Grundschule können sogar 84 Prozent der Schüler in der dritten Klasse nicht richtig lesen und schreiben. Doppelt so viele ausländische wie deutsche Kinder wiederholen ein Schuljahr. Um welche Schulen es sich im einzelnen handelt, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Die Schüler werden in eine Arbeitswelt geworfen, in der in München ein deutlich schärferer Wind weht. Von den 20- bis 29-Jährigen haben rund 65 Prozent Abitur. Zudem hat München den höchsten Anteil an hochqualifizierten Neubürgern. Auch an der Uni haben es Migrantenkinder tendenziell schwerer. Unter den Münchner Studenten sind nur 3,4 Prozent in Deutschland aufgewachsene Ausländer.
Kolja Kröger
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