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Brunner-Prozess: Weitere Zeugen sagen aus

Freunde der Täter: „Aggressiv waren sie nie“

München - Wie auch immer das Urteil gegen Markus S. und Sebastian L. ausfallen wird – es stellt sich die Frage: Wie konnten zwei Jugendliche zu brutalen Schlägern werden? Das Gericht hat Freunde der Angeklagten befragt.

© ap

Sebastian L. am sechsten Prozesstag.

Die Freunde der beiden Angeklagten erkennen Markus S. und Sebastian L. nicht wieder in den beiden Gewalttätern, die am Bahnsteig in Solln Dominik Brunner brutal zusammengeschlagen haben. „Ich weiß, dass Sebastian kein Mörder ist“, sagt Sandra vor Gericht. „Sebastian ist ein lieber Mensch, er würde niemals einem Menschen absichtlich wehtun.“ Die 16-Jährige lebte mit ihm in einer betreuten Wohngemeinschaft.

Sandra war es auch, die Sebastian L. noch eine SMS schrieb, als er nach der Prügelattacke im Gebüsch saß. „Was hast du schon wieder gemacht?“, schrieb sie ihm, als Polizisten in der WG auftauchten. Nicht zum ersten Mal kamen die wegen Sebastian L. Meist wegen „Blödsinn“, sagt Sandra: ein abgetretener Autospiegel zum Beispiel. „Kindisch – und verrückt“ sei er. In der WG landete Sebastian L. nach einer Odyssee durch verschiedene Heime. Abgeschoben, nachdem sein Vater starb. Seine Mutter war da schon ein Pflegefall. Einen Schulabschluss hat Sebastian L. nicht, nach der achten Klasse flog er von der Hauptschule. „Ich hatte ein bisschen Probleme mit meiner Lehrerin“, sagt er. Das komme häufiger vor, meint der Richter. „Ich bin halt nicht so oft hingegangen.“

Irgendwann fing er eine Ausbildung zum Maler an, doch auch dort fehlte er häufig. „Dann haben die mir gesagt, dass sie mich da nicht mehr wollen.“ Sebastian L. hing nur noch herum, trank häufig und kiffte regelmäßig. Ein Joint pro Tag war keine Ausnahme. Doch auch berauscht sei er nie aggressiv geworden, sagen seine Freunde. Er sei ein besonnener Mensch. Die Freunde von Markus S. zeichnen das Bild eines schüchternen, zurückhaltenden Menschen. Unsicher, auch lustig sei er gewesen. Und sehr emotional. Es gab Abende, sagt sein Freund Philipp B., da habe Markus wegen seiner Familie „geweint und geweint und geweint“.

Markus S. wuchs in Johanneskirchen auf, mit einer Schwester, einem jüngeren und einem älteren Bruder. Die Familie wohnte in einer Doppelhaushälfte, erzählt ein Ermittler: „Innen die reine Katastrophe.“ Markus S. Zimmer habe wie ein normales Jugendzimmer gewirkt.

An den Wänden hingen Hip-Hop-Poster. „Er wollte Rapper werden“, sagt seine Ex-Freundin Alex, „das hat er gut gekonnt.“ Zwei Jahre, bis 2008, waren sie ein Paar. Von der Schule war Markus da längst geflogen. Weil er zu oft geschwänzt hatte. Vielleicht auch, weil er zu oft gekifft hatte.

„Aggressiv wurde er nie“, sagt sie. Nur einmal, erinnert sie sich, da habe er zurückgeschlagen, als ihn sein großer Bruder geohrfeigt hat. Der sei trotzdem sein Vorbild, sagt Alex. „Eigentlich auch sein bester Freund.“

Der Bruder war es auch, der Markus’ Leben offenbar die entscheidende Wende gab. Markus habe schon immer gerne getrunken und auch regelmäßig gekifft, berichten seine Freunde. Doch als sein Bruder plötzlich nicht mehr da war, „das hat ihn richtig runtergezogen“, sagt Philipp. Der große Bruder, der nicht mehr bei ihm sein konnte, weil er eine Frau vergewaltigt haben soll.

Für Markus brach eine Welt zusammen. Seine kleine Welt, die nicht heil war, bis dahin aber erträglich. Mit einem Vater, zu dem er ein ganz gutes Verhältnis hat. Und einer Mutter, die er nicht besonders mag. „Eigentlich war er ein armer Junge“, sagt Philipp. „In der Familie sah es nicht rosig aus, kein Job, keine Schule.“

Er, sagt Philipp, habe Markus nie gewalttätig erlebt. In seiner Gegenwart habe er auch nie harte Drogen konsumiert. „Das hat er mit anderen Freunden gemacht. Mit mir hätte er auch nie Leute angepöbelt.“

Von Bettina Link und Philipp Vetter

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