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Chaos bei der Studienplatzvergabe

München - Die Probleme bei der bundesweiten Studienplatzvergabe nehmen kein Ende: An der LMU konnten Jura- und Wirtschaftsstudenten teils erst vier Wochen nach Semesterbeginn nachrücken.

© Klaus Haag

Auch in begehrten Fächern blieben zum Start des Wintersemesters einige Plätze zunächst frei.

Das Zulassung-System ist trotz der erstmals eingesetzten Studienplatzbörse zur Nachvermittlung weiterhin unbefriedigend – für Studierende wie für Hochschulen.

Einem Bericht der Kultusministerkonferenz zufolge waren Anfang November – also vier Wochen nach Semesterstart – wegen organisatorischer Mängel bundesweit noch 18 000 Studienplätze in begehrten Numerus-clausus-Fächern unbesetzt.

Die Probleme entstehen vor allem durch Mehrfachbewerbungen. Seit die Kompetenzen der Zentralstelle für die Vergabe der Studienplätze (ZVS) 2003 deutlich beschnitten wurden, müssen Studenten sich selbst an den Unis bewerben. Sie tun dies jedoch meist in mehreren Städten – und erhalten oft mehrere Zusagen. Da sie aber nur ein Studium aufnehmen, bleiben zum Semesterstart in anderen Städten reihenweise Studienplätze unbesetzt.

An der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) versucht man das Problem durch drastische Überbuchungen zu lösen. So gab es für das laufende Studienhalbjahr zum Beispiel 486 Erstsemester-Plätze für Betriebswirtschaftlehre (BWL). Von 4641 Bewerbern erhielten 1595 eine Zusage. Also mehr als drei Mal so viel, wie die tatsächliche Platzzahl. „Falls alle Studenten, die eine Zusage erhalten haben, ihr Studium tatsächlich antreten hätten wollen, hätten wir alle nehmen müssen“, erklärt LMU-Sprecher Clemens Grosse. Bei Jura war die Situation ähnlich: 1684 Zusagen wurden für 709 Erstsemester-Plätze gegeben. „Die Überbuchungen beruhen auf Erfahrungswerten, die in aller Regel zutreffen“, sagt Grosse.

Allerdings nur grob. Denn selbst bei derart massiver Überbelegung wurden die Plätze nicht alle eingenommen, sondern mussten noch im bereits laufenden Semester per Nachrückverfahren besetzt werden. Sowohl bei BWL wie auch Jura gab es fünf Nachrück-Runden – die letzte zog sich bis zum 17. November hin. Der Start ins Studium wurde dadurch erheblich beeinträchtigt. Denn schließlich geht für Wohnungssuche, Umzug und andere Vorbereitungen nochmals Zeit verloren.

Klagen über das jährliche Einschreibchaos an den Hochschulen gibt es jetzt seit mehr als fünf Jahren. Länder und Bund hatten 2003/04 durch verschiedene Gesetzesänderungen den Hochschulen Auswahl und Einschreibung ihrer Studenten weitgehend selbst überlassen – auch in Fächern, in denen es vor Ort mehr Bewerber als freie Plätze gibt. Betroffen sind vor allem Jura und Wirtschaft, aber auch die Ingenieur- und Naturwissenschaften. Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund ist nur noch für die Fächer Medizin und Pharmazie verpflichtend zuständig.

Eine Verbesserung der Probleme durch die Mehrfachbewerbungen ist frühestens zum übernächsten Semester zu erhoffen. Abhilfe soll dann ein „dialogorientiertes Serviceverfahren“ via Internet schaffen, auf das sich Bund, Länder, Hochschulrektoren und ZVS vor einem Jahr verständigt hatten. Dieses kann aber frühestens im Herbst 2011 die Arbeit aufnehmen. Kritiker mahnen bereits jetzt, dass die Teilnahme der Hochschulen an diesem Verfahren nicht verbindlich ist.

Sven Rieber und Dennis Mehmet Yücel

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