München - Geld bedeutet ihm nichts mehr: Der Münchner Siegfried Möglich hängt sein bisheriges Leben an den Nagel. Im neuen Jahr geht der Mann, der einst Manager schulte, nach Indien – um Kinder vor dem Herztod zu retten.

© rk
Siegfried Möglich lässt alles zurück , wenn er im Februar nach Indien aufbricht. Auch sein bisheriges Leben.
An den Wänden seiner Wohnung hängen Bilder von lachenden Kindern, Bilder von traurigen Kindern. Bilder aus einer Welt, die weit entfernt ist von München. Schnell hat sich Siegfried Möglich in diese Welt verliebt. Nicht, weil er vor Jahren, als er erstmals in Indien war, ein Reicher unter Armen gewesen wäre. Sondern, weil er dort einen Sinn fand, weil ihm diese Not gezeigt hat, wo er hingehört.
Siegfried Möglich ist 61 Jahre alt. Graue, gewellte Haare umrahmen das Gesicht mit den blauen Augen und den markanten Zügen. Irgendwann hat er sich seiner Krawatte entledigt und eine ganz neue Lebensaufgabe gefunden. Er könnte sich entspannt zurücklehnen – nach einem erfolgreichen Berufsleben. Maschinenbau-Studium, Job im Management eines Chemie-Konzerns, Management-Seminare für Firmen wie BMW und Audi. Stattdessen will er alles aufgeben.
1998 änderte sich sein Leben: Aus Neugier reiste Möglich nach Indien. Als Tourist. Zurück kam er als ein Mensch, der erkannt hatte, was ihm wirklich wichtig war: Hilfe für diese Menschen, die mit so wenig so friedlich auf engstem Raum nebeneinander leben.
„Das Ganze hat mich nie wieder losgelassen, ich musste immer wieder hin“, erzählt Möglich. In Nord-Indien fand er Zugang zum Buddhismus. Und in München Zugang zu Menschen, die er aus dem Berufsleben kannte und die Hilfs-Projekte der Tibether finanziell unterstützt haben – ein Behindertenheim, ein Krankenhaus, ein Internat. „Und irgendwie bin ich immer mehr auf die Unterstützerschiene gekommen.“
Die Wartelisten sind lang. Geholfen hat ein römisch-katholischer Priester in Bopal. Möglich erstellte eine Liste von Kindern, die ohne Operation noch eine Lebenserwartung von sechs bis zwölf Monaten gehabt hätten. Er sammelte Geld in den USA und in Deutschland. Die Operation im Krankenhaus in Bangalore würde kostenlos sein. Personal, Material und Maschinen müssen allerdings bezahlt werden. 2000 Euro für eine Operation am offenen Herz. 2000 Euro für ein Menschenleben.
Und während andere sich an dem festklammern, was ihnen in der Krise bleibt, trennt sich Möglich von allem, was ihm bisher lieb war. Kinder, Einrichtung, Wohnung – alles bleibt zurück in Deutschland. Mit nur einem Koffer wird er im Februar München den Rücken kehren und in der ostindischen Küstenstadt Chennai ein Zimmer beziehen. Dort will er ein weiteres Herz-OP-Projekt aufbauen.
Barbara Schlotterer-Fuchs
Spenden
werden entgegengenommen unter: „Tomorrow’s Childs“; Konto: 100 110 5319; BLZ 701 50000, Stadtsparkasse München.
Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.