München - In zahlreichen Münchner Haushalten fallen wegen der extremen Kälte Heizung und Wasser aus. Abhilfe kann dauern – im Notfall bleibt manchen nur der Umzug ins Hotel.
So wie dem jungen Münchner geht es vielen in diesen eiskalten Tagen: Die Heizung war seit vier Tagen nur lauwarm, „dann wurde es schrittweise immer kälter.“ Nach ein paar Tagen Frost hielt er es nur noch mit Decke und Wärmflasche in der Wohnung aus. Als es im Wohnzimmer 15 Grad waren, zog er zu seiner Freundin.
Das ist kein Einzelfall: In ganz München leiden Heizungen und Wasserrohre unter den Minusgraden. „Wir haben ein erhöhtes Störungsaufkommen“, vermelden die Stadtwerke. In vielen Haushalten ist die Heizung zeitweise vollständig ausgefallen, in einigen auch das Wasser. Zugenommen haben die Probleme seit der zweiten Hälfte der vergangenen Woche. „Der extremste Tag war der Montag“, sagt Heike Schneider vom Sanitärunternehmen „Exhatec“. Seitdem klingelt in der Firma durchgehend das Telefon, die drei Monteure sind den ganzen Tag und teilweise auch nachts im Einsatz. Nicht nur Privathaushalte sind betroffen: In der Staatsbibliothek fiel am Wochenende die Heizung vollständig aus, im Polizeipräsidium reichte die Wärme nicht in alle Räume.
In der Regel sind es die Heizungen, die zuerst ausfallen. Zwar sind deren Rohre „weniger vom Einfrieren bedroht, weil sie warm sind“, erklärt Klaus Rohrmoser von der Karl Amann GmbH. Sind sie jedoch so eingestellt, dass sie nachts weniger oder nicht heizen, können sie in diesem Zeitraum auskühlen. Auch ein Fenster, das zu lange offen ist, kann bewirken, dass die Temperatur im Raum unter den Gefrierpunkt sinkt. Dann können die Heizkörper bersten. „Das ist die häufigste Ursache für die Ausfälle“, sagt Jürgen Schreiner von der gleichnamigen Sanitär AG.
Mit dem Heizungsaufall kommt oft das nächste Problem: In der Folge kühlen Räume aus, und damit die Wände, in denen Wasserrohre verlegt sind. Vor allem in schlecht isolierten Außenwänden von Altbauten entstehen häufig Schäden. Sogar Warmwasserrohre können in Ausnahmefällen auf diese Weise einfrieren und platzen.
In anderen Fällen kann es bis zu drei Tage dauern, bis ein Monteur kommt. Zwar haben fast alle Sanitärfirmen einen Notdienst. Dass der in der Nacht helfen kann, ist jedoch nicht sicher: „Wir können schlecht in Baumärkte einbrechen und Ersatzteile klauen“, sagt eine Mitarbeiterin. „Wenn ein Spezialteil zur Reparatur notwendig ist, kann das dauern“, erklärt Sanitärfachmann Jürgen Schreiner.
In Mietwohnungen ist für die Beauftragung eines Handwerkers ohnehin der Vermieter zuständig. „Er sollte als erster informiert werden“, sagt Anja Franz vom Mieterverein München. In einem Schreiben sollte stehen, was los ist, und „dass, angesichts der Temperaturen, in den nächsten 24 Stunden etwas passieren sollte“, so Franz. Unternimmt der Vermieter innerhalb dieser Frist nichts, darf der Mieter selbst einen Heizungsbauer rufen und den Rechnungsbetrag von der Miete abziehen, wenn er das im Schreiben angekündigt hat. Im Notfall kann er ins Hotel ziehen. Das allerdings nur bei „unzumutbaren Zuständen“, so Franz, „wenn beispielsweise ein Mieter sehr krank ist.“
Eine Mitarbeiterin einer Heizungsfirma hat noch einen Tipp: „Gehen Sie in den Baumarkt und kaufen Sie sich einen Heizlüfter. Dann frieren wenigstens die Wasserrohre nicht ein, wenn die Heizung ausfällt.“ Die Stadtwerke raten zudem, Wasserzähler und Hausinstallationen gegen Frost zu sichern und Keller und Schachtabdeckungen geschlossen zu halten.
Besserung für Verfrorene ist nächste Woche in Sicht, wenn die Temperaturen steigen. Dann allerdings wird auch das wahre Ausmaß der Kälteschäden offenbar werden. Der Frost dürfte weit mehr Wasserleitungen beschädigt haben, als derzeit bekannt ist. Denn noch werden einige Löcher durch Eis gestopft. Erst wenn das schmilzt, fallen diese Schäden auf. Sanitärfachmann Schreiner prophezeit: „Da kommt viel Arbeit auf uns zu."
Von Lea Hampel
Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)
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