München - Ein Auftritt des umstrittenen israelischen Historikers Ilan Pappe in München hat schon im Vorfeld zu einem Eklat geführt. Die Stadt hat dem Veranstalter die bereits zugesagten Räume gekündigt. Pappe wird trotzdem auftreten.

Der „Salam Shalom – Arbeitskreis Palästina / Israel“ im Eine-Welt-Haus hatte die Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Israel – Mythos und Wirklichkeit“ seit Wochen vorbereitet. Dass es nun im letzten Moment Probleme gab, führt Eckhard Lenner vom Arbeitskreis auf die Intervention der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zurück. OB Ude, so argwöhnt er, sei vor deren Protest eingeknickt.
Der Referent, den der Arbeitskreis nach München eingeladen hat, hat sich in Israel äußerst unbeliebt gemacht. Der israelische Historiker Ilan Pappe lehrte bis 2007 in Haifa und ist jetzt Professor im englischen Exeter. Vor allem sein Buch „Die ethnische Säuberung Palästinas“ hat ihm in Israel das Image eines Nestbeschmutzers eingebracht. Pappe vertritt darin die These, der Exodus der Palästinenser sei keine Begleiterscheinung des Krieges gewesen, sondern eine von langer Hand geplante ethnische Säuberung. Pappe rief damit auch innerhalb der Gruppe der sogenannten Neuen israelischen Historiker Kritik hervor. Er fand jedoch auch Unterstützung. So schrieb Rolf Michaelis in der Zeit: „Es ehrt Israel, dass einer seiner Forscher solch ein notwendiges Buch schreiben kann.“
Das umstrittene Buch sollte der ungeliebte Sohn Israels am Freitagabend bei einer „Lesung mit Musik“ vorstellen. Am Samstag sollte ein Vortrag, am Sonntag ein Workshop mit dem Historiker folgen. „Es geht um seriöse Aufklärung, nicht um antisemitische Agitation“, betont Lenner. Gerade deshalb habe man ja die Workshops geplant.
Dem Druck dieser Lobby, so glaubt Lenner, habe OB Ude nachgegeben – „ein deutlicher und krasser Fall von Unterdrückung einer unerwünschten Debatte“.
OB Ude weist das zurück. Die Entscheidung habe nicht er, sondern das Schulreferat getroffen, nachdem E-Mails mit Protestaufrufen kursiert seien. Es gehe keineswegs um eine inhaltliche Bewertung der Veranstaltungen, betont Referats-Sprecherin Eva-Maria Volland. Man habe „Informationen bekommen, die bei uns Sicherheitsbedenken ausgelöst haben“. Da das Pädagogische Institut ein besonders sensibler Ort sei, habe man sich kurzfristig entschlossen, das Haus nicht zur Verfügung zu stellen.
Der Arbeitskreis fand ein Ersatzquartier: Die öffentliche Veranstaltungsreihe wurde in die Räume der Initiativgruppe an der Karlstraße 50 verlegt. „Wir lassen das auf keinen Fall ausfallen“, betonte Lenner am Freitag.
Peter T. Schmidt
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