München - "Ich könnte kotzen", sagt eine aufgebrachte Mutter. Ja, sie habe Verständnis für die Erzieherinnen; ja, sie müssten definitiv mehr Geld für ihre Arbeit bekommen. Aber dennoch: „Das ist der dritte Streik innerhalb eines Jahres, und unser Kindergarten ist immer dabei. Das ist mehr als nervig.“

© Haag
Die Kinder von Miroslavka Andjelkovic können in eine Notgruppe gehen – eine Erzieherin hat trotz Streik Dienst.
So wie dieser Mutter, die nicht genannt werden will, geht es vielen. Durch die Häufigkeit der Streiks in den vergangenen beiden Jahren steigt der Unmut bei den Betroffenen.
„Ich frage mich oft, wie die Erzieherinnen mit ihrem Geld auskommen. Das ist schon hart. Aber mir langt’s jetzt mit dem Streik. Meine Chefin hat dafür kein Verständnis mehr, und ich bin ärgerlich, weil es in erster Linie wieder uns Frauen trifft“, schimpft eine Mutter – erneut anonym.
Das ist auffällig: Viele Eltern wollen ihre Meinung nicht öffentlich kundtun. „Wenn ich etwas gegen die Erzieherinnen sage, dann hat vielleicht mein Kind später darunter zu leiden“, befürchtet eine Mutter. „Ich bin alleinerziehend und konnte schon kaum einen Kindergartenplatz finden. Wenn ich jetzt etwas gegen die Einrichtung sage, klappt es vielleicht mit dem Hortplatz nicht“, sorgt sich eine andere. Aber auch auf der Seite der Erzieher gibt es Bedenken: „Wir wollen als Einrichtung keinesfalls genannt werden“, „Die Meinung der Streikenden ist nicht die unseres Teams“ – solche Aussagen sind immer wieder zu hören.
Im Kindergarten Hugo-Lang-Bogen ist das ganze Team bei der Gewerkschaft. Deshalb ist der Kindergarten heute auch geschlossen. Sandra Hagedorn sagt ganz klar: „Das ist Sinn und Zweck eines Streiks, dass es weh tut.“ Ansonsten bewege sich nichts bei der Stadt.
Die Situation ist zwiespältig“, so Ellen Kruse, Vorsitzende des Gemeinsamen Elternbeirats der städtischen Kinderkrippen (GEbKri). „Die meisten Eltern stehen sicher hinter den Forderungen der Erzieherinnen. Sie wissen, dass die Anforderungen immer höher werden und die Bezahlung besser sein müsste.“ Sie sehe aber die Gefahr, „dass die Stimmung kippt“. Viele Eltern seien sehr verärgert, weil sie an der Grenze der Belastbarkeit seien. „Wir wollen keinem das Streikrecht nehmen. Aber es wäre schön, wenn die Gewerkschaft in diesem Jahr etwas elternfreundlicher sein könnte.“
Karin Neumeier
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