München - Für zehntausende Münchner hat der erste Montag im neuen Jahr ohne Heizung und Warmwasser begonnen. In der Nacht war eine Fernwärmeleitung am Hauptbahnhof leck geschlagen.

© Reinhard Kurzendörfer
Dampf am Hauptbahnhof: Mitarbeiter der Stadtwerke pumpen Wasser aus einem der drei betroffenen Fernwärmeschächte.
Erst als die Feuerwehr gegen fünf Uhr früh den heißen Wasserdampf bemerkte, der vor dem Hauptbahnhof an die Oberfläche stieg, war das Leck gefunden. Um halb drei schon hatte das Überwachungssystem der Stadtwerke einen Schaden im Fernwärmenetz der Innenstadt gemeldet. Daraufhin waren SWM-Techniker die Leitungen abgefahren, um nach dem Fehler zu suchen.
In Luxus-Hotels wie dem „Anna“ am Stachus und dem „Charles“ an der Sophienstraße wurde es zwar kalt. Im „Anna“ aber konnte ein Warmwassertank für Notfälle die Gäste vor einer eiskalten Dusche bewahren, im „Charles“ heizte man das Wasser mit einer Elektroheizung wieder auf. Im acht mal fünfzehn Meter großen Schwimmbecken im Hotelkeller blieb es einigermaßen warm. Das Wasser wurde zwar nicht geheizt, aber die knapp 120 000 Kubikmeter brauchen ihre Zeit, um abzukühlen.
Wie das Leck entstanden ist, konnten die Stadtwerke gestern nicht klären. Um 14 Uhr war das Problem allerdings vorerst gelöst. Die defekte Stelle wurde vom Netz getrennt und das Wasser über andere Rohre umgeleitet. Aus den Zugangsschächten rund um das Leck musste ausgelaufenes Wasser gepumpt werden. Um den Druck im System wieder auszugleichen, musste an anderer Stelle hingegen wieder Wasser zugeführt werden. Wieviel von dem fast siedend heißen Wasser insgesamt ausgetreten ist, ist nicht bekannt.
Ab 9.30 Uhr schalteten die Techniker einzelne Gebiete nach und nach wieder ans Netz. 99 Prozent der Kunden waren um 11.30 Uhr wieder versorgt. Bis das heiße Wasser zu den einzelnen Büros oder Wohnungen durchgeflossen war, dauerte es teilweise aber länger.
600 Kilometer Fernwärme-Rohre führen durch München
Rund 100 000 Haushalte in München erhalten die Energie für ihre Heizungen und für warmes Wasser über die Fernwärmerohre der Stadtwerke. Sechs Netze betreiben die Werke insgesamt im Stadtgebiet:Innenstadt, Sendling, Bogenhausen, Freimann und Riem. Nach und nach werden jetzt auch im Westen Haushalte ans Netz genommen, in Pasing, Aubing und Freiham. Die Energie dafür kommt aus den Heizkraftwerken Nord, Süd und Freimann. Die dort bei der Stromerzeugung anfallende Wärme wird nicht wie bei vielen anderen Anlagen ungenutzt in die Atmosphäre gepustet, sondern in das Fernwärme-Netz eingespeist. Diese Technik macht, so die SWM, die Kraftwerke doppelt so effizient wie andere Anlangen. Das heiße Wasser oder der heiße Dampf fliest dann über die Leitungen zu den Abnehmern. Das sind vor allem größere Häuser, wie Wohnblocks oder Bürokomplexe. Über einen Wärmetauscher im Keller wird die Energie dort direkt in die Zentralheizung eingespeist. Das abgekühlte Wasser wird dann in das Heizkraftwerk zurück gepumpt. Bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert wird in München Fernwärme genutzt. 1908 versorgte ein nahe gelegenes Kraftwerk das Schwabinger Krankenhaus mit der Abwärme aus der Stromproduktion. Heute ist das Münchner Netz rund 600 Kilometer lang.
Kolja Kröger
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