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Folter in Stadelheim

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Artikel: Folter in Stadelheim

München - "Alles nur Spaß", sagt Knacki Tonda S. vor Gericht. Er soll einen Mitgefangenen beschimpft, erpresst und gefoltert haben. Tonda S.' Vorstrafenliste ist so lang wie sein tätowierter Arm.

Eigentlich war „alles nur ein Joke“, was sich vor einem Jahr in Zelle E0-61 der Untersuchungshaftanstalt Stadelheim abgespielt hat. Das jedenfalls sagt der Gefangene Tonda S. (35) vor dem Landgericht. Der Staatsanwalt sieht das anders. Mehrere Körperverletzungen und Nötigungen sowie eine versuchte räuberische Erpressung soll der erfahrene „Knacki“ mit einem Vorstrafenregister so lang wie sein tätowierter Arm an einem schwächeren Mithäftling verübt haben.

Es begann laut Anklage mit Schlägen auf den Hintern und ging so weit, dass Tonda sein Opfer mit brennenden Zigaretten quälte. Dazu hagelte es Beschimpfungen („Schwuchtel“, „Nutte“) und Drohungen („Ich schlage dich so, dass dich nicht mal deine Frau erkennt“). Der Angeklagte soll Zoran S. (28) den Kopf in die Kloschüssel gedrückt und ihn gebissen haben. Dem Staatsanwalt zufolge forderte der Angeklagte auch Geld. Tonda S. habe Zoran S. ein illegal beschafftes Mobiltelefon in die Hand gedrückt und ihn genötigt, damit seine Frau zu überzeugen, 600 Euro zu überweisen.

Ehefrau Amelis (29) im Zeugenstand: „Ich hatte das Geld nicht, der Schwiegervater auch nicht.“ Und: „Ich hatte Angst um meine vier Kinder und mich.“ Ihr Mann hat sich schließlich einem Aufsichtsbeamten anvertraut und wurde verlegt, er verbüßt seine Strafe wegen Fälschung von Handyverträgen jetzt in der Vollzugsanstalt Landsberg.

Tonda S. hat die Atmosphäre in der Zelle „auflockern“ wollen, wie er es bezeichnet. Dass er den Mitbewohner fragte, ob er „der Mann oder die Frau sein“ wolle - alles Spaß. Dass er, statt selbst aktiv zu werden, seinen Zellengenossen zwang, die Zelle zu putzen und die Betten zu machen - er habe halt in E0-61 für Reinlichkeit gesorgt.

Die Verbrennungen gibt der 35-Jährige zu. „Das hat ihm ein bisschen weh getan, ich habe mich entschuldigt“. Er habe dem anderen halt das „Gitarrespielen“ (glimmende Zigarette zwischen die Finger geklemmt) und das „Fahrradfahren“ (Kippe zwischen den Zehen) beibringen wollen, „das war Spaß“. Die 600 Euro habe er tatsächlich gefordert - für ein weiteres Handy, das ein Beamter unter der Stoßstange seines Wagens für Zoran S. einschmuggeln sollte. „Bei uns in der Zelle war alles Friede, Freude, Eierkuchen“, so der Angeklagte, „da muss er zur Polizei gehen“. Zoran S. sei „ein Verräter“. Das Opfer wird heute die Vorfälle aus seiner Sicht schildern. Seine Vorführung am ersten Prozesstag wurde verschlampt.

Sarah List

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Rubriklistenbild: © dpa

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