München - Am Mittwoch war Sonja K. bei der Caritas. Die 20-Jährige suchte sich einen Mantel, einen Schal, eine Mütze und eine Jeans aus. Die junge Frau ist nicht arm, nicht arbeitslos, steht trotzdem vor dem Nichts.
Ein Feuer hat kurz vor Weihnachten in der Wohnung ihres Freundes alles zerstört. Eine Hausratversicherung hat das Paar nicht. „Es ist zum Weinen“, sagt Sonja. Gestern waren Sonja und Florian wieder in ihrem Appartement in Englschalking. Die Eingangstür ist schwarz vom Ruß, auch die Hauswand. Als sie die Tür aufmachen, wabert ihnen kalter Qualm entgegen. Florian hält sich einen Stofffetzen vor die Nase, tappt im Dunkeln vorwärts. „Oh je, das sieht ja schlimm aus“, sagt Sonja. Die Wände, die Schränke, die Küchenzeile, der Fußboden sind mit einer dicken Rußschicht überzogen. Teilweise ist der Putz von der Wand abgesprungen. „Dort ist der Brand ausgebrochen“, sagt Florian. In der Ecke stand der Fernseher – er war implodiert. In nur fünfzehn Minuten haben die Flammen am vergangenen Freitagabend die gesamte Wohnung zerstört. „Alles ist kaputt“, sagt das Pärchen.
Sonja und Florian haben nichts mehr – nur das, was sie an jenem Abend am Leib hatten. „Eine Hose und ein T-Shirt“, sagt Florian. Der Vertriebsfachmann war an jenem Abend im Keller gewesen, hatte nach Spielsachen für seinen Sohn gesucht. In den wenigen Minuten fing oben der Fernseher Feuer.
Das junge Paar ist nun kurzfristig zu den Eltern gezogen und sucht dringend eine neue Wohnung. „In die alte wollen wir nicht zurück, dort könnten wir nicht unbeschwert wohnen“, sagen sie. Sie hoffen, dass die Versicherung des Vermieters den Brandschaden von etwa 100 000 Euro übernimmt. „Der Fernseher war nur auf Standby, trotzdem hat er gebrannt.“ Für ihren Hausrat müssen sie selbst aufkommen: „Wir haben keine Versicherung dafür.“
Jacob Mell
Rubriklistenbild: © dpa
Karte wird geladen...

Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.