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Interview mit Samira El Ouassil: „Für Wählerstimmen würde ich alles sagen"

„Für Wählerstimmen würde ich alles sagen"

München - Samira El Ouassil, 23, möchte Bundeskanzlerin werden. So richtig ernst meint sie das aber nicht. Die Studentin aus München steht auf keiner Wahlliste, sie ist eher so etwas wie das Maskottchen von „Die Partei", der Partei von dem Satiriker Martin Sonneborn, die - wie die Freie Union von Gabi Pauli - nicht zur Bundestagswahl zugelassen wurde.

© Marcus Schlaf

Will München zur Bundeshauptstadt machen: Samira El Ouassil, die Kanzlerkandidatin der „Partei“.

Was entgeht Deutschland, wenn Sie nicht Bundeskanzlerin werden?

Das ist eine gute Frage. Ehm... Eine Zukunft mit Zukunft.

Aha. Was steht denn in ihrem Wahlprogramm?

Wir finden, dass Deutschland ein schönes Land ist, deswegen darf es zwei davon geben. Wir stehen für den Wiederaufbau der Mauer. Diese Idee geht zurück auf eine Umfrage aus dem Jahr 2004, nach der 25 Prozent aller Deutschen sich die Mauer zurückwünschen. Und da wir eine populistische Partei sind, greifen wir alles auf, was die Bevölkerung will.

Sie stehen selbst auf keiner Wahlliste. Ist es nicht ein Wahlbetrug, wenn Sie in der vordersten Reihe für „Die Partei“ kämpfen?

Nein. Ein Wahlbetrug ist, dass wir von der Wahl ausgeschlossen worden sind.

„Die Partei“ darf nicht zur Bundestagswahl antreten. Damit sind Sie praktisch arbeitslos...

Ich bereite mich trotzdem auf die Wahl vor. Ich bin guter Dinge, dass wir auf den Wahlzetteln stehen werden. Wir haben das Bundesverfassungsgericht angerufen, um die Beschlüsse des Wahlleiters wieder aufzuheben. Sollte das nicht geschehen, werden wir vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. Ich bin zuversichtlich, dass Herr Egeler (der Bundeswahlleiter, d. Red.) zurücktreten muss.

Sie haben wenig Verständnis für die Entscheidung für Herrn Egeler...

Ich finde, sie zeugt von einer großen Arroganz und Infamie. Des weiteren zeigt sie, eigentlich besser als wir es je hätten inszenieren können, die Irrwitzigkeit und die Absurdität der Mechanismen der deutschen Politik. Ich möchte Herrn Egeler dafür danken, dass er es geschafft hat, die Politik zur Satire zu machen.

Sie sind heute Bundeskanzlerkandidatin, weil sie im Juli an einem Casting teilgenommen haben. Was haben Sie getan, um die Jury zu überzeugen?

Erst einmal sah ich verdammt gut aus. Und dann habe ich die Frage, ob ich eine politische Vision hätte, mit „Ja“ beantwortet.

Welche Anforderungen mussten Sie erfüllen?

Die Anforderungen waren: unter 35 sein, politisch engagiert, einmal über den Laufsteg laufen und einen politischen Satz von sich geben. Mein Satz war: „Es ist hier sehr, sehr heiß – aber unser Wahlkampf wird noch viel heißer werden.“

Ihr Bundesvorsitzender Martin Sonneborn hat gesagt, er wolle eine „willenlose Marionette“ beim Casting finden. Fühlen Sie sich als solche?

Sagen wir so: Martin redet, ich sehe aus. Er betreibt Realpolitik, ich Symbolpolitik.

Gibt es auf der politischen Bühne eine attraktive Frau, die Ihnen das Wasser reichen könnte?

Laut Presse natürlich Manuela Schwesig von der SPD. Die wird ja als erstes immer als schön, attraktiv und blond beschrieben, bevor man darauf eingeht, dass sie die Schattensozialministerin von Herrn Steinmeier werden soll. Ansonsten sehe ich da keine.

Frau Merkel ist keine Konkurrenz?

Da Frau Merkel sich in der Öffentlichkeit so wenig zu ihrem Wahlprogramm äußert und das Ganze anscheinend lieber aussitzt, möchte ich zu Frau Merkel auch nichts sagen.

Sie sind Münchnerin. Was wäre für die Stadt drin, wenn Sie Kanzlerin werden würden?

Ich würde München gerne zur Bundeshauptstadt machen. Aber für Wählerstimmen würde ich auch alles sagen.

Interview: Thierry Backes

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