München - Der Ganztag an Schulen soll ausgebaut werden. In der Praxis geht es aber langsam voran. Jetzt wird die Kritik an Stadtschulrat Schweppe lauter: Die Stadt versuche, die Schulen unter Druck zu setzen, sagen Schulleiter.

© ms/fkn
Schulreferent Schweppe wird vorgeworfen, er halte Versprechen nicht. Ursula Sabathil will wissen, ob Schweppe Eltern angerufen hat.
Es sind harte Vorwürfe, mit denen Rainer Schweppe konfrontiert ist. In einer Stadtratsanfrage von Ursula Sabathil (parteilos), die dieser Zeitung vorliegt, fragt sie, ob es zutreffe, dass „der Stadtschulrat persönlich Eltern von Schulanfängern angerufen und sie aufgefordert hat, der Schulleitung Druck zu machen, damit ein Ganztagszug eingerichtet wird“. Auf Anfrage wollte sich das Bildungsreferat gestern nicht dazu erklären, ob der Vorwurf zutrifft.
Viel Kritik an Schweppe ist offenbar auch beim staatlichen Schulamt aufgelaufen. „Es werden Dinge versprochen und dann nicht eingehalten“, sagte die Leiterin Georgina Müller unserer Zeitung. „Er sagt, wenn ihr die Ganztagsklassen macht, dann kriegt ihr die Räume“ – was dann nicht geschehe. „Zahlreiche“ Briefe von Schulleitern würden vorliegen. Empörte Schreiben von Schulen, die sich ausgerechnet auf das Herzensthema von Schweppe beziehen: den Ausbau der Ganztagsangebote.
Für den heutigen Dienstag hat das Bildungsreferat eine Pressekonferenz angesetzt, bei der Schweppe die Ergebnisse einer Elternbefragung vorstellt. Dort will er einmal mehr aufzeigen, dass der Bedarf für die Nachmittagsbetreuung groß ist – schließlich sind die Mieten hoch, oft müssen beide Eltern arbeiten. Ganztagsklassen gibt es bisher nur an 29 der 130 Grundschulen. Jetzt wird der Referent sich auch unangenehmen Fragen stellen müssen.
Atmosphärische Spannungen zwischen Schulen und Stadt sind nicht zu übersehen. „Ich habe den Eindruck, dass zwei Kräfte gegeneinander arbeiten, die eigentlich miteinander arbeiten sollten“, sagt Angela Wanke-Schopf, die Vorsitzende des Gemeinsamen Elternbeirats, der die Grundschul-Eltern vertritt. „So kommen wir keinen Schritt weiter.“ Dass es weitergehen muss, da sind sich eigentlich alle einig. Die Stadt, der Freistaat und die meisten Schulleiter befürworten einen Ausbau des Ganztags. Und auch die Eltern – das wird die Befragung, die heute vorgestellt wird, wieder zeigen.
Aus dem Schulreferat hieß es gestern dazu, ein Runder Tisch sei mehrfach verschoben worden, Mitte Februar werde er nun aber stattfinden.
Vorwürfe wie den von der Boschetsrieder Schule hat die Leiterin des staatlichen Schulamtes in letzter Zeit viele gehört. „Es geht auch um Küchen oder um Spielräume“, sagt sie. Konkrete Zusagen wären nicht eingehalten worden. „Deshalb gibt es kein Vertrauen mehr bei den Schulleitern.“
Das Bildungsreferat will die Schulen eigentlich bei den Ganztagsklassen unterstützen, hat 2011 eigens eine Ganztagsagentur eingerichtet. Rainer Schweppe hat angekündigt, 80 Prozent der Grundschüler mit Ganztagesangeboten versorgen zu wollen.
„Wir bestreiten nicht, dass ein gewisser Erwartungsdruck in der Luft liegt“, sagte Sprecherin Eva Maria Volland gestern. „Aber wir machen Angebote.“ Der Druck komme vom Staat, der die Frist gesetzt habe, sagt Volland. Die Stadt ermuntert die Schulen aber, auch nach dem März noch Anträge zu stellen. 2011 habe das in allen Fällen geklappt. Wenn die Anträge gestellt sind, will die Stadt nötige Umbaumaßnahmen in Angriff nehmen. Dafür aber müssen sich die Schulen zunächst für den Ganztag entscheiden. Und wie es scheint, hat da derzeit mancher Rektor seine Zweifel.
Von Felix Müller
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