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Gen-Öl: Das Problem der Münchner Wirte

München - Verwechslungsgefahr beim Großhändler: Viele Wirte wissen selbst nicht, in welchen Dosen Gen-Öl steckt – und setzen es ihren ahnungslosen Gästen vor. Langsam aber verbessert sich die Lage.

Mindestens zwei Münchner Großhändler, am Ostbahnhof und an der Großmarkthalle, verkaufen gentechnisch verändertes Soja-Öl der Marke „Sedina“. Es ist, sagen Händler, das meistverkaufte Speiseöl in der Gastronomie. Es steckt in grünen 10-Liter-Dosen, von denen die Großhändler in der Woche etwa 60 an Gastronomen verkaufen. Das Öl gibt es auch als gentechnisch unveränderte Variante – in einer blauen Dose. Sie ist deutlich weniger gefragt, kostet bei der gleichen Menge auch mehr.

Dennoch scheint eher der Farbunterschied der Grund dafür zu sein, dass einige Münchner Restaurants Gen-Öl-Speisen auftischen, ohne dass Wirt und Gast davon etwas ahnen. Das geht aus einer Studie des Vereins „Umwelt und Gesundheit“ hervor, die das städtische Gesundheitsreferat finanziert und kürzlich veröffentlicht hat.

Vor einigen Jahren enthielten die grünen Kanister in der Tat noch gentechnisch unverändertes Öl. Als der Hersteller, die Ölmühle ADM in Hamburg, den Inhalt austauschte, blieb das Aussehen der Dose gleich. Nur ein Detail wurde geändert: ADM fügte den gesetzlich vorgeschriebenen Hinweis in Klein-Buchstaben hinzu – der so manchem Wirt entgangen zu sein scheint.

Wie viele Gaststätten in München – wissentlich oder unwissentlich – Gen-Öl benutzen, darüber existieren keine Zahlen. Im zweiten Halbjahr 2009 aber erwischten die Lebensmittelüberwacher der Stadt bei 8763 Kontrollen 20 Wirte, die das Gen-Öl auf ihren Speisekarten nicht angaben.

Seit 2004 müssen gentechnisch veränderte Zutaten ausgewiesen werden. Im ersten Halbjahr 2010 ahndete die Stadt 23 Verstöße, bei aber nur 4167 Kontrollen. Viele Wirte gaben bei der aktuellen Studie an, sie wüssten gar nicht, dass sie bei der grünen Dose zu Gen-Öl greifen.

Dass sie sich so ein Bußgeld einhandeln können, ist vielen nicht bewusst. Kaum ein Wirt wisse von der Kennzeichnungspflicht, heißt es in der Studie. Entscheidend im Einkauf sei der Preis – und die grüne Dose ist billiger. Der Umsatz mit dem gentechnisch unveränderten Öl, das nach der Umstellung bei ADM in der blauen Dose landete, ist nach Recherchen des Umweltvereins deutlich zurückgegangen.

Umweltschützer von Greenpeace kritisieren unterdessen die Informationspolitik der Behörden. Sie bemängeln, dass das Kreisverwaltungsreferat (KVR) auf seinem Infozettel in nur einem von vielen Punkten auf die Kennzeichnungspflicht hinweise. Weil dieses Infoblatt nur auf Deutsch verbreitet würde, verstünden ausländische Wirte es oft nicht, stellten Mitarbeiter von „Umwelt und Gesundheit“ fest.

Bitter stößt Greenpeace zudem auf, dass das KVR lange falsche Zahlen über Gen-Öl-Sünder herausgegeben hat. Ende 2008 erklärte das KVR gegenüber Greenpeace, dass seit Januar 2007 in München fünf Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht festgestellt worden seien. Eine ähnliche Zahl gab das KVR gegenüber „Umwelt und Gesundheit“ an.

Erst nach Nachfragen erfolgte die Korrektur: Allein im zweiten Halbjahr 2008 gingen den Inspektoren bei 567 Kontrollen 36 Gen-Öl-Sünder ins Netz. Die Diskrepanz begründete das KVR gegenüber unserer Zeitung mit einem „Abfragefehler“. Es habe Software-Umstellungen gegeben, wahrscheinlich habe jemand den Computer falsch bedient.

Nach Greenpeace-Erkenntnissen verstoßen vor allem ausländische Restaurants gegen die Vorschrift. Im Oktober 2009 schauten die Umweltschützer selbst in 83 Münchner Lokalen nach. Sechs davon benutzten Gen-Öl, ohne Kunden davon in Kenntnis zu setzen.

Der Trend scheint aber weg vom Gen-Öl zu gehen. 2007 hatte Greenpeace bei Stichproben in München noch 25 Prozent Verstöße registriert. Seitdem sei die Quote bundesweit um fünf Prozent gefallen, sagt Klaus Müller, Gentechnik-Experte von Greenpeace München. Dennoch scheinen manche Händler nicht ganz ehrlich zu sein. So habe ein Asia-Imbiss in Moosach zwar versprochen, sich von der grünen Dose zu trennen. Einige Zeit später entdeckten Greenpeace-Mitarbeiter die Dose hinter dem Tresen – aber keinen Hinweis für die Gäste.

Auf Händler-Seite gibt es Bewegung. Zwei Großhändler erklärten während der Recherchen von „Umwelt und Gesundheit“, in Zukunft kein Gen-Öl mehr zu verkaufen. Im November hatte Greenpeace den Nürnberger Großhändler „Alpha Pack“ auf seine schwarze Gen-Öl Liste gesetzt. Als der über diese Zeitung davon erfuhr, verbannte er die grünen Dosen aus seinem Sortiment.

Kolja Kröger

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